In Gießen beispielsweise gibt es die gelben Tonnen bereits. Ab 2021 werden sie aller Voraussicht nach in 24 Wetterauer Kommunen eingeführt.
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In Gießen beispielsweise gibt es die gelben Tonnen bereits. Ab 2021 werden sie aller Voraussicht nach in 24 Wetterauer Kommunen eingeführt.

Aus für Gelbe Säcke

Wetterau: Gelbe Tonnen zum Jahresbeginn?

  • vonHedwig Rohde
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Plötzlich ist die Diskussion um den Ersatz der (leidigen) gelben Säcke durch gelbe Tonnen wieder aktuell. Für 24 Wetterauer Städte und Gemeinden (alle bis auf Bad Vilbel) soll die Umstellung zum Jahresbeginn 2021 realisiert werden. Über das Für und Wider sprach die WZ mit Dr. Jürgen Roth, Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs, und Steffen Schneider vom Bad Nauheimer Kur- und Servicebetrieb.

Über gelbe Tonnen statt gelber Säcke wurde schon vor Jahrzehnten vergeblich diskutiert. Warum wäre der Tausch jetzt möglich?

Dr. Jürgen Roth: Zum 1. Januar 2019 hat das Verpackungsgesetz die seit 1990 bestehende Verpackungsverordnung abgelöst. Mit einer Übergangsfrist bis zum 31. Dezember 2020 müssen die für die Sammlung und Verwertung der Verpackungsabfälle zuständigen privat organisierten Dualen Systeme die Durchführung der Sammlung mit den entsorgungspflichtigen Körperschaften neu vereinbaren. Mit diesen Verhandlungen haben die Wetterauer Kommunen den AWB beauftragt. Die daraus resultierende Abstimmungsvereinbarung regelt, wie die Verkaufs- und damit auch die Leichtverpackungen, also Verpackungen aus Kunststoff, künftig gesammelt werden. Sie macht nun auch die Einführung einer gelben Tonne als Sammelsystem möglich.

Welche Überlegungen haben den Ausschlag für die Initiative gegeben, im Wetteraukreis die gelben Säcke zu ersetzen?

Steffen Schneider: Das Verteilen und das Einsammeln der gelben Säcke sorgt immer wieder für Unmut bei den Bürgern. Die Säcke wurden im Laufe der Jahre immer dünner, es gibt Probleme bei der Verteilung der leeren Säcke und die zur Verfügung gestellten Mengen an leeren Säcken sind oft sehr schnell vergriffen. Die gefüllten Säcke, die zur Abholung bereitstehen, werden bei starkem Wind weggeblasen und reißen auf, Tiere machen sich über Nacht daran zu schaffen, Flüssigkeiten laufen aus. Von der gelben Tonne erhoffen wir uns zumindest deutlich weniger Probleme.

Wann steht fest, ob es gelbe Tonnen geben wird? Wer fällt die Entscheidung?

Roth: Das Verhandlungsergebnis liegt auf dem Tisch, die Wetterauer Kommunen sind damit einverstanden. Wenn die zehn Dualen Systeme dem Ergebnis noch mindestens mit Zweidrittelmehrheit zustimmen, kann die Abstimmungsvereinbarung unterschrieben werden. Damit rechnen wir in den nächsten vier Wochen.

Wird es eine Wahl geben zwischen Tonne und Sack?

Schneider: Im Wetteraukreis ist flächendeckend die Einführung der gelben Tonne vorgesehen. Eine Wahlmöglichkeit wurde von den Dualen Systemen nicht akzeptiert.

Jetzt ist ja - gerade in Alt- und Innenstädten - nicht jedes Grundstück so groß, dass beliebig viele Tonnen Platz finden. Wie könnte man damit umgehen?

Schneider: Bei uns sind die Innenstadt in Bad Nauheim und die Altstadt in Büdingen sehr dicht bebaut. Die gelben Säcke werden dort oft in Kellern oder Tiefgaragen aufbewahrt, der Einsatz einer zusätzlichen Tonne wäre bei vielen Grundstücken problematisch. Für genau begrenzte Gebiete in beiden Städten wird es deshalb weiter gelbe Säcke geben: für Bad Nauheim im Viertel zwischen Parkstraße, Kurstraße, Hauptstraße und Burgstraße.

Welche Schritte sind nach der Grundsatzentscheidung noch zu tun, damit das Vorhaben realisiert werden kann?

Roth: Zunächst schreiben die Dualen Systeme die Durchführung der Sammlung der Leichtverpackungen aus. Das dann beauftragte Entsorgungsunternehmen muss die Tonnen beschaffen und die Aufstellung regeln.

Was wird sich für den Verbraucher ändern?

Schneider: Jeder Verbraucher kann zwischen der kleinen (120 Liter) und der großen Tonne (240 Liter) wählen. Für große Wohneinheiten und Gewerbebetriebe stehen 1100-Liter-Container zur Verfügung. Diese Tonnen werden von den Dualen Systemen den Verbrauchern kostenlos zur Verfügung gestellt und im Abstand von drei Wochen geleert.

Ab wann wird der Tausch wirksam?

Roth: Der neue Vertrag läuft ab dem 1. Januar 2021. Bis dahin sollte die Umstellung durch den zukünftig beauftragten Entsorger erfolgt sein.

Das Thema ist komplex. Wie wollen Sie die geplante Umstellung transparent machen?

Roth: Die Dualen Systeme werden das Thema aktiv bearbeiten, und auch der AWB und die Kommunen im Wetteraukreis werden die Öffentlichkeit informieren.

Wird die Müllabfuhr nach der Einführung gelber Tonnen teurer?

Schneider: Nein. Die Verbraucher bezahlen die Entsorgung für Verpackungen bereits mit dem Kauf eines Produktes. Die Hersteller führen dafür einen kleinen Betrag an das Duale System ab. Neben den gelben Säcken bzw. Tonnen organisieren die Dualen Systeme auch die Entsorgung von Altglas. Die kommunalen Abfallgebühren decken die Entsorgung von Bioabfall, Papier und Pappe sowie Restmüll. Somit hat die Einführung der gelben Tonne keine Auswirkungen auf die Abfallgebühren. Die Dualen Systeme kooperieren mit den Kommunen zwar bei der Einsammlung von Verpackungen aus Papier und Pappe, die über dieselbe Tonne eingesammelt werden wie beispielsweise Zeitungen und Zeitschriften. Dafür zahlen die Dualen Systeme eine Mitbenutzungsgebühr, die in die Kalkulation eingeht.

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