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Günter Simon liest sehr gerne. Doch er beklagt, dass immer weniger junge Menschen zum gedruckten Buch greifen würden.

"Es waren bereichernde Jahre"

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Er hielt seine eigene Bildung für "löchrigen Schweizer Käse". Das sagt Günter Simon. 45 Jahre lang war er Vorsitzender des Bad Nauheimer Kulturforums. Dieser Tage wurde er feierlich verabschiedet. Ein Gespräch über sein vielseitiges Engagement, das Leben und die Zukunft.

Herr Simon, vor über 40 Jahren haben Sie die Leitung des Kulturforums Bad Nauheim übernommen. Nun sind Sie als Vorsitzender verabschiedet worden. Wie kam es zur Gründung des Kulturforums?

Günter Simon:Im Jahr 1950 wurde die Volkshochschule Bad Nauheim ins Leben gerufen. 1979 übernahm ich deren Leitung. Nach Gründung der Kreisvolkshochschule mit Sitz in Friedberg im Jahr 2004 verschwand unsere Bad Nauheimer Volkshochschule nicht einfach von der Bildfläche, sondern wird seitdem unter dem Namen Kulturforum Bad Nauheim", das heißt als Verein, weitergeführt. Standen in den ersten Jahren noch Sprachkurse und ähnliches auf unserem Programm, entwickelte sich der heute etwa 120 Mitglieder zählende Verein allmählich zum Forum für Vorträge überwiegend aus den Bereichen Geschichte, Politik, Literatur, Kunst. Aber auch populärwissenschaftliche Vorträge über geografisch-naturwissenschaftliche Themen - wie beispielsweise Astronomie oder Biologie - sind Teil des jährlichen Programms.

Was gibt es außerdem?

Simon:Ebenso wichtig ist das zweite "Standbein" des Kulturforums: die seit vielen Jahren angebotenen selbstorganisierten jährlichen zwei bis drei Studienreisen in zahlreiche, vorwiegend europäische Länder. Auch Nichtmitglieder nehmen rege daran Teil. Meine Frau und ich haben an vielen dieser Fahrten teilgenommen und sie alle in bester Erinnerung behalten.

Waren Sie mit der Unterstützung des "Kulturforums" durch die Stadt Bad Nauheim in all den Jahren zufrieden?

Simon:Ja. Es gab und gibt jährliche Zuschüsse. Räumlichkeiten - zunächst in der Trinkkuranlage, mittlerweile im Erika-Pitzer-Begegnungszentrum - wurden und werden kostenlos zur Verfügung gestellt. Ein Hineinreden in unsere Tätigkeit hat es nie gegeben.

Waren Sie in Ihrer 45-jährigen Leitungstätigkeit mit dem Arbeitsklima im Forum zufrieden?

Simon:Ja. Nicht nur im vierköpfigen Vorstand herrschte immer ein kollegiales Verhältnis. Größere Streitigkeiten irgendwelcher Art hat es nicht gegeben. Es waren menschlich und wissensmäßig bereichernde Jahre, die ich nicht missen möchte.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für Ihren Nachfolger Dieter Heßler und das Kulturforum in den nächsten Jahren?

Simon:Es ist - das betrifft ja fast alle Vereine - vor allem die geringer werdende Resonanz auf unser Programm bei der "jüngeren" Generation, das heißt, den unter 50 bis 60-Jährigen. Dem entspricht die Überalterung und geringer werdende Zahl der Mitglieder.

Wie schätzen Sie den schier unaufhaltsamen Vormarsch der Digitalisierung im weitesten Sinn ein?

Simon:Er ist wohl die Hauptursache dessen, dass immer weniger, nicht nur junge Menschen, immer seltener zum gedruckten Buch greifen - und nicht zuletzt damit auch schwerer erreichbar für Vorträge im Rahmen des Kulturforums sind.

Abschließend eine persönliche Frage: Was haben Sie in Ihrem "Ruhestand" vor?

Simon:Ich werde auch weiterhin in der Gesellschaft Christlich-Jüdische Zusammenarbeit" tätig sein. Am 21. August halte ich im Buber-Rosenzweig-Haus einen Vortrag über den jüdischen Religionsphilosophen Franz Rosenzweig. Ebenso wird meine Mitarbeit im Kammermusikverein und der Geschichts-AG weiterlaufen.

Und privat?

Simon:Über all dem dürfen das Private und die Pflege der Gesundheit nicht zu kurz kommen. Dass ich mich auf keinen Fall langweilen werde, steht jedenfalls fest.

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