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Apfelbäume fast totgepflegt

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Keine Ernte, Zukunft ungewiss: Einer der Berstädter Bäume vor wenigen Tagen.
Keine Ernte, Zukunft ungewiss: Einer der Berstädter Bäume vor wenigen Tagen. © Ottwin Storck

Wölfersheim (en). Von einem »Desaster« spricht Grünen-Parlamentarier Dr. Franz Grolig, Bürgermeister Rouven Kötter (SPD) kann höchstens positiv hervorheben, dass alle mit dem Leben davongekommen sind.

Im Frühjahr waren in Wölfersheim an der Römerstraße und in Berstadt entlang des Wirtschaftswegs neben der B 455 in Richtung Nidda etwa 50 gemeindeeigene Obstbäume, überwiegend Apfelbäume mittleren Alters, zurückgeschnitten worden – »radikal« und »unter Missachtung aller Regeln des Obstbaumschnittes«, darin waren sich in der jüngsten Sitzung des Gemeindeparlaments alle Fraktionen weitgehend einig. Lediglich die Konsequenzen daraus, die die Grünen mit ihrem Antrag anstrebten, gingen den anderen Parlamentariern zu weit. Angesichts der Aussichtslosigkeit und weil Kötter Besserung gelobt hatte, verzichteten die Grünen auf die Abstimmung und zogen ihren Antrag zurück.

Glücklich waren sie freilich mit dieser eigenen Entscheidung nicht. Da eine nachhaltige Schädigung der Bäume durch den unsachgemäßen Schnitt zu befürchten sei, hatten die Grünen beantragt, den Zustand der Bäume durch einen Sachverständigen begutachten zu lassen, um gegebenenfalls durch eine Nachbehandlung die Chancen der Bäume für eine Erholung zu verbessern.

Außerdem sollte der Gemeindevorstand ein Konzept erstellen, um die sachgerechte Pflege der Bäume mittel- und langfristig sicherzustellen. Dabei sollte die Möglichkeit der Vergabe oder der Verpachtung gemeindeeigener Bäume gegen die Erbringung einer sachgerechten Pflege in die Überlegungen einbezogen werden.

Die unsachgemäße Durchführung des Baumschnitts durch die Firma Regionale Dienstleistungen Wetterau (RDW) hatte Rathauschef Kötter in der kurzen Debatte eingeräumt – in Zukunft werde nur noch Fachpersonal mit der Baumpflege beauftragt, die neue Landschaftsgärtnerin im Bauhof soll verstärkt eingebunden werden. Kötter betonte jedoch auch, eine Nachbehandlung der Bäume sei nicht nötig. Sie benötigten künftig gute Pflege, und das werde erledigt. Man müsse aber auch nicht überziehen, vor allem brauche man kein Konzept.

Nun schaute sich Dr. Franz Grolig die geschundenen Bäume jedoch noch einmal speziell unter dem Aspekt Nachbehandlung an. Sie hätten auf den Radikalschnitt mit übermäßigem Austrieb reagiert, heißt es in einer Presseerklärung der Grünen. Bereits im Parlament hatte Dr. Grolig von »Angsttrieben« gesprochen. Zumindest halten die Grünen einen erneuten, dann selbstredend sachgerechten Schnitt der Bäume im kommenden Herbst oder Winter für nötig.

Der Vorfall sei zudem nicht der erste dieser Art in Wölfersheim. Schon in der Vergangenheit habe man wiederholt auf allzu drastische und fragwürdig durchgeführte Pflegemaßnahmen seitens der Gemeinde hingewiesen.

In diesem Fall sei seitens der Verwaltung weder die ausreichende Sachkunde der Mitarbeiter der Firma RDW bei der Auftragsvergabe noch die sachgerechte Ausführung der Arbeit vor Ort überprüft worden.

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