Große Vorfreude auf die Wiedereröffnung: Besitzerin Christa Englert und ihr Betriebsleiter Udo Neudecker in einem der fünf Kinosäle des Luxor-Filmpalastes. FOTOS: JÜRGEN W. NIEHOFF
+
Große Vorfreude auf die Wiedereröffnung: Besitzerin Christa Englert und ihr Betriebsleiter Udo Neudecker in einem der fünf Kinosäle des Luxor-Filmpalastes. FOTOS: JÜRGEN W. NIEHOFF

INFO

Viel Platz im Kinosaal

  • vonJürgen W. Niehoff
    schließen

Nidderau(jwn). Fast ein halbes Jahr waren die Türen des Luxor-Filmpalasts wegen Corona verschlossen. Jetzt sind sie wieder geöffnet - und die Verantwortlichen suchen sogar neue Mitarbeiter.

"Es war eine verdammt lange Zeit, doch aufgeben gibt es nicht", sagt Christa Englert, Mitinhaberin der Englert-Kino-Gesellschaft, die fünf Kinos im Umkreis betreibt. In Nidderau sind es fünf Säle mit insgesamt 820 Sitzplätzen. Für einen kleineren Teil der Belegschaft hat sie schon kurz nach der Schließung aller Kinos aufgrund der behördlichen Anordnung am 15. März Kurzarbeit angeordnet. Den größeren Teil ihres Teams, meist Studenten oder Aushilfskräfte, musste sie hingegen entlassen.

Vor Kurzem wurden die Beschränkungen gelockert und auch Kinos können ihren Betrieb wieder aufnehmen, wenn auch nur in begrenztem Maße. "Zunächst mussten wir erst einmal alle Kinos wieder auf Vordermann bringen", berichtet Betriebsleiter Udo Neudecker. Und weil keiner wusste, wie lange die Schließung andauern würde - ob Tage, Wochen oder Monate -, war nach der letzten Vorführung damals einfach alles stehen und liegen geblieben.

Zehn Mitarbeiter dringend gesucht

Diese Spuren von damals gilt es nun zu beseitigen. "Das ist einer der Gründe, warum wir nicht sofort nach der Freigabe wieder aufgemacht haben. Der schwerwiegendere Grund ist vielmehr der, dass die Filmverleiher nicht sofort zugkräftige Filme ausgeliehen haben. Die haben die Blockbuster einfach zurückgehalten", meint Neudecker.

Die Wiedereröffnung durfte nur unter strengen Auflagen erfolgen. So gilt auch im Kino ein Abstand von 1,50 Metern. Jede zweite Reihe und jeder zweite Sitzplatz fällt damit weg. Im Gebäude selber gilt Maskenpflicht; alle Kinobesucher müssen ihren Namen und ihre Telefonnummer an der Ticketkasse angeben. Beim Sitzen im Saal kann der Mund-Nasen-Schutz dann allerdings abgelegt werden. "Mit diesen Auflagen ist lediglich eine maximale Auslastung unserer Kinosäle von 40 Prozent möglich", rechnet Neudecker vor. Ob das noch rentabel sei, werde sich zeigen. Zumal bis zum vergangenen Donnerstag, an dem der zugkräftige Film "Tenet" von Starregisseur Christopher Nolan startete, von den Filmverleihern nur Repertoir- und Kinderfilme angeboten worden seien. Mit denen sei selbst diese minimale Belegungsquote nicht zu erreichen gewesen. Deshalb wurde der Start in den Englert-Luxor-Kinos verschoben. "Wir haben jeden Cent zweimal umgedreht und über jede Ausgabe dreimal nachgedacht", verrät Christa Englert.

Die Kinos befinden sich alle im Eigentum ihrer Firma, deshalb waren auch keine Gespräche über Mietaufschub möglich. Auch die dreimonatige Corona-Soforthilfe vom Staat sei nicht in Anspruch genommen worden. "Wir gehören in eine Kategorie, die in diesem Fall durch das Hilfsraster gefallen wäre. Wir sind nicht mehr klein genug, aber auch noch nicht groß genug, um Anspruch auf die Soforthilfe geltend zu machen", berichtet Englert. Die fast sechs Monate mussten deshalb mit eigenen Mitteln durchstanden werden.

Doch Zeit für Bedauern bleibt weder Englert noch Neudecker. Vor der ersten Vorstellung werden alle Hände benötigt. "Wir beginnen erst einmal mit den Kinderfilmen ›Meine Freundin Conny‹ und ›Die Boonies‹. Da kommen nur paar Kiddies mit ihren Müttern und wir haben noch etwas mehr Zeit mit dem Saubermachen und Aufräumen", verrät Neudecker. Denn noch ist die Mannschaft nicht komplett. Üblicherweise arbeiten im Nidderauer Kino bis zu 20 Mitarbeiter, die meisten in Teilzeitbeschäftigung. Neudecker sucht nun dringend einen fest angestellten Techniker und zehn Teilzeitkräfte. Interessenten könnten sich an der Kinokasse melden.

Mit Kauf der Karten im Netz oder an der Ticketkasse verpflichten sich Besucher beim Besuch ihren Namen sowie die Rufnummer zum Zwecke der Rückverfolgung der Infektionskette anzugeben. Diese Daten werden automatisch nach vier Wochen vernichtet. Im Gebäude gilt Maskenpflicht. Nach der Vorstellung werden die Gäste über den Seiten-/Notausgang hinausgebeten.

Die Bezahlung an den Kassen ist per EC-, Visa- oder Master-Card sowie mit Bargeld möglich. Die bargeldlose Zahlung wird aufgrund der Hygienemaßnahmen bevorzugt. jwn

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare