Den Standort für das Rewe-Logistikzentrum hält das Dekanat als Teil des Aktionsbündnisses für falsch, nicht das Zentrum selbst. FOTOS: NICI MERZ/PM
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Den Standort für das Rewe-Logistikzentrum hält das Dekanat als Teil des Aktionsbündnisses für falsch, nicht das Zentrum selbst. FOTOS: NICI MERZ/PM

"Aus Zusammenhang gerissen"

  • vonred Redaktion
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Wölfersheim(pm). Rewe-Betriebsrat Michael Adlhoch hat sich in einem offenen Brief an Dekan Volkhard Guth gewandt. Er kritisiert dessen Äußerungen im Zusammenhang mit dem in Wölfersheim geplanten Rewe-Logistikzentrum. Dazu nimmt nun das Dekanat Stellung. Es sei der inzwischen zweite offene Brief, den Adlhoch an die Kritiker des Projekts richte, heißt es in einer Mitteilung. Wie schon vor anderthalb Jahren betone Dekan Guth auch diesmal: "Wir haben uns zu keinem Zeitpunkt gegen ein neues Logistikzentrum und damit gegen Arbeitsplätze ausgesprochen. Wir üben nur Kritik am gewählten Standort." Auch heute gelte: "Als Kirche wissen wir um die Bedeutung von guten und auskömmlich bezahlten Arbeitsplätzen."

In dem Brief, so das Dekanat, werde auf Teilaussagen Bezug genommen, die der Dekan zu unterschiedlichen Anlässen gemacht hat. Besonders ein Zitat aus einer Rede, die Guth Anfang Juli vor einer erneuten Abstimmung im Parlament gehalten habe, greife der Betriebsratsvorsitzende heraus, "ohne diese Rede selbst gehört oder vorliegen zu haben. Guth benutzte dort ein biblisches Bild; doch in der nun geäußerten Kritik wird der Satz völlig aus dem Zusammenhang gerissen". Das Dekanat weist in seiner Stellungnahme darauf hin, dass der damals gesprochene Satz gelautet habe: "Wir sind nicht gefragt worden. Niemand ist gefragt worden, ob er das will. Wie ein ›Dieb in der Nacht‹ kam das Projekt in unsere Region und stellte alle vor vollendete Tatsachen."

Gesprochen worden sei von dem Projekt, und nicht von Rewe oder gar seinen Beschäftigten. Daher weist das Dekanat jede Anschuldigung der Kriminalisierung einzelner und auch des Konzerns vehement zurück. "Die Rede im Juli war weit ausgewogener, als die, die sie nicht gehört haben, es nun darstellen. In ihr wurden auch Resignation und Trauer angesichts des Projektes zum Ausdruck gebracht, wie auch der Wunsch, einander trotz unterschiedlicher Ansichten ernst zu nehmen und zuzuhören."

Drohung mit Arbeitsplatzabbau

Allerdings bezog sich Betriebsrat Adlhoch nicht auf die originale Rede im Juli, sondern auf eine Pressemitteilung des Aktionsbündnisses, dem das Dekanat angehört. Dort war zu lesen: "Denn Öffentlichkeit und Gemeindevertreter wurden mit der Entscheidung, dass gebaut wird, regelrecht überrumpelt, oder wie es der Dekan des ev. Dekanats Wetterau, Volkhard Guth, ausdrückte: ›Rewe hat sich wie ein Dieb in der Nacht in die Region eingeschlichen und vollendete Tatsachen schaffen wollen.‹" Das Dekanat kritisiert des Weiteren, dass von Rewe immer wieder der Eindruck erweckt werde, dass Arbeitsplätze verloren gingen, wenn am Wölfersheimer Standort nicht gebaut werden kann, kritisiert das Dekanat in seiner Stellungnahme und erklärt: "Das stimmt nicht. Die Arbeitsplätze bestehen weitestgehend heute schon an zwei Standorten und sollen lediglich zusammengezogen werden."

Befremdlich sei auch die Äußerung, Rewe habe die Flächen reduziert und den guten Boden abgetragen. Zur Reduzierung von 40 auf 30 Hektar sei der Konzern im Laufe des Verfahrens gezwungen worden. Eine weitere Teilreduzierung von 30 auf 28,5 Hektar sei erfolgt, weil Bodenbesitzer nicht verkaufen wollten.

"Für uns steht fest: das Rewe-Logistikzentrum wird am falschen Platz gebaut. Wir können bis heute nicht nachvollziehen, warum wider besseres Wissen dieser Standort beibehalten worden ist", sagt Dekan Guth. Und weiter: "Wenn der Betriebsratsvorsitzende in seinem Brief den Schöpfungsbegriff bemüht, dann muss er auch anerkennen, dass der biblische Auftrag an den Menschen lautet, diese wunderbare Schöpfung zu ›bebauen und zu bewahren‹, nicht zuzubauen und zu zerstören."

Die Vernichtung des Ackerbodens diene in erster Linie den Interessen des Konzerns, nicht denen der Arbeitnehmer. Rewe sei nicht auf den Standort Wölfersheim angewiesen. Es gebe durchaus Alternativen. "Rewe hat sich die Entscheidung leicht gemacht", sagt Guth.

Menschen, die sich um die Natur und die Umwelt bemühten, seien mit dem Bau des Logistikzentrums an dieser Stelle "aus guten Gründen" nicht einverstanden. "Diesen Menschen hört Kirche ebenso zu, ist an ihrer Seite auch Sprachrohr und verhilft ihnen, sich Gehör zu verschaffen", unterstreicht Guth.

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