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Maximilian Burk (M.) betreute 42 Jahre lang das Naturschutzgebiet "Magertriften", Weggefährten würdigen seine Leistung.

Wo die Vielfalt lebt

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Die Magertriften von Ober-Mörlen und Ostheim sind ein Naturschutzgebiet von europäischem Rang. Zum Tier- und Pflanzenreichtum gehören viele stark gefährdete Arten. Maximilian Burk kennt jede Einzelheit. Über 42 Jahre hat er fast jede freie Minute mit den Magertriften verbracht. Jetzt will der Schutzgebietsbetreuer kürzertreten.

Es ist ein Frühlingstag wie aus dem Bilderbuch. Betörend frischer Duft liegt in der Luft, der Fauerbach glänzt im Sonnenlicht, und ganz leise hört man weidende Schafe. Wo sich sonst in der Fauerbachaue allenfalls Fuchs und Hase gute Nacht sagen, stehen heute Leute im großen Rund, aus gutem Grund. Sie alle sind dem Naturschutz und der Landschaftspflege verbunden, und sie wollen einem von ihnen Danke sagen. Nach 42 Jahren gibt Maximilian Burk (80) seinen Posten als ehrenamtlicher Betreuer des Naturschutzgebiets Magertriften von Ober-Mörlen und Ostheim auf.

"Es ist dein Verdienst, dass es das Naturschutzgebiet gibt", bringt es Hans-Josef Rauch von der NABU-Ortsgruppe auf den Punkt. Seit 1978 habe Max Burk zielstrebig daran gearbeitet, dass das Areal Schutzgebiet wird. Enormes zeitliches Engagement, Fachwissen und Beharrlichkeit zeichneten den Weggefährten aus. Besonderer Dank gelte auch Burks Frau Helen für die Unterstützung.

Was vor 42 Jahren mit der Datenerfassung und einem Konzept für ein zukünftiges Naturschutzgebiet begann, kam im Oktober 1986 mit der einstweiligen Sicherstellung durch die Obere Naturschutzbehörde auf feste Füße. Offizieller Schutzgebietsbetreuer im Auftrag des RP wurde Burk im Dezember 1992. Die vielfältigen Aufgaben seien Burk immer eine Herzensangelegenheit gewesen, attestierte Rauch dem Weggefährten.

Zu den Aufgaben gehörten die jährliche Pflegeplanung und Koordinierung der Pflegearbeiten nebst Einweisung der Landschaftspfleger einschließlich Beweidung durch Schafe. In Burks Zeit fiel neben der Optimierung von Biotopstrukturen auch die Renaturierung des Fauerbachs nebst Teich und Aue von 1994 bis 2009.

Biber, Baumfalke, Reiher und Reh

Bei ungezählten Wanderungen habe Burk Besucher für die Artenvielfalt im Naturschutzgebiet begeistert. Dank der systematischen Erfassung von zoologischen Arten konnten in den Magertriften rund 70 Vogelarten gezählt werden, darunter Graureiher, Mäusebussard, Baumfalke, Rebhuhn, Eisvogel, Mönchgrasmücke, Fitis und allein fünf Spechtarten. Über 40 Säugetierarten wurden registriert, neben Dachs, Reh, Feldhase und Kleinsäugern auch der Biber. Allein 45 Tagfalter-Arten entdeckten Burk und der Usinger Insektenforscher Dr. Ralf Klinger sowie über 420 Arten Nachtfalter. "Die Kartierung läuft noch", erinnerte Burk an das Großprojekt seit 2008.

Unter den botanischen Arten können in den Magertriften etwa 300 höhere Pflanzenarten (Korbpflanzen) beobachtet werden. Besondere Augenweide und deutschlandweit vom Aussterben bedroht ist die Magerrasenorchidee Herbstwendelähre. Besonderer Liebling und weithin sichtbarer "Wächter der Weinstraße" ist der "Dicke Wilhelm", ein etwa 125 Jahre alter Speierling.

Burk dankte seinen Weggefährten vom NABU Ober-Mörlen, außerdem den an der Pflege seit Langem beteiligten Firmen Berthold Antony, Jürgen Burk, Sascha Schimpf und Wilhelm Weißelberg sowie den Behörden für die fantastische Zusammenarbeit. "Man sieht das Schutzgebiet mittlerweile mit Burks Augen", lobten Vater Antony und Sohn Markus nach 20 Jahren Landschaftspflege in den Magertriften. Im Namen der Oberen Naturschutzbehörde dankte Jochen Heuser für Burks außergewöhnliche Arbeit.

Walter Schmidt vom Forstamt Nidda, das sich im Auftrag des Regierungspräsidiums um das Naturschutzgebiet kümmert, hob die einzigartige Einsatzbereitschaft des Gebietsbetreuers hervor. Auf Burk habe er sich absolut verlassen können. Er wisse, dass die Mannschaft vor Ort zuverlässig weitermache. Ein Nachfolger für Burk werde indes schwer zu finden sein. Er hoffe auf einen Betreuer aus Ober-Mörlen, wünschte sich Burk und kündigte an, weiterhin als öffentlicher Botschafter für den Vogelschutz, als Vorstandsmitglied in der NABU-Ortsgruppe und bei Kartierungen aktiv zu sein.

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