Klaus Ritt hat sich über Jahre hinweg humorvoll mit der Stadtgeschichte befasst. Unser Bild zeigt ihn in der Trinkkuranlage, die heute zentraler Ort des politischen Geschehens in der Kurstadt ist.	FOTOS: PETRA IHM-FAHLE
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Klaus Ritt hat sich über Jahre hinweg humorvoll mit der Stadtgeschichte befasst. Unser Bild zeigt ihn in der Trinkkuranlage, die heute zentraler Ort des politischen Geschehens in der Kurstadt ist. FOTOS: PETRA IHM-FAHLE

Witzig verpackte Stadtgeschichte

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Bücher über Geschichte sind oft sehr detailreich, beschäftigen ihre Leser wochenlang. »So etwas müsste doch auch locker gehen«, dachte sich Klaus Ritt. Deshalb hat er jetzt Band 1 seiner »Bad Nauheim Cartoons« veröffentlicht, basierend auf seinem »WiZ«, der von 1993 bis 2015 in der WZ erschien.

Wenn man 22 Jahre so einen Cartoon macht, der jede Woche in der Zeitung erscheint, dann ist er nicht gesichert, außer im Archiv der Wetterauer Zeitung«, sagt Klaus Ritt. Deshalb, und um eine chronologische Gesamtschau erkennbar zu machen, entschloss er sich, seinen »WiZ« als Buch herauszubringen. Nach dem Band »Tierisch« liegt nun Band 1 des »Bad Nauheim Cartoon« vor. Mit dem »WiZ« hatte Ritt im Jahr 1993 begonnen. Der damalige Redaktionsleiter Knut-Werner Cherubim unterstützte das Projekt, das der Künstler aufgrund zweier Glossen von WZ-Redakteuren, die sich um ihn und einen Eklat im Kunstverein drehten, 2015 allerdings einstellte.

»Man kann in dem Buch Rückschlüsse auf die städtische Politik ziehen, und zwar sehr konkret«, erläutert Ritt. Im Gegensatz zu den damaligen Veröffentlichungen im Kurstadt-Cocktail hat der Autor den Cartoons jetzt Erklärungen beigefügt, mit denen er die Fakten beschreibt. Der Künstler will den Lesern dabei helfen, die Zusammenhänge zu verstehen. Der Witz hinter dem Cartoon erschließt sich im Nachhinein oft erst durch diese Erläuterung. Denn ab und zu hätten Leser zugegeben, den Gag nicht kapiert zu haben. »Aber die waren auch nicht informiert: Die hatten nur die Samstagszeitung und die WZ über die Woche hinweg nicht gelesen«, fügt Ritt hinzu. Ohne Erklärung wäre es mit dem zeitlichen Abstand nun aber auch für die besser Informierten schwierig, meint er.

Etwa bei jenem Cartoon, in dem ein Chirurg zum anderen »Klappe halten, Herr Kollege« sagt. Es wisse nicht mehr jeder, dass »Der Spiegel« 1994 einen Skandal im deutschen Gesundheitswesen um Herzklappen aufdeckte.

Die Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik wurde damals von jedem Verdacht freigesprochen und ihr Ausschreibungsverfahren als »vorbildlich« gelobt, und zwar im Rahmen der Untersuchung des hessischen Gesundheitsministeriums. Ein anderes Beispiel ist Bernd Witzel mit seinem Zitronenbaum. Witzel sagt: »Ei, so sauer, wie ich bin … da komme ja mei Zitrone net mehr mit!« Das Stadtparlament hatte 2004 gerade den künftigen Wegfall des Postens eines zweiten hauptamtlichen Stadtrats beschlossen. Diese Funktion hatte Witzel damals noch inne.

Andere Motive dagegen bedürfen keiner Erklärung, etwa das Zebra, das auf dem Boden liegt, weil es auf dem Marktplatzfest zu viel gebechert hat. »Das ist ein flacher Gag - von albern bis anspruchsvoll ist alles drin«, stellt Ritt fest.

Voller Lob ist Ritt für das Archiv der WZ, auf das er als Abonnent des E-Papers Zugriff hat. »Auch die Stichwortsuche ist gut. Wenn ich den Faden verloren hatte, hatte ich nie ein Problem, nachzuschauen, wie der inhaltliche Zusammenhang war. Mit der Stichwortsuche habe ich schnell den entsprechenden Artikel gefunden.« Dabei lese man sich schnell fest. »Man sagt sich ›Huch, was ist denn das?‹ und liest es - ob es um Elvis, ums Staatsbad oder etwas anderes ging.« Für einen Cartoonisten seien zwischen 1993 und 2007 beispielsweise Bürgermeister wie Peter Keller und Bernd Witzel ergiebig gewesen, Kurdirektor Rainer Brill, der Präsident des Freundeskreises Weinanbau, Peter Griebsch, oder Landrat Rolf Gnadl (alle ehemalig).

Band 2 ist bereits in Arbeit

»Es ging stets um die Sache, nicht um das Charisma einer Person. Und das Foto war nicht immer der Auslöser für eine Geschichte. Wenn ich zu einem Thema etwas machen wollte, habe ich in der Zeitung solange gesucht, bis ich ein passendes Bild hatte. Manchmal sah ich wiederum ein gutes Foto und überlegte mir, was ich daraus mache.« Über seinen »WiZ« kann Ritt auch heute noch schmunzeln. Bei der Arbeit für das Buch hatte er alle Cartoons in der Hand. »Und es war bei keinem so, dass ich im Nachhinein unzufrieden war oder einen aussortieren wollte.«

Gute Voraussetzungen für Band 2, den Ritt bereits in Arbeit hat.

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