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Rund 40 Kulturen wachsen auf der Wölfersheimer Fläche des Vereins solidarische Landwirtschaft. Die Gärtner Yvonne Kretschmar (r.) und Jonas Demuth können bald Zwiebeln, Knoblauch und Salat ernten. Und damit Alternativen zu Gemüseimporten bieten, wie Vorstandsmitglied Monika Brenninger sagt. 

Spannendes Projekt

Alternative zu importiertem Gemüse: Solidarische Landwirtschaft in Wölfersheim 

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Der Verein "Solidarische Landwirtschaft - Guter Grund" bewirtschaftet einen 0,6 Hektar großen Acker hinter Södel. 70 Personen haben einen Anteil. 

Bald gibt es die ersten Pakete. Für den Anfang mit Salat, Zwiebeln und Knoblauch. Eben das, was im Mai erntereif ist. Im Sommer wird die Auswahl größer. Spinat kommt dazu. Brokkoli, Pastinaken. Und alles, was sonst noch im Feld hinter Södel wächst.

Einmal pro Woche wird das Team um Gärtnerin Yvonne Kretschmar das Gemüse (gesät sind rund 40 Kulturen) ernten und in Pakete aufteilen. 70 insgesamt. Damit jeder, der einen Anteil an der solidarischen Landwirtschaft (Solawi) hat, seine Wochenration bekommt.

Solidarische Landwirtschaft Wölfersheim: 70 Pakete mit Gemüse

Der Verein "Solidarische Landwirtschaft - Guter Grund" bewirtschaftet einen 0,6 Hektar großen Acker bei Wölfersheim. Yvonne Kretschmar sowie zwei Gärtner, die als Minijobber eingestellt sind, kümmern sich um den Anbau; die 70 Anteilseigner tragen das Projekt finanziell. Einen festen Beitrag gibt es nicht, sagt Vorstandsmitglied Monika Brenninger: Bevor es in die praktische Umsetzung ging, hat es eine Mitgliederversammlung gegeben. Jeder notierte auf einem Zettel den Betrag, den er bereit war, im Monat zu geben. Manche mehr, manche weniger - "am Ende hat alles gepasst".

Es ist das erste Jahr, in dem das Projekt läuft. Noch vor einigen Monaten war nicht abzusehen, dass es so schnell gehen wird. Dabei gibt es die Idee für eine Wölfersheimer Solawi schon lange, erzählt Brenninger. Angefangen habe alles mit der Suche nach einer Alternative - einerseits zu dem geplanten Rewe-Logistikzentrum wenige Kilometer Luftlinie vom jetzigen Solawi-Acker entfernt und der damit einhergehenden Versiegelung von Ackerboden. Andererseits zu den Abhängigkeiten. Als Beispiel nennt Brenninger das Gemüse in den Supermarkt-Regalen. Das meiste kommt von weit her - aus Klimasicht sei das desaströs. Dazu kämen die Bedingungen, unter denen produziert werde: "Viele Arbeiter leben unter menschenunwürdigen Umstände. Nur damit wir hier das ganze Jahr über Tomaten etc. kaufen können." Dieses System mache uns zudem abhängig: "Dabei haben wir vor Ort die Möglichkeiten, es anders zu machen."

Solidarische Landwirtschaft Wölfersheim: Erfahrungsaustausch mit anderen "Solawi-Gruppen"

Das wollen die Solawi-Mitglieder nun tun: Statt die Situation bloß zu bedauern, gingen sie das Thema an. Der Wölfersheimer Kern traf auf eine Gruppe Frankfurter, die schon einen Solawi-Verein gegründet hatte, aber noch keinen Acker dafür gefunden hatte. Nach ein paar Gesprächen ging alles recht schnell: Der Wölfersheimer Bio-Landwirt Jens Diefenbach erklärte sich dazu bereit, mitzumachen und eine Fläche zu verpachten. Im Verein haben sich Gruppen gegründet, unter anderem eine, die für die Organisation zuständig ist - und die unter den Mitgliedern herumgefragt hat, welches Gemüse angebaut werden soll. Zudem, erzählt Brenninger, habe man sich mit Solawi-Gruppen ausgetauscht, die schon Erfahrung haben, beispielsweise die Solawi Friedberg-Dorheim und Wallernhausen. Etwa zur selben Zeit ging es mit der Arbeit los: Ein Zaun wurde aufgestellt, ein Bauwagen eingerichtet (mit Arbeitsutensilien wie Spaten, Hacke sowie Samen), das Bewässerungssystem installiert.

Solidarische Landwirtschaft Wölfersheim: Kein Müll, kurze Wege

Yvonne Kretschmar aus Bingenheim begann ihre Arbeit als Teilzeit-Gärtnerin. "Ich wollte den Beruf eigentlich gar nicht mehr machen", erzählt sie. "Bis ich auf die Solawi gestoßen bin." Die Idee einer solidarischen Landwirtschaft habe sie überzeugt: "Weil ich etwas Sinnvolles mache."

Auch Monika Brenninger ist begeistert von der Umsetzung: "Es ist toll zu erleben, wie alles hier heranwächst." Dazu komme der ökologische Aspekt: kein Verpackungsmüll, kurze Wege (die Pakete werden in Depots bei Mitgliedern abgeliefert - sowohl in Wölfersheim als auch in Frankfurt, wo sich alle ihren Anteil holen können). Ein weiterer Vorteil ist der Kontakt untereinander, sagt Gärtner Jonas Demuth. "Alle Mitglieder tragen das Projekt und stehen dahinter." Ereigne sich etwas Unvorhergesehenes, wie eine Dürre, bleibe niemand allein auf den Kosten sitzen.

Solidarische Landwirtschaft Wölfersheim: Fläche soll erweitert werden

Das erste Jahr wollen die Gärtner nutzen, um alles genau zu beobachten. "Zurzeit kaufen wir noch Jungpflanzen ein", sagt Kretschmar. Für die kommenden Jahre könne sie sich aber vorstellen, eigene Gewächshäuser zu haben. Überhaupt soll die Solawi in Wölfersheim noch wachsen: Platz gibt es genügend, um die jetzige 0,6 Hektar große Fläche zu erweitern. Genauso wie es Mitwirkende gibt, die sich vorgenommen haben, eine Alternative zu importiertem Gemüse aufzubauen.

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