Nach dem Beispiel Tübingens wollen jetzt auch Städte in Hessen zu Modellkommunen werden und durch rigoroses Testen einen normalisierten Alltag möglich machen.
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Nach dem Beispiel Tübingens wollen jetzt auch Städte in Hessen zu Modellkommunen werden und durch rigoroses Testen einen normalisierten Alltag möglich machen.

Vorbild Tübinger Weg

Raus aus dem Corona-Lockdown: Auch Friedberg will Modell-Kommune sein

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
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Tübingen macht es vor, Friedberg will es nachmachen: Rigoroses Testen und ein entsprechendes Konzept sollen die Stadt aus dem eingeschränkten Corona-Alltag führen.

Friedberg - Bad Nauheim hat es getan und auch Friedberg tut es: Bürgermeister Dirk Antkowiak hat einen Brief an den Hessischen Sozialminister Kai Klose geschrieben. Es handelt sich um eine Bewerbung der Stadt als Modellkommune, in der während der Pandemie Öffnungsschritte möglich sein sollen. Dies unter Berücksichtigung des Infektionsschutzes.

Das Engagement der Stadtverwaltung, der Einzelhändler und der Bürger in Friedberg sei seit Beginn der Pandemie ungebrochen stark und zeichne sich durch Ideenreichtum und Solidarität aus, heißt es in dem Brief von Bürgermeister Dirk Antkowiak an den Hessischen Sozialminister Kai Klose. Mit dem Schreiben bewirbt sich die Stadt als Modellkommune, um in der Pandemie Öffnungen zu ermöglichen.

Corona in der Wetterau: Friedberg möchte Modellkommune werden

»Seit Krisenbeginn gibt es das Programm ›Friedberg hilft!‹ mit den unterschiedlichsten Hilfestellungen. Im ersten Schritt wurden die Risikogruppen mit einer nachbarschaftlichen Einkaufshilfe unterstützt. Dieser Baustein war im Wetteraukreis der erste seiner Art und fand im positiven Sinne viele Nachahmerkommunen, die wir als Kreisstadt gerne bei der Einführung der solidarischen Nachbarschaftshilfe unterstützt haben«; schreibt Antkowiak. »Friedberg hilft!« sei gewachsen und enthalte mittlerweile folgende Bausteine:

  • Einkaufshilfe bzw. Erledigen von Besorgungen für Menschen aus der Risikogruppe
  • Vermittlung von Erntehelfern für die Friedberger Landwirte
  • Hilfestellung und Strukturierung der Förderprogramme für Gewerbe und Einzelhandel
  • Aufbau und Unterstützung eines Onlinemarketing-Tools für die Gewerbetreibenden
  • Hilfestellung bei der Vereinbarung eines Impftermins und bei Bedarf Gutschein für Taxifahrten für Personen über 70 Jahren zum Impfzentrum

Bewerbung als Modellkommune: Friedberg sucht Ausweg aus der Corona-Krise

Antkowiak weiter: »Das Amt für öffentliche Sicherheit und Ordnung stand den Einzelhändlern und Gewerbetreibenden mit Services und unterstützenden Ratschlägen zur Seite und organisierte auch die hygienegerechten Wochenmärkte.« Im vergangenen Sommer habe die Stadt Friedberg den Rathauspark zur Verfügung gestellt. Mit vielen Beteiligten sei ein umfangreiches und coronakonformes Open-Air-Kulturerlebnis entwickelt worden.

»Des Weiteren schafften wir mit der Aktion ›Urlaub in Friedberg‹ gemeinsam mit der Werbegemeinschaft ›Friedberg hat’s‹ e.V. ein ebenfalls coronakonformes Konzept zur Belebung der Innenstadt und zur Steigerung der Aufenthaltsqualität über zwei Monate auf der Haupteinkaufsstraße in Friedberg und unterstützen somit die Gewerbetreibenden in der Innenstadt.« Die Aktion »Urlaub in Friedberg« sei auch für dieses Jahr geplant und werde um mehrere Attraktionen und Kooperationspartner erweitert. Mit der digitalen Ostereiersuche, die die Stadt und der Spieleverlag Pegasus im vergangenen Jahr auf die Beine gestellt habe, seien viele Friedberger Kinder glücklich gemacht worden.

Modellkommune: Bürgermeister skizziert Vorhaben für Friedberg

»Mit dieser Auflistung möchte ich zum Ausdruck bringen, dass wir Friedberger kreativ und umsichtig sind. Unsere Zauberformel ist das Zusammenspiel aller Beteiligten, und dies ist auch der Grund für den Erfolg der eingeführten Formate in Zeiten von Corona«, schreibt Antkowiak, der auch die Umsetzungsstrategie für die stückweise Öffnung der Geschäfte und der Kulturbetriebe in Friedberg grob skizziert:

  • Schnelltests - Im Rathaus wird neben den bisherigen Schnelltestmöglichkeiten eine zusätzliche Möglichkeit der Schnelltestung geschaffen. Diese wird personell durch die Friedberger Apotheken ausgestattet.
  • App - Die THM befindet sich bereits in der Entwicklungsphase einer App zur Nachverfolgung der Kontakte als Nachweis einer negativen Testung. Dieser Nachweis löscht sich automatisch nach 48 Stunden.
  • Sicherer Einkauf - Die Werbegemeinschaft »Friedberg hat’s« entwickelt ein Konzept für alle Mitglieder zum sicheren Einkauf in den Geschäften nach Vorlage eines Negativtests. Der Stadtmarketingverein hat in allen Belangen seine unterstützende Arbeit angeboten.
  • Kultur - Mit den großen Kulturanbietern (Musikschule, Volksbühne und Theater Altes Hallenbad) ist die Stadt in engem Kontakt und arbeitet auch hier ein Konzept der teilweisen Öffnung nach ihrer positiven Rückmeldung aus.
  • Gastronomie - Die Gastronomie erarbeitet ebenfalls in Anlehnung an das Konzept vom Sommer 2020 einen Ablaufplan mit dem Amt für öffentliche Sicherheit und Ordnung.

Laut Bürgermeister Dirk Antkowiak sind die kleinen und inhabergeführten Läden in der Friedberger Innenstadt ein verlässlicher Partner für das Projekt »Modellkommune in Coronazeiten«. »Wir als Stadt Friedberg möchten die Friedberger Einzelhändler mit dem Vorhaben Modellkommune unterstützen und dafür sorgen, dass es nach Corona noch diese vielen kleinen und inhabergeführten Geschäfte geben wird.« (Christoph Agel)

Nach Ostern möchte auch Bad Nauheim mit dem Tübinger Modell die Innenstadt wieder öffnen.

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