Was macht ein Arzt mit einem "braunen Daumen" im Garten? Lesen, schreiben und mit Hummeln reden, ist eine Alternative. Der "tief begabte" Familienhund Hasso hat vermutlich den Fototermin verschlafen. FOTO: MELANIE SCHOL/BILDERSTUBE
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Was macht ein Arzt mit einem "braunen Daumen" im Garten? Lesen, schreiben und mit Hummeln reden, ist eine Alternative. Der "tief begabte" Familienhund Hasso hat vermutlich den Fototermin verschlafen. FOTO: MELANIE SCHOL/BILDERSTUBE

Die Weisheiten einer Hummel

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Was macht ein Arzt, wenn er gerade niemanden verarztet? Er bearbeitet den Garten. Und wenn er einen "braunen" Daumen hat? Dann unterhält er sich mit einer Hummel über Gott und die Welt und schreibt darüber ein lustiges Buch.

Ob ihm die Arbeit in der Neurologie nicht manchmal auf de Nerven geht, verrät der Autor in seinem Buch nicht. Naheliegend wäre das ja, doch das Phänomen ist auf keine Berufsgruppe beschränkt. Corona nervt alle. Da tut Trost ganz gut, und den "verschreibt" Prof. Dr. med. Tibo Gerriets, Chefarzt der Abteilung für Neurologie/Stroke Unit im Bürgerhospital Friedberg und Betreiber einer Praxis in Bad Nauheim, allen seinen "Lese-Patienten".

"Die Hummel im Garten - Tröstliche Kurzgeschichten" hat Gerriets sein Büchlein genannt. In seiner Freizeit betätigt er sich gerne als "talentarmer Hobbygärtner". Unkraut jäten? Glaubt man den Geschichten, dann nimmt sich der Autor bei der Gartenarbeit eher den eigenen "tief begabten" Hund als Vorbild. Über Hasso erfahren wir: "Er bewegt sich mal hierhin, mal dorthin, stupst immer wieder mit mäßigem Interesse den Zaun oder einen Blumenkübel an, dreht dann um, ändert Kurs und Meinung und erweckt heute nicht den Eindruck übermäßiger Zielstrebigkeit". Und dann ist da plötzlich diese Hummel. Unfassbar dick, albern plüschig, viel zu kleine Flügel, sie müsste "eigentlich fluguntauglich" sein, entpuppt sich zur Verwunderung des Erzählers aber als eloquente Gesprächspartnerin. Den Lesern öffnen sich dabei neue Horizonte.

Das haben uns Hummeln voraus

Beispielsweise bei der Frage nach Leben und Tod. Bis auf die Königin sterben alle Hummeln im September; Menschen wissen nicht, wann sie sterben und wie alt sie werden. "›Das ist ja blöd!‹, sagt die Hummel und schüttelt den Kopf, ›kannste ja nix planen.‹" Man lernt die "anarchistische Monarchie" der Hummeln ebenso kennen wie die "Schutzgelderpressung im Garten" durch einen Schwarm Wespen, den die Hummel aber vertreibt: "Ich bin Pazifist, aber ich mache Ausnahmen."

Die Geschichten sind mal nur eine Seite lang, mal anderthalb oder zwei, wir lernen jede Menge Gartenbewohner kennen und folgen am Ende jener positiven Grundstimmung, mit der sich die Hummel munter durchs Leben hummelt: "Du weißt schon", sagt sie zu ihrem menschlichen Gesprächspartner, "dass der Clown die wichtigste Mahlzeit des Tages ist?"

"In Zeiten der Pandemie brauchen Menschen ein wenig Trost und Aufmunterung. So sind die lustigen Kurzgeschichten entstanden, die ich in der ersten Pandemiewelle unregelmäßig auf Facebook gepostet und jetzt als Büchlein herausgebracht habe", erzählt Gerriets. Seine Kurzgeschichten sind witzig im altehrwürdigen Sinne: Lustig und zugleich klug, voller Lebensweisheiten und trotzdem mit leichter Hand in einer schönen, ausgewogenen Sprache zu Papier gebracht. Wer einem lieben Menschen zu Weihnachten eine kleine Freude machen will, wird hier bestens bedient und erfährt außerdem, wie es dazu kam, dass Donald Trumps Twitter-Account gelöscht wurde. Sie ahnen es: Es war die Hummel im Garten von Tibo Gerriets.

Tibo Gerriets: Die Hummel in meinem Garten. Eigenverlag. Mit Illustrationen von Denise Schwalb: 64 Seiten, 7,99 Euro.

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