Chorgesang und Freiheitsdrang

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Der älteste Verein Berstadts und der Gesamtgemeinde Wölfersheim blickt in diesem Jahr auf seine Gründung vor 175 Jahren zurück. Der Gesangverein "Eintracht" in Berstadt sei damals Zeichen eines gesamtgesellschaftlichen Umbruchs gewesen, stellte Schirmherr Joachim Arnold anlässlich des Festkommers "175 Jahre Gesangverein Berstadt" am Samstag in der Mehrzweckhalle heraus.

Der älteste Verein Berstadts und der Gesamtgemeinde Wölfersheim blickt in diesem Jahr auf seine Gründung vor 175 Jahren zurück. Der Gesangverein "Eintracht" in Berstadt sei damals Zeichen eines gesamtgesellschaftlichen Umbruchs gewesen, stellte Schirmherr Joachim Arnold anlässlich des Festkommers "175 Jahre Gesangverein Berstadt" am Samstag in der Mehrzweckhalle heraus.

1844 regte sich in Deutschland der Wunsch nach eigenem Gestalten der Menschen unabhängig von der Bevormundung durch die Obrigkeit. Das zeigte sich in der sogenannten Revolution von 1848. Ein Vorbote seien die Turner- und Sängerbewegung. Angeregt hat die Gründung des Vereins in Berstadt, wie fast überall, der örtliche Lehrer, Lehrer Mahlerwein. Geboren wurde die Eintracht an einem geschichtsträchtigen Tag des Ortes, am "Berschder Maad" am 26. November.

Von Gospel bis Star Wars

In der Geschichte des Vereins fand man sich auch nach kriegsbedingten Pausen wieder zum Singen zusammen. Arnold, der den Verein als sozialen Kitt des Dorfes bezeichnete, erinnerte auch daran, dass sich die Sichtweite der Generationen änderten. Darauf müssten die Vereine reagieren.

Der erste Vereinsvorsitzende Peter Erhart sagte, der ehemalige Männergesangverein eine höhere Frauenquote als die meisten DAX-Firmen und Parteien. In Kontakt mit dem französischen Chor "Les Troubadours de Berstett" pflege man zudem den europäischen Gedanken. Er begründete die Wahl von Arnold als Schirmherr damit, dass der heutige Ovag-Vorsitzende einer der längsten Begleiter des Vereins sei. Als weitere Ehrengäste begrüßte er Landrat Jan Weckler, Bürgermeister Eike See, den Vertreter des hessischen und deutschen Sängerbundes Heinrich Herzberger (Echzell), die Vorsitzende des Chattia-Sängerbundes, Andrea Eller (Laubach), und des Sängerbundes Friedberg/Wetterau, Bettina Winkel (Wölfersheim), sowie den katholischen Pfarrer Wolfgang Kaiser.

Berstadts evangelische Ortspfarrerin Kerstin Tenholte hatte am Nachmittag das Gedenken an die Toten am Friedhof zusammen mit dem gemischten Chor Berstadts und dem Blechbläsersextett des TV 06 Berstadt mit Leiter Florian Bayer im festlichen Rahmen mitgestaltet. Den Kommersabend eröffneten die Bläser mit der Festfanfare. Anschließend spielten sie mit dem Chor des Jubilars unter der Leitung von Dr. Lothar Wenzel "Conquest of Paradise". Es folgte der Frauenchor "Ladies in Takt" mit dem musikalischen Bekenntnis "Wir feiern ein Fest der Freude".

Landrat Weckler nannte Deutschland ein Land der Vereine, wobei die Chormusik auf eine lange Tradition blicke. Weckler lobte die Eintracht für ihr europäisches Engagement. Bürgermeister See erinnerte an den stetigen Lauf der Geschichte und hoffte, dass es nicht das letzte Jubiläum der Berstädter Sänger sei. Pfarrer Kaiser trug die Geschichte von der Schraube in einem Schiff vor. Darin wird gezeigt, dass jeder an seinem Platz notwendig ist, damit das Schiff nicht sinkt. Gleiches gelte für die Vereinsmitglieder. Herzberger vom Sängerbund nannte die sechs Gesangvereine im Wetteraukreis, die 2019 mehr als ein Jahrhundert bestünden. Den Vogel schieße aber Berstadt mit 175 Jahren ab. Herzberger überreichte eine Urkunde des deutschen und des hessischen Sängerbundes sowie eine Notenspende. Des Weiteren gratulierten dem "Ortssenior" 15 Berstädter Vereine und Gruppierungen.

Durch das anschließende Programm mit den Ehrungen führte mit lustigen Anekdoten der Sänger Dieter Pfannschilling. Es erklangen in dem kurzweiligen Abend noch vom gemischten Chor "David und seine Harfe" sowie vom Bläsersextett "I will follow him", "You raise me up" und die Melodie von Star Wars. Vorsitzender Erhart verwies abschließend auf das Chortreffen am 31. August und 1. September auf dem Tanzhof und sagte, heute habe man gesehen, Blasmusik und Gesang gehörten zusammen.

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