Amtsdeutsch abschaffen

Es geht auch einfach: Wölfersheim schafft Behördensprache ab

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Die Gemeinde Wölfersheim hat schon vor Jahren das Amtsdeutsch aus ihren Briefen verbannt – und gute Erfahrungen damit gemacht.

Mit Behördenbriefen ist es so eine Sache. Der Inhalt ist in der Regel wichtig. Das Problem: Er ist in vielen Fällen schwer verständlich. Lange Sätze mit drei Einschüben, dazwischen stehen Paragrafen. Und dann ist da noch die Wortwahl: Statt um eine Ampel geht es um die Lichtzeichenanlage. Und wenn die Briefmarke gemeint ist, ist im Amtsdeutsch von einem Postwertzeichen die Rede.

Kompliziert, aber so ist es nun mal in den deutschen Behörden. Aber muss es deswegen so bleiben? Nein, sagte der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde Wölfersheim, Rouven Kötter, vor einigen Jahren. Und startete die Initiative "Wölfersheim schafft das Amtsdeutsch ab". Heute hat die Gemeinde das Amtsdeutsch fast komplett aus ihren Briefen verbannt – und ist damit vielen Kommunen in ganz Deutschland voraus, die das Problem angehen wollen.

Seinerzeit wurden über zwei Monate hinweg sämtliche Behördenbriefe im Rathaus gesammelt und auf schwer verständliche Passagen überprüft. Die Gemeinde formulierte daraufhin ihre Briefe um, Hinweise auf Rechtsgrundlagen zum Beispiel, sind an das Ende des Textes verfrachtet, Schachtelsätze aufgedröselt worden. Kötter sagte damals: "Rechtssicherheit und Verständlichkeit schließen sich nicht aus."

Weniger Rückfragen

Beispiel Bestattungsgebühren. Damals, bevor Wölfersheim das Amtsdeutsch abgeschafft hatte, erhielten die Angehörigen eines Verstorbenen Post, in der es um die Kosten für die Bestattung ging. Und, hieß es darin: Würden diese nicht rechtzeitig beglichen, komme es zu einem Verwaltungszwangsverfahren. Das klingt nicht nur sperrig und schwer verständlich, es ist vor allem unangemessen in einer Trauerfall-Situation. Kötter machte deswegen damals einen Vorschlag für eine andere Variante: "Sie haben einen geliebten Menschen verloren und sind daher noch in tiefer Trauer. Hierzu entbieten wir unsere aufrichtige Anteilnahme", heißt es einleitend. Dann: "Doch leider müssen auch in solchen schwierigen Situationen formelle und unangenehme Dinge geklärt werden. So auch die Gebühren für die Bestattung."

Ein anderes Beispiel aus Wölfersheim ist die Einladung zum Elternabend. Die klassische Amtsdeutsch-Variante: Der Elternabend "findet gemäß § 3 der Satzung über die Bildung und Aufgaben von Elternversammlung und Elternbeirat für die Kindergärten der Gemeinde Wölfersheim, zwecks Wahl eines Elternbeirats, am 16. August um 20 Uhr im Kindergarten statt." Die neue Version: "Der Elternabend findet am 16. August um 20 Uhr im Kindergarten statt. Unter anderem soll dieser Elternabend genutzt werden, um aus Ihren Reihen einen Elternbeirat zu wählen."

Einmaliger Aufwand

Die Gemeinde hat die Vorschläge damals umgesetzt. Klar, es war Arbeit, sagt der zuständige Rathaus-Mitarbeiter Sebastian Göbel, doch dafür war es ein einmaliger Aufwand. Ein paar Altlasten tauchen immer mal wieder auf. Doch sobald die jemandem in der Verwaltung auffallen, werden sie geändert. Aktuelles Beispiel ist das Wort "Gestellung" – klassisches Amtsdeutsch, das sonst nirgends Verwendung findet. Bald wird es in keinem Brief mehr zu finden sein, weil es durch "Bereitstellung" ersetzt wird.

Insgesamt, sagt Göbel, hat sich das Vorhaben bewährt. Auch, weil zu beobachten sei, dass weniger Rückfragen von Bürgern zu der Post aus dem Rathaus kommen.

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