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Markus Wagner liebt es, nach einer Wanderung durch den Wintersteinwald auf dem Felsenhügel zu Füßen des Wintersteinturmes seinen Gedanken nachzuhängen, mit lieben Menschen Gedanken auszutauschen oder Brotzeit zu machen.

Wie in einer anderen Welt

  • vonAnnette Hausmanns
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Nach seinem Lieblingsplatz gefragt, muss Markus Wagner nicht lange überlegen. Von klein auf übt das Wintersteingebiet eine besondere Faszination auf den Ober-Mörler Bub aus. Auf den mächtigen Felsen unterhalb des Wintersteinturmes saß er als Steppke schon genauso gerne wie heute.

Wenn der Wintersteinwald zu Pandemiezeiten eine regelrechte Renaissance erlebt, verwundert das nicht. Schon Kaiserin Elisabeth von Österreich (Sisi) wusste vor über hundert Jahren seinen Erholungswert zu schätzen. Ganze Generationen von Wetterauer Familien steuerten ihn an den Wochenenden an. Eine Tradition, die mitunter ein wenig in Vergessenheit geraten war. Nicht so bei Markus Wagner und seiner Familie.

Unter seinen Füßen hat auch der märchenhaft geschlängelte Waldweg hinauf zum Wintersteinturm schon so manches tiefgründige Gespräch unter Freunden, Verlobten, Ehepartnern, Eltern und Kindern aufgeschnappt. Gerne erinnert sich der waschechte Mirler Bub an die Zeit, da er sich mit köstlichen Stullen im kleinen Wanderrucksack auf den langen Weg von der Schulstraße mitten im Dorf auf den langen Weg in Richtung Winterstein machte. Immer wieder unternahm er mit seinen Eltern, der Schwester und dem Bruder, mit Tante, Onkel oder später mit Freunden und Vereinskameraden den Fußmarsch hinauf »in eine andere Welt«. Seit jeher habe etwas Märchenhaftes, geradezu Mystisches mitgeschwungen, sobald er in den Wintersteinwald eingetaucht sei, erzählt Markus Wagner. »Auch meine Liebe zur Bergwelt mag hier begründet sein«, lächelt der leidenschaftliche Natur- und Wanderfreund.

Kaum hatte die Familie beim sonntäglichen Ausflug das Dorf hinter sich gelassen, winkte kurz vorm Waldrand der Tannenhof. Die kühle Bluna beim Ausflugslokal lässt Markus Wagner auch 50 Jahre später noch ins Schwärmen kommen. Derart gestärkt ging es leichten Fußes vorbei am Forsthaus Winterstein, wo man dann auf dem Rückweg gerne einkehrte, zum sakrisch steilen Anstieg in Richtung Aussichtsturm. Wählte man hier den Abzweig über den wunderbar weich geschwungenen Pfad durch den Wald, gelangte man direkt unterhalb jener Felsen ans Ziel, auf die sich damals noch der alte Wintersteinturm mit einem »Bein« stütze.

Diese markanten Quarzitzacken im Taunuskamm sind es auch, die es Markus Wagner besonders angetan haben. Bis heute sitzt er gerne hier auf den schroff abfallenden Natursteinstufen, wo er als Steppke mit Begeisterung umher kletterte, Abenteuer spielte und mit Heißhunger seine Brotzeit vertilgte. Der Magie dieses urigen Ortes geschuldet sind Momente voll Stille in Geborgenheit, aber auch vertraute Gespräche mit Freunden, mit der Frau seines Lebens und mit den eigenen Kindern ebenso wie einst mit den Eltern.

Dem Himmel ein Stück näher

Die besondere Energie dieses Lieblingsplatzes mag in der Erdung ebenso begründet sein wie in dem erhabenen Gefühl, dem Himmel ein Stück näher zu sein. Ein kraftvoller Ort, der Demut lehrt und Kreativität zugleich. Wenn es dann den verwunschenen Waldweg wieder hinabgeht, beflügeln Wildkatzen und Wintersteingeister die Fantasie. Markus Wagner erinnert sich auch an Zeiten, da es hier unvermutet laute Schläge tat und die Erde zitterte. Dass das Gebiet Truppenübungsgelände war, habe seine kindliche Fantasie Purzelbäume schlagen lassen. Köstliche Schokolade und Kaugummis von den amerikanischen Soldaten taten das Ihrige, und unübertroffen gerieten bis heute auch die Köstlichkeiten im Forsthaus. »Einen solchen Käsekuchen gibt es kein zweites Mal, ganz zu schweigen vom leckeren Heidelbeerwein«, lächelt Markus Wagner.

Begleitet von seiner Familie, hat Markus Wagner schon als kleiner Bub gerne hier auf den Felsen hoch oben im Wintersteinwald gesessen.

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