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"Wir brauchen Hilfe": Firmenchef Horst Lauer steht voller Sorge vor einem seiner stillgelegten Reisebusse. 

Corona-Krise

Wetterauer Busunternehmen in Sorge: "Altersvorsorge ist weg"

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Mit Sorge blickt der Heldenberger Busunternehmer Horst Lauer in die Zukunft. Trotz der Lockerungen der Corona-Beschränkungen zeichnet sich für sein Gewerbe noch keine Besserung ab.

Die Sonne strahlt, es ist angenehm warm - eigentlich perfektes Reisewetter. Doch Horst Lauer sitzt mit einem Teil seiner Mannschaft auf dem Betriebshof des Familienunternehmens in der Sonne und bläst Trübsal. Die acht Reisebusse (Wert: fast drei Millionen Euro) des inzwischen 70 Jahre alten Familienunternehmens Schäfer Touristik stehen hier akkurat nebeneinander geparkt; alles sind sie abgemeldet. Seit den Kontaktbeschränkungen Mitte März gibt es keine Busfahrten.

Die Auftragsbücher sind leer und zwar bis Mitte September, sagt Lauer. "Bei uns fängt spätestens Ostern die Reisezeit an. Dann gehen unsere Fahrten ins benachbarte Ausland oder nach Italien und Spanien. 60 Personen pro Bus und fast immer ausgebucht." Der 60-Jährige schlägt das Buch mit den Reservierungen auf. Es enthält nur durchgestrichene Buchungen und ist ansonsten leer. "Ich habe so etwas noch nie erlebt." Lauer schüttelt ratlos den Kopf. 14 Angestellte beschäftigt er im Reiseunternehmen, das sein Vater im Jahr 1950 gegründet hat. Seither sei es mit der Firma stets bergauf gegangen.

Wetterauer Busunternehmen in Sorge: Zu Beginn auf Rücklagen zurückgreifen

Da man stets vorausschauend gewirtschaftet habe, konnte das Familienunternehmen zu Beginn der Corona-Krise auf größere Rücklagen zurückgreifen, berichtet Lauer. "Die bildeten zum Teil meine Altersversorgung. Das ist nun alles weg", sagt er.

Lauer möchte das Familienunternehmen durch die Krise bringen. "Man kann sich das gar nicht vorstellen, uns wurden bereits die Fahrten zu den Weihnachtsmärkten in diesem Jahr wegen Corona storniert." Ebenso hätten bereits jetzt viele Vereine ihre Ausflüge ins nächste Jahr verschoben. "Aber selbst wenn wir noch Buchungen hätten, für die Busreisebranche ist bisher noch keine Aufhebung der Beschränkungen in Aussicht gestellt worden", berichtet der Unternehmer. Dabei hätten die Reisebusverbände, in denen die rund 4000 Busunternehmen bundesweit organisiert sind, bereits spezielle Sicherheitsvorkehrungen für die Busse vorgeschlagen: statt 60 nur 25 Personen im Bus; zudem alle erforderlichen Hygienevorkehrungen.

Wetterauer Busunternehmen in Sorge: 70 000 Euro Fixkosten

"Doch unser Verband ist offensichtlich zu schwach in Berlin, denn nichts passiert", beklagt sich auch Erich Lauer, der ebenfalls im Unternehmen seines Bruders arbeitet. Er legt einen umfangreichen Tourenkatalog auf den Tisch. "Der Reisekatalog für dieses Jahr hat allein 10 000 Euro gekostet. Alles umsonst."

Firmenchef Horst Lauer zählt weiter auf: Viele Reisen seien schon vorgebucht und angezahlt gewesen. Diese Anzahlungen müssten nun zurückerstattet werden. Auch das ein Posten von annähernd 50 000 Euro, der ein weiteres Loch in die Firmenkasse reiße. Dazu kommt, dass jeder Reisebus alle drei Monate zur Durchsicht zum TÜV müsse. Auch dafür müsse er 500 Euro pro Bus auf den Tisch legen - und das, obwohl alle Busse abgemeldet seien.

Für seine 14 Mitarbeiter hat der 60-Jährige längst Kurzarbeit angemeldet und auch die staatliche Soforthilfe in Anspruch genommen. "Aber was sind 10 000 Euro Soforthilfe bei 60 000 bis 70 000 Euro laufenden Kosten pro Monat." Seine Altersvorsorge sei jedenfalls aufgebraucht, und an einen Kredit, auch wenn seine Hausbank den ihm längst zugesichert habe, traue er sich nicht heran. Der müsse schließlich irgendwann zurückgezahlt werden, mit zusätzliche Zinsen und Tilgungen.

Zwei, höchstens drei Monate halte er noch durch, schätzt Lauer. Dann seien alle Reserven aufgebraucht. "Die Situation ist nicht nur bei mir ernst. Sie müssten mal auf die Parkplätze der großen Automobilfirmen sehen, wie viele zurückgegebene Busse dort stehen, weil die Busunternehmer die Raten nicht mehr zahlen können", sagt der Heldenberger Firmenchef.

Deshalb hoffen nicht nur die Lauers auf die baldige Rückkehr zur Normalität.

Wetterauer Busunternehmen in Sorge: "Viele Betriebe bald am Ende"

Vor einer "Pleitewelle größeren Umfangs" warnt der Landesverband Hessischer Omnibusunternehmer (LHO) im Zusammenhang mit der Corona-Krise. Nach seiner Ansicht werden etwa 90 Prozent der Bustouristiker in Hessen maximal noch bis zum Sommer überleben können - wenn es keine Hilfen gibt, drohe ihnen schon bald das Aus. Der Verband fordert daher im Zusammenhang mit den Lockerungen für Gaststätten und Hotels eine konkrete zeitliche Perspektive für die Bustouristik. Außerdem benötigten die Unternehmen, die zum Teil auch den Schülerverkehr verloren hätten. dringend Ersatz der Ausfallkosten für ihre Busse und Reisen. Auch müsse die Mehrwertsteuer bei den "umweltfreundlichen Busreisen" auf 7 Prozent reduziert werden, nur so können die Unternehmen bei einem vorsichtigen "Hochfahren" in die Normalität die dringend benötigte Liquidität erhalten.

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