Christopher Kloeble hat bislang sechs Bücher veröffentlicht und unterrichtet als Gastprofessor in den USA. FOTO: CHRISTINE FENZL
+
Christopher Kloeble hat bislang sechs Bücher veröffentlicht und unterrichtet als Gastprofessor in den USA. FOTO: CHRISTINE FENZL

Die Welt als großes Museum

  • Sabine Bornemann
    vonSabine Bornemann
    schließen

Im Jahr 1854 brechen die deutschen Brüder Schlagintweit zur größten Forschungsreise ihrer Zeit in den Himalaya auf. Mit dabei: ein zwölfjähriger Junge, der einen erstaunlichen Plan verfolgt. Am 21. Oktober stellt der Autor Christopher Kloeble seinen Roman "Das Museum der Welt" in Bad Nauheim vor. Die WZ sprach mit ihm.

In "Das Museum der Welt" widmen Sie sich den deutschen Brüdern Schlagintweit, die 1854 auf Expedition durch Indien und den Himalaya reisen. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Die Inspiration zu diesem Buch kam von meiner Schwiegermutter, der Kunsthistorikerin Dr. Jutta Jain-Neubauer, die sich in ihren Forschungen u. a. mit deutschen Reisenden in Südasien beschäftigt und mich mit ihrem Fachwissen sehr unterstützt hat.

Indien ist Ihr Thema. Ihre Frau kommt aus Indien und sie beide pendeln zwischen Berlin und Neu-Dehli. Wie klappt das? Gerade auch in den aktuellen Zeiten?

Das klappt eigentlich ganz gut. Natürlich können wir derzeit leider nicht reisen. Aber für mich ist das Leben in zwei Welten ungemein bereichernd. Ich lerne dabei nicht nur viel über Indien, sondern vor allem viel über Deutschland und die Deutschen. Die Distanz zur Heimat lässt mich einiges kritischer sehen, aber auch mehr schätzen.

Was fasziniert Sie an Indien am meisten?

Ich hatte eigentlich nie ein großes Interesse an Indien. Inzwischen ist es zu meiner zweiten Heimat geworden. Es fällt mir schwer, eine Sache herauszupicken, die mich am meisten fasziniert. Wenn ich aber etwas hervorheben müsste, dann wäre das sicherlich die Gastfreundlichkeit. Mir wurde nie das Gefühl gegeben, ich sei ein Fremder. In Indien wurde ich sicherlich wärmer empfangen als meine Frau in Deutschland.

Man merkt das in Ihrem neuen Buch "Das Museum der Welt": Viele indische Begriffe und regionale Schilderungen. War Ihnen das wichtig?

Absolut. Es geht hier ja darum, eine neue Perspektive auf europäische Forscherreisen einzunehmen. Der indische Protagonist, der uns die Geschichte erzählt, führt uns mit seinem Wissen und seinem Wortschatz durch seine Welt.

Die Geschichte dreht sich um den Waisenjungen Bartholomäus, der die Handlung erzählt. Die Figur ist fiktiv, der Rest authentisch?

Genau! Ich habe lange, lange recherchiert. Sehr hilfreich waren die Veröffentlichungen der Schlagintweits, vor allem sämtliche Bände von Reisen in Indien und Hochasien. Tausende Seiten, aus denen hervorgeht, wie die Brüder die Reise damals wahrgenommen haben. Mindestens ebenso nützlich war mir mein Leben in Indien. Außerdem habe ich diverse Recherchereisen unternommen, u. a. nach Mumbai (Bombay), Pune, Chennai (Madras), Kolkata (Calcutta), Zentralindien, nach Usbekistan, London und selbstverständlich auch zum Alten Südlichen Friedhof in München, wo sich das Familiengrab der Schlagintweits befindet.

Gab es Begleiter wie Bartholomäus wirklich?

In jedem Fall. Die Schlagintweits benötigten sehr viele Übersetzer. Die Expedition erstreckte sich ja über drei Jahre und einen Kontinent, auf dem Dutzende teils sehr unterschiedliche Sprachen gesprochen werden.

Eigentlich wollten Sie schon im März in Bad Nauheim lesen. Jetzt klappt es endlich. Wie haben Sie die vergangenen Monate erlebt?

Das war ein Graus. Ich habe mir fest vorgenommen, keine Bücher mehr in einer Pandemie zu veröffentlichen.

Wird Indien weiter Thema in Ihrer Literatur bleiben?

Wer weiß. Im nächsten Buch eher nicht. Es gibt noch so viele andere Geschichten, die ich erzählen möchte.

Woran arbeiten Sie derzeit?

Das verrate ich nicht einmal meiner Frau.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare