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Hund Samy ist ein Labradoodle, ein sogenannter Designerhund, deren Rasse den Trend begründet haben soll. Labradoodle sind dafür bekannt, mit ihrer gelassenen, freundlichen Art das Beste der Elternrassen zu präsentieren, so auch Samy.

Vom Mischling zum Designerhund

Anders als bei Mischlingen werden bei Designerhunden zwei Rassen bewusst gekreuzt, um bestimmte Merkmale weiterzuvererben. Doch wie kam es zu dem Trend, und lässt sich die Vererbung steuern? Tierärztin Cornelia Renzces klärt auf.

Designerklamotten oder Handtaschen sind uns allen schon mal untergekommen - aber Designerhunde? Um einen Designerhund zu kreieren, werden gezielt zwei Hunde unterschiedlicher Rassen gekreuzt. Der Name des entstandenen Tieres deutet auf seine Abstammung hin.

Ursprünglich stammt dieser Trend aus dem fernen Australien: Der Hundezüchter Walter Cornon habe einen Hund züchten wollen, der sich als Blindenführhund für eine hundehaarallergische sehbehinderte Dame eignen sollte. Deshalb habe er einen Labrador Retriever mit einem Pudel gekreuzt, um das Temperament des ersteren mit dem nichthaarenden Fell des Pudels zu kombinieren. Das war die Geburtsstunde des Labradoodle. Ohne es vorauszuahnen, hat Cornon damit einen weltweiten Trend ausgelöst.

Rassenkreuzung als Tradition

Die Kreuzung zweier Haustierrassen hat in der Tier- und Pflanzenzucht eine lange Tradition. Sie bringt oft besonders leistungsfähige Nachkommen in der ersten Kreuzungsgeneration hervor. Dies nennt man den »Heterosiseffekt«, der sich bei fortgesetzten Kreuzungen aber verlieren kann. Die Iren haben sich dies schon seit dem 18. Jahrhundert zunutze gemacht: Sie haben mit ihren robusten Mutterstuten in Kombination mit englischen Vollbluthengsten die besten Jagdpferde der Welt geschaffen, die berühmten »Irish Hunter«.

In der Hundezucht ging es vergleichsweise eher konventionell zu - mit Rassehunden auf der einen und den Mischlingen auf der anderen Seite. Im Prinzip ist auch der Designerhund eigentlich ein Mischling, wenn auch die Kreuzung bewusst erzeugt wurde.

Immer schon wurde den Mischlingen, auch Bastard und im Münchner Raum auch »Stiangglandarass« genannt, - nach dem Ort der Zeugung, dem Treppenhaus, benannt - besondere Eigenschaften wie bessere Gesundheit oder das Erreichen eines höheren Lebensalters nachgesagt. Das kann durchaus oft stimmen, da Kreuzungstiere einen weiten Genpool haben, weil von beiden Eltern ganz unterschiedliches Erbgut beigesteuert wird. Rassehunde hingegen haben oft miteinander verwandte Ahnen und sind mitunter stark ingezüchtet, also durch Inzucht vermehrt, was der Vitalität eher abträglich ist.

Was liegt also näher, als mit einer gezielten Kreuzung zweier Rassen Hunde zu züchten, um idealerweise das Beste aus beiden zu erhalten? Wie zum Beispiel beim Labradoodle, dem Wegbereiter vieler anderer Designerhunde. Es gibt ihn in verschiedenen Farben und Größen, mit sehr unterschiedlichen Haararten von kurz bis lockig und lang. Idealerweise hat er auch charakterlich nur jeweils die besten Eigenschaften seiner Ahnen, aber wie das mit Idealen so ist, sie werden in der Realität selten erreicht. So kenne ich viele Labradoodle, die die Agilität und Intelligenz des Pudels kombiniert mit der ein wenig rumpeligen und eher weniger differenzierten Art des Labradors aufweisen und so in der Auslastung oft weit anstrengender sind als ihre reingezogenen Vorfahren. Selbst das angeblich so hypoallergene Fell ist nicht immer vorhanden, zumal neue Forschungsergebnisse diese hübsche Theorie eher weniger stützen.

Süßer als ein Steiff-Stofftier

Immerhin ist die Auswahl an Designerhunden riesig, so der Goldendoodle aus Golden Retriever und Pudel, der als Welpe jedes Steifftier an Niedlichkeit um Längen schlägt, oder der Cockapoo aus Cocker und Pudel, vorgeblich ein absoluter Anfängerhund, dafür in Wahrheit aber oft mit viel Temperament und Reaktionsvermögen eine echte Herausforderung.

Leider läuft Vererbung nämlich nicht so linear und berechenbar, wie werbeähnliche Anpreisungen der entsprechenden Hundebabys oft vorgaukeln. Wenn dann auch noch nicht nur ein oder zwei Würfe pro Jahr in einer Zuchtstätte fallen, sondern viele, würde ich von so einer kommerziellen Vermarktung von Designer- oder Rassehunden eher Abstand nehmen. Und wie auch sonst im Leben sollte der Leitspruch unbedingt sein »Drum prüfe wer sich ewig bindet…«!

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