Das Haus ist seit dem Brand unbewohnbar und wird komplett abgerissen, berichtet Lothar Appel. Wie es dann weitergeht, ob sie es wieder aufbauen werden, wissen er und seine Frau Reinhild nicht. So oder so: Vorerst müssen die beiden eine Unterkunft finden.		FOTO: TIMO JAUX
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Das Haus ist seit dem Brand unbewohnbar und wird komplett abgerissen, berichtet Lothar Appel. Wie es dann weitergeht, ob sie es wieder aufbauen werden, wissen er und seine Frau Reinhild nicht. So oder so: Vorerst müssen die beiden eine Unterkunft finden. FOTO: TIMO JAUX

Kreuzquellen-Brand

Verheerender Kreuzquellen-Brand in Wölfersheim: An einem Abend alles verloren

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Wie es weitergeht, wissen Reinhild und Lothar Appel nicht. Seit Ende November wohnen sie in einem Hotel. Ihr Zuhause, die Kreuzquelle bei Berstadt, ist am 20. November abgebrannt.

Wölfersheim - Reinhild und Lothar Appel können bloß zuschauen. In Schlappen stehen sie vor ihrem Haus, das lichterloh brennt. Sie will noch einmal rein, wenigstens die Autoschlüssel holen. »Aber mir kam eine Hitzewelle entgegen.« Die Feuerwehr ist schnell da, aus fünf Orten rücken Wehrleute an, doch das Haus ist nicht mehr zu retten. Das Feuer greift vom Erdgeschoss auf das hölzerne Dachgeschoss über. »Es hat gebrannt wie Zunder«, sagt Lothar Appel.

Die beiden wohnen seit dem Brand im November im Hotel Luxstay in Karben. Die Kleider, die sie tragen, haben sie in den vergangenen Wochen in Second-Hand-Läden gekauft. »Alles war weg. Kleider, Unterwäsche, Andenken.«

Lothar und Reinhild Appel haben die Kreuzquelle, das Anwesen zwischen Berstadt und Grund-Schwalheim, vor 30 Jahren gekauft. Den Namen hat das Anwesen wegen der historischen Quellen auf dem Areal. Im Anbau haben sie in den 2000ern eine Anlage zur Mineralwasserabfüllung gebaut. Doch mit seiner Krankheit - Lothar Appel hat die chronische Lungenkrankheit COPD, sitzt die meiste Zeit im Rollstuhl und ist als schwerbehindert eingestuft - konnte er diese Arbeit nicht mehr machen. Vergangenes Jahr dachten die beiden darüber nach, das Anwesen zu verkaufen. Doch sie blieben.

Verheerender Kreuzquellen-Brand in Wölfersheim: Ursache vermutlich Kabelbrand

Gemeinsam haben sie viele Jahre die Wetterauer Zeitung ausgetragen. Dann, als die Kinder ausgezogen waren und sie viel Platz in dem großen Haus hatten, haben sie die Zimmer vermietet; drei Doppelzimmer, ein Einzelzimmer sowie eine Ferienwohnung - für Monteure, die in der Nähe zu tun hatten. »Wir haben die Zimmer so schön eingerichtet«, sagt Lothar Appel. »Jetzt ist alles verbrannt.«

Es ist noch nicht abschließend geklärt, warum das Feuer am Abend des 20. Novembers ausgebrochen ist. Wovon im Moment jedoch ausgegangen werde: Die Ursache sei ein Kabelbrand am Fernseher gewesen.

An jenem Abend habe es im Wohnzimmer komisch gerochen, daran erinnern sich die Appels noch. Sie vermuteten jedoch, es komme vom Kamin - vielleicht wegen des Harzes im Holz. »Ich habe die Fenster aufgemacht, und wir sind in ein anderes Zimmer gegangen« - eins mit Tür nach draußen. Bald darauf sei ein klirrendes Geräusch aus dem Wohnzimmer zu hören gewesen, »und als ich um die Ecke gegangen bin, kam mir schon eine schwarze Wolke entgegen.«

Über die Terrassentür verlassen sie das Haus - nur das Handy in der Hand - und alarmieren die Feuerwehr. Auch die drei in den vermieteten Zimmern einquartierten Gäste kommen nach draußen.

Sanitäter sind vor Ort und kümmern sich um Lothar Appel, die 100 Feuerwehrleute löschen stundenlang - aber am Ende stehen die Appels vor einer Ruine. Das Haus ist unbewohnbar. »Ich hatte nur eine Hose und einen Pulli an. Alles ist weg. Mein Meisterbrief, Fotos, Unterlagen«, sagt Lothar Appel. »Am nächsten Tag bin ich mit meiner Tochter das Nötigsten einkaufen gefahren«, erzählt Reinhild Appel. »Eine Winterjacke, es war ja schon kalt, Schuhe, eine Zahnbürste.«

Feuer in Wölfersheim: „Es geht mal einen halben Tag, dann übermannt es einen wieder“

Aus dem Hotel, wo die Appels untergekommen sind, werden sie bald ausziehen. Zwar zahle die Versicherung den Aufenthalt - allerdings nur für einige Wochen, die bald vorbei sind. »Wir bekommen Rente und müssen sehen, wie wir rumkommen.«

Die Wohnungssuche sei bislang erfolglos gewesen. Dabei hatten sie schon einige Besichtigungstermine. Wegen des Rollstuhls sind sie auf eine ebenerdige, barrierefreie Wohnung angewiesen. Bisher sei keine passende dabei gewesen; eine bloß, aber die sei zu teuer gewesen.

»Keine Ahnung, wie es weitergeht«, sagt sie. »Es geht mal einen halben Tag, dann übermannt es einen wieder. Es ist einfach zu viel, was man alles machen muss« - Bankkarte und Personalausweis beantragen. Beim Telefonanbieter nachweisen, dass es den Anschluss nicht mehr gibt, GEZ abmelden. Und abwarten: Wie es weitergeht.

Ob das Haus an der Kreuzquelle wieder aufgebaut wird oder nicht. »Keiner kann uns was Genaues sagen. Vor allem, wo wir hinsollen. Wir müssen Abstriche machen, das wissen wir.«

Die beiden wünschen sich, in der Umgebung bleiben zu können. Am besten in Wölfersheim. Hungen wäre eine Option. Butzbach oder Rockenberg ginge auch. »Wir fühlen uns hier zu Hause«, sagt Reinhild Appel. »Es ist ja sowieso schon alles weg, dann wäre es in einer fremden Umgebung noch schwieriger.«

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