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Sich selber nicht so wichtig nehmen; das macht einen guten Moderator aus, sagt der Offenbacher Kulturamtsleiter Ralph Philipp Ziegler. Die Bühne des »Capitols« - die ehemalige Offenbacher Synagoge - ist Heimatstandort des Capitol Symphonie Orchester, das er gründete. Jetzt gastiert das Ensemble in Rosbach.

»Witzig und ein bisschen frech«

  • VonHanna von Prosch
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Er hat Weltstars ans Dirigentenpult geholt: Ralph Philipp Ziegler ist Moderator und Kulturmanager. Er engagiert sich für eine vitale Kulturlandschaft - auch in der Wetterau: für den Klassik Sommer auf der Friedberger Seewiese oder den Rosbacher Blütenball . Zusammen mit seiner Frau Astrid rief er ein außergewöhnliches Orchesterprojekt ins Leben: Das Capitol Symphonie Orchester .

Das konzertiert im Juli in kleiner Besetzung an der Wasserburg in Rosbach.

Herr Ziegler, warum haben Sie bei den vielen guten Orchestern in der Region 2018 noch ein neues Orchester gegründet?

Die Frage ist nicht, wie viel es gibt sondern: Gibt es die gute Idee schon, mit der man die Szene bereichern kann? Dass das Capitol Symphonie Orchester bereits im ersten Jahr seines Bestehens über 20 Auftritte hatte, gibt uns das gute Gefühl, dass unsere Idee nicht nur uns selbst begeistert.

Und was ist die Idee?

Das Capitol Symphonie Orchester will nicht nur ein richtig gutes Sinfonieorchester sein, es will auch auf eine Weise Grenzen überschreiten, die gleichermaßen reizvoll für die Musiker wie für das Publikum sind. Grenzen zur sogenannten U-Musik, zu Rock, Pop und Filmmusik. Wir wollen den Begriff Cross-over auf eigene Weise definieren und klug die besonderen Qualitäten des Sinfonieorchesters einsetzen.

Können Sie das erläutern?

Die beiden ›Patenorchester‹, das Capitol Grand Orchestra im New York der 1920er Jahre und das Capitol Symphony Orchestra in Los Angeles der 1950er bis 1970er haben genau das getan. Sie begeisterten ein breites Publikum für Klassik, arbeiteten aber auch mit Jazzbands zusammen und präsentierten die Welt der Filmmusik.

Erreichen Sie damit ein größeres Publikum?

Wir erreichen ganz sicher Menschen, die sich nicht unbedingt als typisches Klassik-Publikum sehen. Musik soll immer so qualitätvoll wie möglich sein, aber eben nicht elitär. Auch wenn die Erfüllung in einer Beethoven-Sinfonie kaum zu übertreffen ist, ist es ein ganz besonderes Erlebnis, die Spannung und das Knistern beispielsweise von ›In the Air tonight‹ zu gestalten.

Wie schaffen Sie es, renommierte Weltstars wie Wayne Marshall ans Dirigentenpult und großartige Instrumentalisten ins Orchester zu holen?

Der Schlüssel dazu ist die Begeisterungsfähigkeit und die Qualität unseres Teams, aber auch die originellen Projekte. Dafür fragen wir Menschen an, deren Profil jeweils genau dazu passt. Das haben auch manche Stars nicht jeden Tag. Erstmals glückte mir das mit Herbert Feuerstein, der sogar ohne Gage mitgearbeitet hat. Von diesen Persönlichkeiten lassen wiederum wir uns inspirieren. Unsere Gäste dirigieren die Berliner Philharmoniker, das London Symphony Orchestra, an der Mailänder Scala - und uns! Das Orchester besteht überwiegend aus hochkarätigen freien Musikerinnen und Musikern. Bei uns haben sie eine sehr originelles Repertoire, was sehr reizvoll ist.

Das CSO konnte vor Corona ja nur ein gutes Jahr spielen. Was waren die Glanzlichter?

Das Gastspiel im Royal Opera House in Muscat im Oman gleich ein paar Monate nach der Neu-Formierung war natürlich ein Traum - ein Galakonzert mit exquisiten Solisten in einem Saal wie aus tausendundeiner Nacht. Dann hatten wir Verpflichtungen in Luxemburg, für Levi’s, für die Londoner Standard Chartered Bank und wunderbare Auftritte zum Beispiel in der Bad Homburger Erlöserkirche. Mit Corona sind viele spannende Projekte weggebrochen. Doch es wird weitergehen. Da bin ich ganz sicher.

Sie treten meistens als Moderator auf. Was muss eine gute Konzertmoderation können?

Sie darf sich selbst nicht zu wichtig nehmen - und der Moderator sich noch weniger. Ich denke: ein Drittel Information zur Sache, ein Drittel Rahmeninformation, die die Musik originell beleuchtet und ein Drittel Unterhaltung. Um es mit Monty Python zu sagen: »something completely different« - witzig und ein bisschen frech. Wie man das am sinnvollsten kombiniert, ist bei mir meist Intuition.

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