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Diesmal treffen sich (v. l.) Mahnaz Jafari, Angela Klein, Alena Rohn und Maria Wierz im Garten. Normalerweise sind aufgrund der Entfernungen Online-Konferenzen angesagt.

Wie eine stumme Nachtigall

  • VonPetra Ihm-Fahle
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Zusammen ein Buch zu schreiben, kann viel Spaß machen und allen Beteiligten etwas geben. Sechs Autorinnen und eine Herausgeberin sehen das jedenfalls so: Gemeinsam verfassten sie ein Manuskript mit dem Arbeitstitel »Meine erste Zeit in Deutschland«. Nun suchen sie einen Verlag.

Der Kaffeetisch ist gedeckt. Nach und nach treffen die Frauen im Garten von Mahnaz Jafari zum Fototermin mit der WZ ein. Nicht alle sechs Autorinnen des Buchs mit dem Arbeitstitel »Meine erste Zeit in Deutschland« sind dabei, denn ein Teil lebt in Baden-Württemberg. So mittlerweile auch Herausgeberin Angela Klein, die die meisten Autorinnen beim Deutschunterricht kennenlernte. In ihre Kurse, zunächst an der VHS Wetterau, hatte Klein das Element kreatives Schreiben eingebettet. »Ich wollte nicht, dass die vielen Geschichten im Kosmos verhallen«, erzählt die 63-Jährige. Daher fragte sie, wer Lust hat, ein Buch mitzuschreiben: »Übergestern«, das 2014 erschien.

Mehr Empathie für Migranten

Dass nur Frauen mitmachen, ist nicht beabsichtigt, sondern Zufall. Worum es geht, erzählt Maria Wierz, die in Bad Nauheim wohnt: »Um Erinnerungen aus unseren Ländern, bevor wir nach Deutschland kamen. Wie das Leben dort war, Geschichten aus der Kindheit.«

Von den Verkaufszahlen war »Übergestern« kein Bestseller, aber es ergab sich ein guter gruppendynamischer Effekt. Sechs Autorinnen aus fünf Ländern sind nun am Nachfolger »Meine erste Zeit in Deutschland« beteiligt, in anderer Konstellation als 2014. Das resultierte aus Kleins Umzug nach Leingarten in Baden-Württemberg und ihrer neuen Tätigkeit an der VHS Neckarsulm. Thema ist nun, was die Frauen erlebten, als sie in die Bundesrepublik kamen.

Pandemie- und entfernungsbedingt konnten sich die Autorinnen teilweise nicht persönlich kennenlernen, tauschten sich aber regelmäßig über »Zoom« aus. So ist es auch beim Gespräch mit unserer Reporterin, das nach dem Foto im Garten terminiert ist.

Im Oktober fingen die sechs mit dem Schreiben an, mittlerweile ist das Buch lektoriert. Das Titelbild stammt von Mahnaz Jafari. Es symbolisiert eine stumme Nachtigall, um die es auch in der Geschichte der 59-Jährigen geht. Klein: »Alle waren am Anfang wie stumme Nachtigallen oder Bäume, die wie festgewurzelt dastehen, wenn sie angesprochen werden. Denn sie wussten nicht, was ihnen verbal zugetragen wurde.« Wann das Buch herauskommt, steht bislang noch nicht fest. Noch suchen die Frauen einen Verlag. Schön fänden sie einen Termin, der zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse passt.

»Ich denke, es gibt Dinge in Bezug auf das Leben von Migranten in Deutschland, die unbedingt thematisiert werden müssen«, erklärt Jafari. Die Bad Nauheimerin versucht, sich beim Schreiben damit auseinanderzusetzen und die Gesellschaft anzuregen. »Einheimische und Menschen, die neu hinzugekommen sind, können viel voneinander profitieren«, ist sie überzeugt.

Roxana Amuraritei empfand das Schreiben als Herausforderung. »So habe ich erfahren, dass ich mehr kann, als ich dachte«, sagt die 35-Jährige. Die Neckarsulmerin hofft, durch ihren Text mehr Empathie für Migranten zu erzeugen. Alina-Diana Alexa will mit ihrer Geschichte zeigen, dass Deutschland zum Zuhause werden kann. Ihre Gefühle beschreibt die 32-Jährige aus Widdern so: »Ich lebe wie ein Baum mit rumänischen Wurzeln, aber ich habe deutsche Äste.« Wie Alena Nemudrova erzählt, war es für sie ein einschneidendes Erlebnis, nach Deutschland zu kommen. Daher schreibt sie darüber. »Ich wollte mit Sprache spielen und wissen, ob ich mich schon so ausdrücken kann, wie ich es möchte«, nennt die 43-Jährige einen weiteren Grund.

Herausgeberin Klein betreute die Textarbeit, verfasste Vorwort, Nachwort, Überleitungstexte. Eine einheitliche Struktur gibt es nicht in den Erzählungen. »Ich wollte alle Stimmen so hören, wie sie sind. Anders wäre es langweilig.«

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