Staatsanwalt ermittelt

Weitere Betrugsfälle in Gießener Testcenter?

Nach dem Betrugsverdacht rund um ein Gießener Corona-Testcenter ermittelt die Staatsanwaltschaft nun in 200 Verdachtsfällen. Auch der Schaden scheint größer als anfangs angenommen.

Gießen (chh). 16 Corona-Testcenter gibt es in der Stadt. Eines davon ist Anfang der Woche in Verruf geraten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Mitarbeiter sowie gegen den Betreiber des Testzentrums in der Kongresshalle wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betruges. Den 41 und 48 Jahre alten Männern wird vorgeworfen, (negative) gefälschte PCR-Testergebnisse übersandt und pro Test zu Unrecht 79,90 Euro verlangt zu haben. Anfang der Woche ging die Staatsanwaltschaft noch von 177 Verdachtsfällen und einem Schaden von 14 160 Euro aus. Auf Anfrage dieser Zeitung bestätigt nun Staatsanwalt Thomas Hauburger, dass weitere Verdachtsfälle hinzugekommen sind.

»Wir gehen inzwischen von 200 Fällen und einem Schaden von 16 000 Euro aus.« Zudem wurden die Straftatbestände erweitert. Neben gewerbsmäßigen Betrug wird nun auch wegen des Verdachts der Urkundenfälschung sowie der Fälschung beweiserheblicher Daten, was zum Beispiel die Manipulation digitaler Nachrichten umfasst. Bei Durchsuchungen hatten die Ermittler nicht nur Bargeld und Speichermedien gesichert, sondern auch einen augenscheinlich gefälschten Laborbericht.

Der Mitarbeiter hat das Versenden gefälschter Berichte gestanden. Ob der Betreiber beteiligt war, ist Gegenstand der Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft verweist auf die Unschuldsvermutung.

Wie die anderen Testcenter in der Stadt ist auch jenes in der Kongresshalle vom Landkreis genehmigt worden. Wie es mit der Einrichtung, die trotz der Ermittlungen geöffnet hat, weitergeht, ist unklar. Laut Landkreis-Sprecher Dirk Wingender soll der weitere Ermittlungsverlauf abgewartet werden. »Parallel haben wir beim Betreiber im Rahmen einer Anhörung eine Reihe von Informationen zum Ablauf der Testungen angefordert.«

Gleichzeitig betont Wingender, dass die Gesundheitsämter keine rechtliche Grundlage zur Kontrolle der Abrechnungen haben. Diese laden die Testcenter-Betreiber auf ein Portal der kassenärztlichen Vereinigung (KV). Durch diese Stelle erhalten sie auch ihr Geld. Über besagten Weg ist es in den vergangenen Wochen in Deutschland mehrfach zu Betrügereien gekommen.

Der Betreiber des Testcenters in der Kongresshalle hat offenbar noch keine Abrechnungen bei der KV eingereicht. Ein Sprecher betonte gegenüber dieser Zeitung, wegen der Ermittlungen aktuell ohnehin kein Geld an den Mann auszahlen zu wollen.

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