Eine Seniorin telefoniert mit ihrem Smartphone.
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Betrüger haben sich eine neue Methode überlegt, da der Enkeltrick immer seltener funktioniert.

Zahlreiche Anrufe

Wetteraukreis: Betrüger gibt sich als Covid-19-Kranker aus

  • vonSebastian Richter
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Der sogenannte Enkeltrick ist in der Wetterau inzwischen bestens bekannt. Betrüger lassen sich deswegen neue Methoden einfallen.

  • Telefonbetrug ist für die Polizei in der Wetterau ein Dauerthema.
  • Die Betrüger geben sich immer öfter als „Falsche Polizisten“ aus.
  • Aber auch vor Schwindel in Verbindung mit Corona schrecken die Gauner nicht zurück.

Wetterau – Die gängigste Masche, um Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen, war lange Zeit der „Enkeltrick“. Diese Methode funktioniert inzwischen aber immer seltener, dank umfassenden Aufklärungskampagnen sind viele Wetterauer Senioren am Telefon misstrauisch geworden. Betrüger geben sich deshalb nun vermehrt als Polizisten aus. Aber damit nicht genug, auch die Corona-Pandemie nutzen die Schwindlern aus, wie ein Beispiel aus Bad Vilbel zeigt.

Wetterau: Betrüger geben sich am Telefon als Polizisten aus

Im gesamten Kreisgebiet häufen sich die Meldungen über „falsche Polizisten“, die bei verängstigten Bürgern anrufen und vor Einbrechern und Betrügern warnen. Die angeblichen Helfer bieten an, Wertgegenstände und Bargeld in Sicherheit zu bringen. Ihr Erspartes sehen die Opfer natürlich nie wieder. Vor allem zwischen Sonntag (15.11.2020) und Mittwoch (18.11) hätten Anrufe von „falschen Polizisten“ zugenommen, berichtet die Polizei. Die Wetterauer waren aber schlauer: In allen gemeldeten Fällen legten sie gleich wieder auf, weil sie den Betrug witterten.

Betrüger in der Wetterau: Statt des Enkeltricks nutzen sie jetzt angebliche Corona-Fälle

Am Donnerstag (19.11.) testeten die Kriminellen dann eine neue Strategie. Die Corona-Pandemie verunsichert viele – das auszunutzen, schien wohl vielversprechend. Gegen 13.30 Uhr rief ein Mann bei einer Frau aus Bad Vilbel an, dabei gab er sich als einer ihrer Bekannten aus. Er liege im Krankenhaus, ein schlimmer Corona-Fall, er benötige dringend teure Medikamente. Er bat die Seniorin um Geld und vermittelte ihr, es ginge um Leib und Leben. Aber die Dame lies sich nicht unter Druck setzen. Stattdessen durchschaute sie die Masche– legte einfach auf. Ein Anruf bei ihrem echten Bekannten gab ihr schnell Sicherheit: Der erfreute sich nämlich bester Gesundheit.

Telefonbetrug wird auch in Marburg-Biedenkopf und dem Lahn-Dill-Kreis in letzter Zeit immer häufiger eingesetzt. Eine 82-Jährige aus Dillenburg fiel auf eine besonders perfide Lüge herein. Sie wurde gestern (19.11.) von einem Mann angerufen, der sich als ihr Sohn ausgab. Er machte ihr glaubhaft, einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht zu haben, und sich in Polizeigewahrsam zu befinden. Dann reichte er das Telefon an eine angebliche Polizistin weiter, die der Seniorin erklärte, dass eine Kaution hinterlassen werden müsse, um die Freilassung des Sohnes zu gewährleisten. Die machte sich natürlich Sorgen und ging direkt zur Bank. Gegen 16:40 Uhr übergab sie ihr gesamtes Erspartes einem Unbekannten.

Tipps der Polizei

  • Seien Sie wachsam, misstrauisch und besprechen sich mit einer Vertrauensperson, bevor Sie überhaupt an eine Abhebung von Bargeld oder Überweisung denken oder das daheim gelagerte Geld an Fremde aushändigen!
  • Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen!
  • Geben Sie niemals vertrauliche Informationen preis.
  • Versichern Sie sich mit einem Rückruf tatsächlich den richtigen Enkel, Bekannten oder die Polizei am Apparat zu haben.
  • Verwenden Sie dabei aber niemals Rufnummern, die man Ihnen mitteilt oder die Sie auf dem Display sehen (die könnten gefälscht sein). Suchen Sie die Telefonnummern selbst heraus und legen sie die Telefonnummer Ihrer örtlichen Polizei griffbereit ab.
  • Wählen Sie bewusst neu! Benutzen Sie nicht die Rückruftaste!
  • Die Polizei ruft niemanden an, um über Festnahmen zu berichten oder um persönliche Lebensumstände zu erfragen oder um sich nach Wertgegenständen und deren Sicherung zu erkundigen. Es geht niemanden etwas an, ob Sie alleine wohnen oder ob Sie Bargeld und Schmuck zuhause aufbewahren.
  • Im medizinischen Notfall wird immer ärztlich versorgt. Medikamente oder Behandlungen werden über die Krankenkassen abgerechnet oder per Rechnung im Nachhinein beglichen.
  • Tipps zu den Vorgehensweisen und zum Schutz vor Betrügern am Telefon gibt es auf der Internetseite www.polizei-beratung.de oder auf der Präventionsseite unter www.polizei.hessen.de/Prävention.

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