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Abstrakt sind die Kreuzweg-Stationen in der Kirche St. Johannes Evangelist in Rodheim - die Künstlerin Nicole Ahland hat sie mit dem Medium der verfremdeten Fotografie gestaltet.

Glaube in Pandemie-Zeiten

Wetterauer Kreuzwege in Corona-Karwoche

  • vonInge Schneider
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Das Leiden und Sterben Jesu Christi bestimmt die Karwoche. Die Hoffnung auf eine Auferstehung des Lebens hat in Corona-Zeiten neue Aktualität gewonnen. Darauf reagieren auch die Wetterauer Kirchengemeinden.

Keineswegs Weihnachten, sondern die Kar- und Ostertage sind die ältesten und wichtigsten Feste des Kirchenjahrs - und zugleich die besser belegten Ereignisse im Leben des historischen Jesus von Nazareth. Beginnend mit dem Palmsonntag und der Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem über das letzte Abendmahl am Gründonnerstag bis zum Karfreitag mit Kreuzestod, Karsamstag mit der Grabruhe und Ostersonntag, dem Tag der Auferstehung, zeichnen die christlichen Kirchen zentrale Inhalte ihres Glaubens nach.

Von konkret bis abstrakt

Um die Etappen von Jesus Leidenswegs hat sich früh eine eigene Form des Nachgehens, Mitleidens und der Solidarität herausgebildet - die sogenannte Kreuzweg-Andacht. Ab dem 14. Jahrhundert pflegten die in Jerusalem ansässigen Franziskanermönche gemeinsam mit Pilgern die »Via dolorosa«, die »schmerzensreiche Straße«, als angenommenen letzten Weg Jesu nachzugehen. Die Pilger nahmen die Idee mit in ihre Heimat, im Lauf der Jahrhunderte entwickelte sich eine Vielzahl an Kreuzwegformen. Es gibt sie als Wallfahrten und Prozessionen, Komponisten wie Johann Sebastian Bach haben das Thema vertont, es spiegelt sich in Passionsspielen wider und wurde in der bildenden Kunst umgesetzt.

Die Bandbreite der Kreuzweg-Kunstwerke ist weitgefächert - auch in den Wetterauer Kirchen. Es gibt vielfach konkrete Darstellungen, zum Beispiel in der Basilika Maria, Sankt Petrus und Paulus in Ilbenstadt, Ende des 19. Jahrhunderts geschaffen von einem unbekannten Meister im Stil der Jerusalemer Schule.

Angebote via GPS und für Familien

Abstrakt hingegen sind die sieben Bildnisse der Wiesbadener Künstlerin Nicole Ahland in der katholischen Kirche St. Johannes Evangelist in Rodheim. 2017 bei der Aktion »Kunst in Kirchen« von der Kirchengemeinde erworben, spielt dieser auf der Grundlage avantgardistischer Fotografie gestaltete Kreuzweg mit den Elementen von Licht und Schatten, Zeit und Ewigkeit, Begegnung und Einsamkeit, Tod und Leben. Die ungegenständliche Darstellungsweise lässt viel Raum für eigene Gedanken und Interpretationen.

In Zeiten der Pandemie suchen die Kirchen nach Wegen, um das Ritual der Kreuzweg-Andacht in einer coronagerechten Form anzubieten: Zum einen haben viele Gotteshäuser bis 18 Uhr geöffnet und laden zum stillen Betrachten der Kreuzwegstationen ein. Zum anderen gibt es Andachten und Gottesdienste, die gestreamt werden oder via Youtube abrufbar sind. Weitere besondere Angebote sind der Kreuzweg via GPS und Smartphone der Kirchengemeinde St. Paulus in Wöllstadt (kreuzweg.paulus-woellstadt.de) und der individuell begehbare, kindgerechte Familienkreuzweg in St. Gallus/Rockenberg,

14 Stationen

Klassischerweise umfasst der Kreuzweg 14 Stationen: von der Verurteilung Jesu über die Aufnahme des Kreuzes und den dreimaligen Sturz unter den schweren Balken, die Begegnung mit seiner Mutter und den weinenden Frauen, mit Veronika, die dem Gemarterten ihr Schweißtuch reicht, mit Simon von Cyrene, der Jesus das Kreuz tragen hilft, bis hin zur Entkleidung, der eigentlichen Kreuzigung, der Kreuzabnahme und Bettung Jesu in den Schoß seiner Mutter sowie die Grablege. Einige Stationen sind biblisch belegt, andere wiederum legendär, jedoch tief in der Volksfrömmigkeit und der Kunst verankert.

Hier ist Station VII zu sehen: Das Grab ist leer - Die Auferstehung.

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