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Lokales Metzgerhandwerk

Fleisch aus der Region - »Man schmeckt den Unterschied«

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Die Empörung über die Zustände bei Tönnies ist groß. Doch ob sich etwasin der Fleischindustrie ändert, entscheidet der Verbraucher, sagt Markus Hofmann. Der Wölfersheimer verkauft seit Jahren nur Fleisch aus eigener Produktion.

Ein Geheimnis ist es nicht. Unzählig Dokumentationen und Berichte haben schon gezeigt, welche Zustände in der Fleischindustrie herrschen. »Schweine werden zu Dumping-Preisen geschlachtet, um den Preis für Fleisch immer niedriger zu drücken«, sagt Markus Hofmann. »Und dann passiert so etwas, wie wir es gerade in den Medien sehen.«

Vor 20 Jahren hat sich Hofmann mit seiner Metzgerei und seinem Schlachtbetrieb auf der Wölfersheimer Hauptstraße selbstständig gemacht. Wie er dort arbeitet, steht im Gegensatz zu dem, was gerade über die Zustände im Schlachtbetrieb von Tönnies in den Medien thematisiert wird.

Hofmann schlachtet ausschließlich Schweine und Rinder aus der Region, erzählt er. Die meisten Schweine kommen aus dem Schwalheimer Mastbetrieb von Thorsten Dietz und von Dirk Heinzmann in Melbach. Rinder kommen ebenfalls von Heinzmann sowie von Markus Hofmanns Bruder, Carsten Hofmann, der weiter unten in der Straße wohnt.

Die Transportwege sind kurz. Das sei wichtig, sagt Hofmann. Ebenso wie der Umgang mit den Tieren. »Wir haben hier einen Schweinestall.« Der ist in unter der Woche leer, wenn sonntags aber Schweine zum Schlachten geliefert werden, werden sie dort für eine Nacht einquartiert. Montagsmorgens, um halb 5, werden sie geschlachtet. »Das Schwein soll ausgeruht sein. Deswegen bleibt es eine Nacht im Stall, hat Futter und Wasser.« Morgens würden die Schweine dann ins Schlachthaus gebracht (»als Gruppe, damit sie nicht gestresst sind«), betäubt und schließlich entblutet.

Im Durchschnitt, berichtet Hofmann, schlachten er und sein Mitarbeiter 15 bis 20 Schweine pro Woche sowie zehn Rinder. Neben dem Schlachten sind Hofmann und sein Team auch für die komplette Verarbeitung des Fleischs zuständig. Wurst, Steaks, Schnitzel - das meiste wird im Laden der Hofmanns verkauft. Ein Teil der verarbeiteten Produkte geht aber auch an andere Metzger, die nicht mehr selbst schlachten, sondern nur noch verkaufen.

Die Nachfrage dafür sei in den vergangenen Jahren größer geworden, berichtet Hofmann. Das liege auch daran, dass viele das Schlachten wegen der Auflagen und Richtlinien aufgegeben hätten. »Viele sagen, sie sind zu alt« - denn die Umsetzung der behördlichen Auflagen sei oft auch eine Investitionsfrage. Zum Beispiel müsse in einem Schlachtbetrieb für jeden Arbeitsschritt ein einzelner Raum zur Verfügung stehen (einer fürs Schlachten an sich, einer zum Zerlegen, einer zur Wurstverarbeitung usw.). Zudem sei der Beruf bürokratischer geworden. So müssten die Hofmanns genaue Dokumentationen anfertigen. Das koste eine Menge Zeit neben der eigentlichen Arbeit.

Und doch: Hofmann ist nach wie vor froh, dass er sich selbstständig gemacht hat. Der Beruf mache ihm noch immer Spaß. Aber, das weiß er auch: »Wir können davon leben, werden aber nicht reich.«

Das liegt zum Teil auch an der Situation: Eben wegen solcher Betriebe wie Tönnies, die Fleisch produzieren, das in Supermärkten für wenig Geld angeboten wird. »Da können wir preislich nicht mithalten«, sagt Hofmann. »Wir versuchen schon immer, die Preise so niedrig wie möglich zu halten.« Dennoch: Mit Massentierhaltungsbetrieben sei das nicht zu vergleichen.

Das fange schon bei den Mitarbeitern an: Drei Metzgergesellen sowie ein Auszubildender sind in Hofmanns Betrieb als Schlachter beschäftigt. Dazu kommen die Verkäuferinnen im Laden, zu denen auch Markus Hofmanns Frau Doreen gehört. »Wir wollen unsere Leute ja auch anständig bezahlen.« Zudem ist die Produktion teurer als in der Massentierhaltung. Doch letztlich, sagt der Metzger, lohnt es sich: »Man schmeckt den Unterschied.« Er schlachte die Schweine ohnehin erst, wenn sie ein bisschen schwerer sind (an die 120 Kilo). »Ich weiß, wo mein Fleisch herkommt. Und durch den kurzen Transport und den ruhigen Umgang mit den Tieren können wir die Fleischqualität stark beeinflussen.« Im Ergebnis sei der Unterschied zu Billig-Fleisch aus dem Supermarkt enorm. »Unser Fleisch kommt in der Größe aus der Pfanne, in der es reingekommen ist - und nicht halb so groß.

Ob sich in der Fleischproduktion im Allgemeinen etwas ändert, entscheidet letztlich der Verbraucher, sagen die Hofmanns: »Die Leute müssen einfach umdenken. Gerade in der Wetterau gibt es noch viele Schlachtbetriebe. Die Verbraucher sollten Fleisch nur kaufen, wenn sie wissen, woher es kommt.«

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