In Gebieten mit erhöhter Wildwechselgefahr sollten Autofahrer gerade in diesen Tagen sehr vorsichtig fahren. 	FOTO: GECK
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In Gebieten mit erhöhter Wildwechselgefahr sollten Autofahrer gerade in diesen Tagen sehr vorsichtig fahren. FOTO: GECK

Wildunfälle immer melden

  • vonLena Karber
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Die Zahl der Wildunfälle könnte in diesem Jahr etwas niedriger liegen als im Vorjahr, doch ein Grund zur Entwarnung ist das nicht. Vor allem in diesen Tagen ist die Unfallgefahr besonders hoch. Und im Falle einer Kollision gibt es einiges zu beachten - gerade im Hinblick auf das Tierwohl.

Im vergangen Jahr hat die Zahl der Wildunfälle bundesweit einen Rekord erreicht: 295 000 Mal krachte es nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (DGV) im Jahr 2019, weil Autos mit Wild kollidierten - und das sind nur die Fälle, die den Versicherungen gemeldet wurden. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.

Im Moment ist die Gefahr besonders hoch. Kurze Tage und viel Verkehr in der Dämmerung erhöhen das Risiko deutlich. Neben den Monaten März, April und Mai ist es vor allem die Zeit zwischen Oktober und Dezember, in der es nach Angaben des Polizeipräsidiums Mittelhessen zu besonders vielen Unfällen kommt - und zwar im gesamten Wetteraukreis. Eine Eingrenzung auf bestimmte Hotspots sei nicht möglich, teilte Pressesprecher Corina Weisbrod mit. Da der Wetteraukreis größtenteils eher ländlich geprägt sei, sei er »gleichmäßig von den Wildunfällen betroffen«. Eine etwas stärkere Belastung lasse sich lediglich für den Bereich Büdingen feststellen.

2019 hatte die Polizei im Wetteraukreis 849 Wildunfälle verzeichnet, in diesem Jahr dürften es zumindest zwischen Januar und September »tendenziell weniger gewesen sein«, sagt Corina Weisbrod. Woran das liegt, ist noch nicht klar.

Dieter Mackenrodt, Vorsitzender des Jagdvereins Hubertus, hofft, dass die geleistete Aufklärungsarbeit Früchte trägt - letztes Jahr hatte der Verein mit der Polizei und dem ADAC einen Aktionstag veranstaltet und Broschüren verteilt, um die Leute für das Thema zu sensibilisieren. Allerdings könnte die rückläufige Tendenz auch mit der Corona-Pandemie zusammenhängen. Denn gerade in den Monaten März bis Mai, in denen es in der Regel zu besonders vielen Wildunfällen kommt, gab es auch auf den Straßen im Wetteraukreis durch Homeoffice und diverse Corona-Beschränkungen deutlich weniger Verkehr als normal.

Zahl der Wildunfälle hat zugenommen

Die Zahl der Wildunfälle 2019 ist gegenüber dem Vorjahr gestiegen: 2018 wurden im Wetteraukreis 807 Fälle registriert, also 42 weniger als im letzten Jahr.

Um Wildunfälle zu verhindern, empfiehlt die Polizei Friedberg, die Fahrbahnränder aufmerksam zu beobachten und die Geschwindigkeit auf Strecken mit erhöhter Wildwechselgefahr deutlich zu reduzieren. Wenn Wild zu sehen ist, sollte der Fahrer kontrolliert bremsen, abblenden und hupen. Riskante Ausweichmanöver gilt es zu vermeiden, um sich selbst und den Gegenverkehr nicht zu gefährden.

Helmut Nickel, Vorsitzender der Jägervereinigung Oberhessen, weiß jedoch, dass viele Autofahrer die Gefahr unterschätzen. In Gebieten mit erhöhter Wildwechselgefahr fährt er im Dunklen maximal 80 Stundenkilometer, wird dann jedoch zum Teil von anderen Autofahrern überholt. Auch die Schilder, die auf eine erhöhte Wildwechselgefahr hinweisen, würden viele ignorieren, sagt er. »Ich denke, wenn es keine Versicherungen geben würde, würden die Leute langsamer fahren.«

Dabei wirkt sich die Reduzierung der Geschwindigkeit sowohl auf das Unfallrisiko als auch auf die Folgen einer Kollision positiv aus. »Wer Tempo 80 statt 100 fährt, verkürzt den Bremsweg bereits um 25 Meter«, heißt es aus dem Polizeipräsidium Mittelhessen. Zudem haben Automobilverbände mit Crashtests gezeigt, dass ein Unfall bei 80 Stundenkilometern trotz schwerer Schäden am Auto für die Insassen ohne Verletzungen ablaufen kann.

Im Falle einer Kollision muss zunächst die Unfallstelle abgesichert werden. Das heißt: Warnblinkanlage anstellen, Warnweste anziehen und Warndreieck aufstellen. Dann sollte die Polizei angerufen werden. Wenn das Wild weggelaufen ist, sollte neben der genauen Unfallstelle auch die Fluchtrichtung gemeldet werden. Nur so kann der zuständige Jäger das Tier nachsuchen - das heißt aufspüren und, sofern es verletzt ist, erschießen. Hilfreich ist es dabei, wenn die Unfallstelle direkt markiert wurde, sodass der Jäger sie leicht findet. »Ich habe schon die dollsten Dinge erlebt«, sagt Nickel, der schon häufig zu den falschen Stellen gelotst wurde. »Die Menschen stehen ja auch erst einmal unter Schock.«

Nickel und Mackenrodt haben noch einen weiteren Hinweis für den Fall einer Kollision: Auch wenn am Auto kein Schaden entstanden ist und das Tier scheinbar unverletzt weglaufen konnte, ist es wichtig, den Unfall bei der Polizei oder beim zuständigen Jäger zu melden. Denn innere Verletzungen und Knochenbrüche sind für den Laien oftmals nicht zu erkennen. »Die meisten Tiere kriegen einen hohen Adrenalinstoß und flüchten«, erklärt Nickel. »Aber wenn sie sich einmal niederlegen, kommen sie nicht mehr hoch.« Und auch Mackenrodt appelliert an die Fahrer, den Unfall auf jeden Fall zu melden: »Wenn es zu einer Kollision kommt, hat das Tier etwas«, betont er. »Es muss schnell gefunden werden, um das Leid zu beenden.«

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