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Die Sanierung schreitet voran: Inzwischen steht in der Kirche ein Gerüst bis unter die Decke.

Wenn die Kirche zur Baustelle wird

Warten und geduldig sein: Das müssen die Heuchelheimer, wenn es um die Sanierung ihrer Kirche geht. Denn die ist derzeit eine Baustelle. Altar und Orgel sind abgebaut, der Fußbodenbelag entfernt, der Putz ab. Bei den Arbeiten gab es schon so manche Überraschung.

Vor neun Jahren ungefähr hat sich der Kirchenvorstand in Heuchelheim zum ersten Mal mit dem Thema Kirchensanierung befasst„, erzählt Kirchenvorsteherin Ines Dauernheim. Sie begleitet das Projekt Kirchensanierung von Anfang an. Seitdem hat sich einiges getan. Im Februar 2019 trugen zahlreiche Helfer Altarkreuz, Bibel, Osterkerze und Abendmahlsgeschirr aus der charmanten kleinen Dorfkirche hinaus.

Neuer Platz für die Orgel

Es folgten Besuche der Landesdenkmalpflege, von Orgelsachverständigen und Restauratoren. Es gab Termine mit Architekten, Steingutachtern und Baufirmen. Probe-Anstriche wurden gemacht, Balken und Mauerwerk untersucht.

Dabei gab es manche Überraschung - Feuchtigkeit im Mauerwerk etwa. Aber auch ein paar alte Damenschuhe, die unter der Treppe zur Empore zwischen Bauschutt und Alteisen hervorlugten. Man vermutet, dass es die Orgelschuhe der ehemaligen Organistin sind, die bis Ende der 1970er Jahre gespielt hat. Sicher lässt sich das aber nicht sagen.

“Beim Rückbau des Fußbodens sind außerdem gotische Scherben gefunden worden, die laut Kreisarchäologie gut sichtbar für alle in der restaurierten Kirche zu sehen sein sollen„, sagt Dauernheim. Die Frage nach dem Wo ist nur eine von vielen, denen sich die Mitglieder des Kirchenvorstands in den vergangenen Monaten stellen mussten: Welcher Fußboden ist weniger empfindlich, wo kommt welches Licht hin, wo die Namen der Spender, und wie soll künftig der Altar aussehen? “Das alles entscheiden zu können oder zu müssen, bedeutet auch eine Menge Verantwortung„, sagt Dauernheim.

Tatkräftig unterstützt wird der Kirchenvorstand um Pfarrerin Angela Schwalbe dabei von Architektin Tine Göllner und Kirchenarchitekt Joachim Sykala, der das Projekt jetzt an seine Nachfolgerin Eva Stendel übergeben hatt. Etwa alle vier Wochen trifft sich die Gruppe zur Baubesprechung. “Auch die EKHN ist während des gesamten Prozesses eng an unserer Seite„, berichtet Dauernheim.

Bei der Gestaltung des Altarraums wird ein Kirchenkünstler die Gemeinde beraten. Nicht nur dort wird sich einiges verändern: Die Heuchelheimer Orgel bekommt einen neuen Platz. Das Instrument von 1859 ist eine Brüstungsorgel. Dort soll sie auch künftig wieder stehen. Die Orgel bekommt goldene Akzente, die Decke soll weiß werden, die Wände eierschalenfarben mit braunen Abgrenzungen um die Fenster.

Beim Altar hat sich der Kirchenvorstand für eine transparente Variante entschieden, der Unterbau aus Plexiglas, die Altarfläche aus Holz. Die Kirche soll in Zukunft mit verschiedenen Angeboten genutzt werden: vom besonderen Gottesdienst in Form von Meditation, mit Einzelsegnung im persönlichen Rahmen bis zu Konzerten, Lesungen oder anderen kulturellen Angeboten. Deshalb wurde beschlossen, die Heuchelheimer Kirche mit Stühlen statt mit starren Bänken auszustatten. “Das ist ein tolles Zeichen, dass wir neue Wege gehen wollen„, findet Pfarrerin Schwalbe. Sie kann sich vorstellen, die Kirche zukünftig auch gemeinsam mit dem gegenüberliegenden und erneuerten Dorftreff zu nutzen.

Zeitplan unter Vorbehalt

Eine Herausforderung für die Gemeinde sind die steigenden Kosten. “Wir erleben derzeit am Bau enorme Preissteigerungen„, weiß Kirchenarchitekt Sykala. Die EKHN unterstützt das Projekt großzügig. Doch auch die Kirchengemeinde hat ihren prozentualen Anteil an der Restaurierung zu zahlen. Deshalb werden Spendengelder gesammelt. Über die große Spendenbereitschaft im Ort freuen sich alle Beteiligten.

Die aufwendige Sanierung und die Corona-Pandemie sind eine doppelte Herausforderung für Pfarrerin Schwalbe. “Das kostet Zeit und manchmal auch Nerven„, sagt sie. “Trotzdem überwiegen für mich die Chancen. Es ist spannend, den Prozess zu begleiten und unsere Kirche fit für die Zukunft zu machen.„ Sie ist besonders dankbar für die Ehrenamtlichen, die viel Zeit in das Projekt stecken.

Ende 2021, Anfang 2022, so der Plan, soll die Sanierung abgeschlossen sein. Ob das tatsächlich klappt, kann noch niemand sagen. Denn eines haben Dauernheim und ihre Kolleginnen und Kollegen im Kirchenvorstand gelernt: “Das Restaurieren unserer nun 601 Jahre alten Kirche braucht Zeit.„ Und: “Man weiß nie, welche Überraschung als Nächstes kommt.„

Viele Entscheidungen sind zu treffen, etwa: Welche Farbe sollen die Wände haben?
Die Heuchelheimer Kirche wird derzeit saniert. Außen ist davon wenig zu sehen, lediglich neue Leuchten am Weg sind geplant.
Kein Fußboden, abgedeckte Fenster und freiliegende Kabel: In der Heuchelheimer Kirche wird an allen Ecken und Enden gearbeitet.
Beim Rückbau des Fußbodens sind gotische Scherben gefunden worden, die laut Kreisarchäologie künftig gut sichtbar für alle in der restaurierten Kirche zu sehen sein sollen.
Heidi Mayer (l.) und Ines Dauernheim vom Kirchenvorstand bei der monatlichen Baubesprechung.

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