Der Plan für das Fachmarktzentrum an der Schottener Straße sieht u. a. Geschäfte für Kleidung, Schuhe und Drogerieartikel vor, doch die Umsetzung steht auf der Kippe – die Schäferstadt fürchtet um ihre Kuinden.
+
Der Plan für das Fachmarktzentrum an der Schottener Straße sieht u. a. Geschäfte für Kleidung, Schuhe und Drogerieartikel vor, doch die Umsetzung steht auf der Kippe – die Schäferstadt fürchtet um ihre Kuinden.

Fachmarktzentrum Berstadt droht zu scheitern

Wölfersheim-Berstadt (mlu). In einer gerichtlichen Eilentscheidung hat das Verwaltungsgericht Gießen die Baugenehmigung des Wetteraukreises für das geplante Fachmarktzentrum in Berstadt gestoppt. Die Stadt Hungen hatte geklagt.

Im Frühjahr hatten die Gemeindevertreter mehrheitlich einem Fachmarktzentrum im Berstädter Gewerbegebiet zugestimmt. Ein Investor beabsichtigt, auf einem Privatgrundstück an der Bundesstraße einen Rewe-Lebensmittel- und Getränkemarkt zu errichten. Der Politik missfiel das Ansinnen zwar, da entsprechende Versorgungsstrukturen in Wölfersheim vorhanden sind. Doch die Offerte des Investors, auf angrenzendem Gemeindegrundstück auch für Fachmärkte für Schuhe, Kleidung und Drogerieartikel zu sorgen, den gesamten Komplex als Fachmarktzentrum zu konzipieren, dieses Angebot wollte das Parlament – mit Ausnahme der Grünen – nicht ungenutzt lassen. Das Gemeindegrundstück wurde verkauft unter dem Vorbehalt, dass auch gebaut werden kann.

Nachdem die Nachbarkommune Hungen gegen die Baugenehmigung des Wetteraukreises geklagt hat, diese in einer Eilentscheidung gestoppt wurde, ist unklar, ob das Fachmarktzentrum kommen wird. Laut Kreispressesprecher Michael Elsaß behält sich der Wetteraukreis als Beklagter vor, innerhalb von zwei Wochen Widerspruch gegen die Eilentscheidung einzulegen. Wahrscheinlicher ist, dass dies der Investor als Beigeladener tun wird. Andernfalls geht es in die Hauptverhandlung.

Wölfersheims Bürgermeister Rouven Kötter geht nicht davon aus, dass sich der Investor auf ein langwieriges Verfahren einlassen würde. Wölfersheim selbst sei zum "Zuschauen und Abwarten" verdammt. "Die Gemeinde ist kein Verfahrensbeteiligter und hat daher keine Handlungsmöglichkeiten", sagt der Rathauschef und kommentiert: "Ich persönlich finde es enttäuschend, dass eine Nachbarkommune auf dem Klageweg die Entwicklung in unserer Gemeinde hemmen will. Insbesondere der dm-Markt, das Textil- und das Schuhgeschäft hätten die Einkaufsmöglichkeiten in Wölfersheim sehr bereichert. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich nicht beurteilen, ob das Projekt damit komplett gescheitert ist. Es wurde auf jeden Fall ein großer Stein in den Weg gerollt, der nur schwer wieder wegzuräumen ist."

Für Berstadt sei das nicht dramatisch, aber schade. Vor allem bedauert Kötter, dass das Verhältnis zur Schäferstadt belastet wird, der Klageweg habe ihn tatsächlich überrascht. "Echzell hätte noch eher Grund dazu gehabt. Bislang gab es einen nachbarschaftlichen Konsens, der jetzt zumindest von Hungen offenbar aufgekündigt wurde." Verwunderlich findet Kötter diesen Schritt, weil ihn der Nachbar aus seiner Sicht aufgrund seiner Stärke nicht nötig gehabt habe. Stattgegeben habe das Verwaltungsgericht der Klage gegen die Baugenehmigung wohl, da es bei dem Bauvorhaben um eine Verkaufsfläche von mehr als 800 Quadratmetern geht. Die Addition der Einzelflächen sei offenbar problematisch, meint Kötter.

Der Hungener Bürgermeister Rainer Wengorsch weilt derzeit im Urlaub und war auf Anfrage der WZ ad hoc zu keiner Stellungnahme bereit. (Grafik: pv)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare