Lieder rund um das Leben, die Liebe und das, was wirklich wichtig ist: Sängerin Pauli an der Gitarre, Jörg Kahl am Bass und Ben Böttcher am Schlagzeug. FOTO: IM
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Lieder rund um das Leben, die Liebe und das, was wirklich wichtig ist: Sängerin Pauli an der Gitarre, Jörg Kahl am Bass und Ben Böttcher am Schlagzeug. FOTO: IM

"Dunkelbunte Ohrwurmlieder"

  • vonInge Schneider
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Wölfersheim(im). Sie setzt ihren grünglitzernden Koboldhut auf, greift in die Saiten, singt, kiekst und erzählt sich in die Herzen des Publikums: Die junge Bad Nauheimer Liedermacherin und Gitarristin "Pauli" verzauberte in der Veranstaltungsreihe "Sommer am See" auf der Wölfersheimer "Vielfaltbühne" mit sehr persönlichen Liedern rund um das Leben, die Liebe und das, was wirklich wichtig ist.

Unterstützt von der Gemeinde, dem Verein "Treffpunkt See" sowie der Demokratie-Initiative "BUNTerLEBEN", war dieser gleichermaßen tiefgründige wie erfrischende Abend aus dem selbst erschaffenen Genre Poet-Grunge zustande gekommen, womit sich Pauli und ihre Mitstreiter Jörg Kahl am Bass und Ben Böttcher am Schlagzeug, irgendwo zwischen engagierten deutschen Texten und dem punk- und metal-lastigen Grunge-Sound der 90er Jahre, verkörpert unter anderem durch die US-Band Nirvana, platzieren. "Hauptsache, die Stil-Schublade ist groß und bequem, so dass alles hineinpasst, was wir zu sagen haben", sagt Pauli zu ihrer Eigenkreation und legt los. Das, was von der Kritik häufig als "dunkelbunte Ohrwurmlieder" bezeichnet wird, schleicht sich tatsächlich sofort in die Gehörgänge und in die Tanzbeine, vor der Bühne. Auf dem Damm wird es mit gebührendem Abstand allmählich voller, Zuhörer aller Generationen und ganze Familien finden sich ein und genießen bei einem Glas Wein den lauen Sommerabend.

Tanzen auf dem Damm

Sie sei hier von vielen Lieblingsmenschen umgeben, stellt Pauli fest - kein Wunder, da ja ohnehin alles mit allem verbunden und "wir alle ein bisschen Pauli" seien. Was anderswo als Vereinnahmung daherkäme, wirkt bei der jungen Frau mit der wandelbaren Stimme eher berührend und auf eine fragile Art weise. Überhaupt schickt sich Pauli zu streckenweise schonungslos offenen Streifzügen durch ihr Innenleben und die verletzlichen Seiten der menschlichen Psyche ganz allgemein an, beginnt mit dem Burn-out, arbeitet sich über "Den ganzen Tag ist Krach" und "Keiner ohne Fehler" zur Tablettensucht und schließlich dem schwierigen Wort "Entschuldige" vor.

Natürlich darf auch "Schmusi-Zeug" nicht fehlen, darunter die zarte Ballade "Ich mag dich", eine Hommage an die Stille und innere Kraftorte unter dem Titel "Im Meer" und ein Loblied auf das Leben: "Einfach schön". Texte seien ihr extrem wichtig, sagt Pauli, und man glaubt der Künstlerin auf Anhieb, die in ihrem Song "Worte" die Macht der Sprache als Trösterin, Heilerin, Liebende, Lügnerin oder Vernichterin beschreibt.

Sie selbst versteht sich brillant auf das Spiel mit dem Wort, vielseitig zwischen Punk und Swing unterstützt von ihren Musikerkollegen: "Wer das Kleine nicht ehrt, ist das Große nicht wert", "Manchmal ist weniger ganz viel" und "Vergiss dich nicht", heißen einige Sprachperlen dieses Abends. Doch kaum hat man sich als Zuhörer zwischen Nachdenklichkeit und Emotionalität eingerichtet, blitzt wiederum der Kobold Pauli hervor, wirbelt über die Bühne, fegt mit schier biblischem Zorn die gesamtgesellschaftliche Jagd nach dem Mammon beiseite, verpasst persönlichen Lebenslügen eine Breitseite ("Nicht mehr"), stellt fest: "Von alleine wird’s nicht besser werden" und entlässt ihr Publikum mit der Feststellung "Es geht nicht immer um…" in eine rätselhafte Leerstelle. Nachdem die Worte bereits zu Ehren kamen, darf zum Schluss die Musik selbst nicht fehlen: "Wunderschön" und "Schenk mir ein Lied" sind Songs voller Freude und Dankbarkeit an die Kraft der Klänge, die diesen Abend zu etwas ganz Besonderem werden ließ.

"Sommer am See" geht am heutigen Samstag, 22 . August, mit einem Kammerkonzert der Neuen Philharmonie Frankfurt zu Ende. Tickets: www.woelfersheim.de

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