Wiederbelebung in Zeiten von Corona

  • vonHarald Schuchardt
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Angesichts der Corona-Pandemie kann der Mindestabstand zwischen Menschen Leben retten. Doch was ist, wenn jemand plötzlich in eine Situation gerät, in der er wiederbelebt werden muss? Was haben potenzielle Lebensretter zu beachten?

Michael Mauderer, Leiter der Berufsfachschule für Rettungsdienst der Johanniter-Unfall-Hilfe, erklärt, wie man sich aktuell in einem Notfall verhalten sollte: Zunächst geht es um die Atemkontrolle. Dabei wird der Nacken durch Anheben des Unterkiefers überstreckt und der unbekleidete Brustkorb beobachtet.

Mit dem eigenen Kopf soll man sich nicht über den Kopf des Patienten beugen, um Atemgeräusche zu hören oder einen Luftzug zu spüren, da infizierte Aerosole (feinste schwebende feste oder flüssige Stoffe in der Luft) freigesetzt werden können.

Wenn keine Bewegungen des Brustkorbs erkennbar sind, muss ein Notruf abgesetzt und mit einer Herz-Druck-Massage (Kompression des Brustkorbs) begonnen werden. Um den richtigen Rhythmus zu finden, helfen Lieder wie »Atemlos« von Helene Fischer oder »Staying Alive« von den Bee Gees.

Eine Beatmung sollte man nicht vornehmen, da es sich bei Covid-19 um eine Infektion handelt, die über Aerosole übertragen wird.

Besonderheit bei betroffenen Kindern

Die üblichen Beatmungshilfen wie »LifeKey«-Schlüsselanhängermasken oder Vergleichbares ohne ausgewiesene Luftfilterfunktion helfen nicht gegen das Aerosole. Bei einem Herzinfarkt oder etwas Ähnlichem tritt sehr schnell ein Herz-Kreislauf-Stillstand ein. Es vergehen zehn bis 15 Sekunden, bis der Betroffene das Bewusstsein verliert und mit dem Atmen aufhört. In der Lunge befinden sich zu diesem Zeitpunkt bei einem durchschnittlichen Erwachsenen um die drei Liter Luft. Durch die Herz-Druck-Massage (Thoraxkompressionen) wird Blut durch die Lungen transportiert und mit dem vorhandenen Sauerstoff beladen. Diese Sauerstoffmenge überbrückt für einige Minuten die fehlende Atmung, so dass das Gehirn noch versorgt wird.

Eine Ausnahme gilt beim Reanimieren von Kindern, da bei diesen ein möglicher Sauerstoffmangel eine deutlich größere Rolle als bei Erwachsenen spielt. Der Deutsche Rat für Wiederbelebung (GRC) schreibt dazu: »Obwohl die Atemspende ein Infektionsrisiko für den Ersthelfer darstellt, ist der Nutzen der Atemspende bei nicht atmenden Kindern für ihre Überlebenschance als deutlich höher einzustufen.« har

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