Hund Mensch
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Der beste Freund des Menschen - und einer, der manchmal mehr Beachtung als der (menschliche) Partner findet. Das sorgt schon mal für Eifersucht. (Symbolbild)

Konfliktpotenzial

Wenn der Hund zum Streitthema wird: Tipps für Beziehungen

  • vonInge Schneider
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Tiere sind ein gutes Gesprächsthema, um einen Flirt zu starten. Doch in Beziehungen kann ein gemeinsames Haustier zum Streitthema werden. Tipps einer WZ-Mitarbeiterin.

Wetteraukreis - Psycho- und Ergotherapeuten, Pädagogen, Alten- und Krankenpfleger singen nahezu einstimmig das Loblied des Tieres als Therapeut und Beziehungsstifter zwischen Menschen. Doch wie so oft gibt es auch hier eine Kehrseite der Medaille. Ebenso wie Tiere oft als »Amors Boten« fungieren, können sie umgekehrt auch verhindern, dass jemand sich überhaupt auf eine Partnerschaft einlässt. So wird die Tierhaar-Allergikerin den Rückzug antreten, wenn sie bemerkt, dass ihr Schwarm bereits eine Katze beherbergt.

Auch wenn ein glücklicher Hundehalter sich in eine ebenso begeisterte Hundehalterin verliebt, ist noch nicht garantiert, dass der Haussegen erhalten bleibt: Was tun, wenn die Tiere sich angiften? Gänzlich schwierig ist die Lage oft für Reptilien-, Insekten- und Spinnen-Liebhaber: Mag sich der Herzenspartner mit Salamander und Gecko noch anfreunden - bei Schlangen, Heuschrecken, Blattschneider-Ameisen und Vogelspinnen ist meist die Toleranzgrenze erreicht.

Bevorzugung: Wenn lieber mit der Katze als mit dem Partner gekuschelt wird

Viele Partnerschaftskonflikte haben mit einem Entzug von Liebe und Zärtlichkeit, Wertschätzung, Vertrauen, Toleranz, Unterstützung sowie gemeinsamer Zeit zu tun. Kommt hinzu, dass diese wichtigen Glücksfaktoren ganz offensichtlich und großzügig einem anderen Wesen - im speziellen Fall: einem Tier - zuteilwerden, ist Eifersucht programmiert. Deren Ausmaß wiederum hat viel damit zu tun, wie selbstbewusst und in sich ruhend man ist, auch damit, welche positiven/negativen Erfahrungen mit Geliebt-, Betrogen- und Verlassen-Werden man in seinem bisherigen Leben gemacht hat.

Die Gründe für die Bevorzugung eines Tieres vor dem Partner sind so unterschiedlich, wie es Beziehungen generell sind: Manchmal steckt ein unerfüllter Kinderwunsch dahinter oder das »Leere-Nest-Syndrom«, wenn der eigene Nachwuchs das Haus verlassen hat. Ebenso gibt es Probleme, wenn Mann oder Frau im Tier bestimmte Eigenschaften suchen, die sie beim Partner vermissen - Anlehnungsbedürftigkeit, Anspruchslosigkeit, Abhängigkeit oder im Gegenteil: Unabhängigkeit, Stolz, körperliche Stärke - oder einfach zu viel Zeit mit dem Tier verbringen.

»Reden, reden, reden - und zwar rechtzeitig, bevor sich die Verhältnisse festgefahren haben«, empfehlen Psychologen Tierbesitzer-Paaren, die auf diesem Gebiet Probleme bekommen. Für viele ist dies leichter gesagt, als getan: Zum konstruktiven Dialog gehört die Fähigkeit zur ehrlichen Selbsterkenntnis und -kritik, die Fähigkeit, klare Zielvorgaben in kleinen Schritten zu definieren - und schließlich der Mut und das Können, all dies höflich in Worte zu fassen sowie aufmerksam zuzuhören, was der Partner zu sagen hat. Professionelle Hilfe durch eine Familienberatungsstelle kann also durchaus angebracht sein.

Wer bekommt den Hund bei einer Scheidung? Haustier im Ehevertrag festhalten

Sind die Partner übereingekommen, miteinander einen Neustart zu wagen und die Beziehung zum Tier neu abzustecken, so muss klar festgelegt werden, was das Tier darf und wo es nichts zu suchen hat - etwa auf dem Esstisch oder im Ehebett. Achtung: Je länger ein Haustier bestimmte Privilegien hatte, umso stärker wird es darauf bestehen. Dies ist vor allem bei Katzen der Fall, die auf eine geschlossene Schlafzimmertür oft mit nächtlichen Heulkonzerten und dem Verlust der Stubenreinheit reagieren. Hunde dagegen lassen sich durch ein Verhaltenstraining etwas leichter »umschulen«. In jedem Fall sind liebevolle Konsequenz und großes Durchhaltevermögen gefragt.

Kommt es übrigens zur Scheidung, so werden Tiere von deutschen Gerichten zumindest in der Theorie immer noch wie Haushaltsgegenstände behandelt, das heißt: man kann ihren »Besitz« erstreiten. Gelegentlich wird dennoch ein wechselnder Aufenthalt des Tieres beschlossen oder eine Art »Besuchsrecht«. Bezüglich der Kosten für Futter, Tierarzt usw. belasten die Gerichte im Allgemeinen den Eigentümer, bei dem es lebt. Rechtsanwälte empfehlen, diesbezügliche Details bereits vor der Eheschließung vertraglich festzulegen. (Inge Schneider)

Nie zuvor wurden in Gießen mehr Hunde neu angemeldet als im Corona-Jahr 2020: Es sind über 500. Die Zahl der „offiziellen“ Hunde in der Stadt kletterte auf das Allzeit-Hoch von 3060.

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