Henni Nachtsheim beklagt auf der Wölfersheimer Seebühne seine zusammengekürzten Showeffekte zur Eröffnung seines Programms. Keine Sprengung, keine Elefanten. FOTO: ARC
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Henni Nachtsheim beklagt auf der Wölfersheimer Seebühne seine zusammengekürzten Showeffekte zur Eröffnung seines Programms. Keine Sprengung, keine Elefanten. FOTO: ARC

Bühnenprofi von nebenan

  • vonMarc Stephan
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Wölfersheim(arc). "Null Null Sibbe" heißt das neue Soloprogramm von Henni Nachtsheim, mit dem er am Samstag auf der Bühne am Wölfersheimer See gastierte. An einen Geheimagenten denkt bei dem Titel niemand, es klingt viel zu hessisch, doch spürt Nachtsheim detektivisch verschiedenen Fragen nach. Warum die Hessen so schlau sind oder was Superhelden ausmacht und was einen guten Vater. Dass er es als Vater nicht unbedingt mit dem Vorlesen hat, gab er schließlich zu, als er erzählte, dass die Kinder eines befreundeten Ehepaares sich zitternd und weinend unter der Bettdecke versteckten als er ihnen eine Gute-Nacht-Geschichte vorlas. Schließlich fand er heraus, dass den Kindern die Tränen vor Lachen flossen und sie nur in die Bettdecke bissen, um das zu vertuschen.

Schwelgen in Erinnerungen

Als echter Eintracht-Fan durfte bei Nachtsheim natürlich auch das Thema Fußball nicht fehlen. Vor allem der Fußball von früher mit Fußballhelden, die heute kaum noch einer kennt, "nur die Äldere", wie der Künstler selbst betonte.

Auch alte Fernsehserien streifte Nachtsheim, wie "Graf Yoster gibt sich die Ehre", und bei alledem Schwelgen in vergangenen Jahrzehnten mochte dem einen oder anderen die Frage in den Sinn gekommen sein, wie lange es eigentlich schon "Badesalz" gibt. Das Komikerduo, das Nachtsheim gemeinsam mit Gerd Knebel bildet, gibt es immerhin auch schon seit den frühen 1980er Jahren, hatte seine Hochzeiten in den 1990ern bis Anfang des neuen Jahrtausends. Da kann man schon mal in der Vergangenheit schwelgen.

Dazu kam, dass Nachtsheims skurriler, bildlicher Humor, teils schon an Monty Python erinnernd, ohne die Bühnendarstellung seines Partners Gerd Knebel ein bisschen trocken bleibt. Die Fantasie des Publikums wird viel mehr gefordert, wenn Nachtsheim sich über den aus Kostengründen zusammengestrichenen Anfang seiner Schau beklagt, die eigentlich mit der Titelmusik von "Indiana Jones" beginnen sollte, mit der Sprengung eines Felsens, 284 aserbaidschanischen Showtänzerinnen, Zebras und schwulen Giraffen aus Köln sowie Peter Maffay singend auf einem Elefanten, die Tiger nicht zu vergessen.

Man hört Henni Nachtsheim gerne zu, dem Bühnenprofi von nebenan, man lächelt und grinst sehr oft, nickt bestätigend und wartet gespannt, was als nächstes kommt. Wenn der Künstler bekennt, dass sein größter Held ein Einzelhändler sei, bei dem er als Kind immer seine Gummiteufel, rot mit schwarzem Kopf, holte, die es damals noch ohne Umverpackung in großen Gläsern gab. Denn dieser Händler fischte Hennis Lieblingssorte heraus und bewahrte sie in einem besonderen Glas auf, nur für ihn. Das sei sein wahrer Held. Wir schwelgen schon wieder.

Zwar sei die "Badesalz"-Tour mit ausverkauften Hallen storniert worden, doch sei er dankbar, jetzt auf kleinen Bühnen wie hier in Wölfersheim spielen zu können, sagte Nachtsheim. In Spielstätten, mit coronabedingt ausgedünntem Zuschauerbereich. Tatsächlich verbreitete sich bald eine familiäre Stimmung, in der das Publikum kleine Pannen mit Neckrufen wie "Henni live!" quittierte, auf die Nachtsheim wiederum grinsend entgegnete: "Arsch!"

Letztlich genossen Künstler und Publikum einen lockeren, amüsanten Abend am Wölfersheimer See, der die herrschende Pandemie für zwei Stunden außen vor ließ.

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