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  • vonred Redaktion
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Einen Stiefel oder einen Schuh vor die Tür stellen? Das ist für viele heute Abend Brauch. Es ist Nikolaustag. Die Jugendlichen in der Justizvollzugsanstalt Rockenberg warten schon auf eine Nikolaustasche. Denn ein Säckchen mit einem Schokoladennikolaus, einer Packung Lebkuchen, einem Briefpapierblock mit Stift, einem Taschenkalender und einer Weihnachtskarte bekommt man im Gefängnis nicht alle Tage geschenkt - nur am Nikolaustag. Der ist schon etwas Besonderes - wie eben auch Nikolaus, Bischof von Myra im dritten Jahrhundert nach Christus.

Für besonders halte ich auch die wunderbar geheimnisvolle Geschichte, in der Nikolaus zur Zeit des Kaisers Konstantin unschuldig zum Tode verurteilte Menschen rettet. Hier diese Geschichte in Kurzfassung: Drei Feldherren samt Soldaten sollen im Auftrag des Kaisers für Ruhe und Frieden im Land sorgen. Sie tun aber das Gegenteil, plündern und belästigen die Bevölkerung. Doch Nikolaus bewegt sie alle zum Frieden. Zurück in seiner Stadt Myra rettet Nikolaus drei Bürger vor dem sicheren Tod. Den Statthalter bewegt er zudem, nach Recht zu handeln. Die drei Feldherren bekommen das mit. Später kehren sie zurück zu ihrem Kaiser. Der lässt sie allerdings ins Gefängnis werfen, aus Neid werden sie als Verräter schuldig gesprochen.

Im Gefängnis erinnern sich die drei an Nikolaus und bitten im Gebet um Hilfe und Schutz. Im Traum begegnet Nikolaus dem Kaiser Konstantin, der seinen Fehler erkennt. Nicht nur die gefangenen Feldherren lässt der Kaiser frei. Er schickt Nikolaus Geschenke, verbunden mit der Bitte um Gebet für Frieden im Land und unter den Menschen. So wurde Nikolaus auch Schutzpatron der Gefangenen.

Menschen sehen in Nikolaus ein Vorbild für ihr eigenes Leben. Menschen finden bei ihm und in der Beschäftigung mit ihm Trost, Hoffnung und Zuversicht auf Leben in Freiheit. Darauf warten auch die Jugendlichen im Gefängnis, nicht nur auf die Nikolaustaschen. Darauf warten heute viele - auf Trost, Hoffnung und auf ein Leben in Freiheit. Starke Wünsche und Geschenke. Auch für mich.

Reiner Brandbeck

Pastoralreferent und

Gefängnisseelsorger

in der JVA Rockenberg.

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