Treffen am Elvis-Klavier (v. l.): Beatrix van Ooyen, Thomas Dröscher, Holger Becker und Wolfgang Michael Weiß.	FOTO: IHM
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Treffen am Elvis-Klavier (v. l.): Beatrix van Ooyen, Thomas Dröscher, Holger Becker und Wolfgang Michael Weiß. FOTO: IHM

Verliebt in Elvis’ Musik

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Ein Beweisfoto gibt es zwar nicht, aber es ist zu vermuten, dass Elvis durchaus am Steinway- Klavier gespielt hat, das im Bistro der Villa Grunewald in Bad Nauheim steht. 1958/59 lebte der King hier einige Monate. Das Klavier steht heute noch und ist Anlass für eine besondere musikalische Kooperation anlässlich der Ernst-Ludwig-Buchmesse.

Als hättest du Elvis im Blut«, lobt Beatrix van Ooyen, als die letzten Töne verklungen sind. Bassbariton Wolfgang Michael Weiß hat soeben »Can’t help falling in love« am Steinway-Klavier dargeboten, das im Bistro der Villa Grunewald in Bad Nauheim steht. Als Elvis 1958/59 für einige Monate in dem Hotel lebte, dürfte auch er ab und zu auf dem Instrument gespielt haben. »Es gibt kein Foto von ihm an diesem Klavier, aber es steht schon lange hier im Haus. Das konnte die Firma Steinway nachvollziehen«, schildert Gastgeber Thomas Dröscher.

Anhand der Konstruktionsnummer ließ sich eine Lieferzeit an die Villa Grunewald im Jahr 1908 ermitteln. Dass Elvis, der gern Klavier spielte, dies auch an diesem Ort getan hat, ist somit zu vermuten.

Sie wären ein gutes Team gewesen

Anlass des Treffens in dem denkmalgeschützten Gebäude ist die Zusammenführung des Musikers Weiß mit Holger Becker, dem Inhaber des Musikhauses Ortel in Friedberg. Denn beide unterstützen die Ernst-Ludwig-Buchmesse, die für Samstag, 4. April, und für Sonntag, 5. April, im Historischen Kerckhoff-Institut in Bad Nauheim geplant ist. Und da nach Ansicht der Veranstalterin Ernst Ludwig und der King ein ebenso gutes Team abgegeben hätten, kam van Ooyen auf die Idee der Begegnung am »Elvis-Klavier«.

Aufgabe von Becker ist dabei, das Instrument zu stimmen. Dazu hat er die Mechanik herausgenommen und inspiziert, ob die Gussplatte intakt ist. »Wäre sie gerissen, wäre es ein Totalschaden, aber das ist bei diesem Klavier nicht der Fall. Es ist okay, der Zustand ist für das Alter gut«, konstatiert der 48-Jährige.

Für die Buchmesse stellt der Klavier- und Cembalobauer kostenfrei einen Feurich-Flügel aus Wien zur Verfügung. »An so etwas fehlt es oft«, ist seine Erfahrung. Seien bei Veranstaltungen gute Pianisten da, aber kein adäquates Instrument, sei dies ärgerlich für alle Beteiligten. »Wenn man dann einen schönen Flügel hinstellt, inspiriert das und macht Spaß.« Außerdem wertschätze er die viele Arbeit, die van Ooyen mit der Buchmesse hat. Weiß sieht das ähnlich. »Bea ist die Veranstalterin und nimmt alles auf ihre Kappe, das ist eine Riesenverantwortung«, sagt der 56-Jährige. Er stellt bei der Messe gemeinsam mit dem »Marburger Zentrum« aus, zum anderen begleitet er ehrenamtlich drei Abendveranstaltungen der Messe. Vor dem Vortrag über den Jugendstil von Nikolaus Heiss bringt er sogar Kompositionen des Großherzogs zu Gehör. Van Ooyen erzählt: »Bei der Geburtstagsausstellung für Ernst Ludwig habe ich Anfang letzten Jahres diese Stücke kennengelernt. Ich habe mich gleich in die Musik verliebt.« Das Stadtarchiv Darmstadt scannte ihr auf Anfrage ein Originalbuch ein und stellte die Notenblätter zur Verfügung.

Eine Unart mancher Fans

Nun bietet Weiß noch ein Rock’n’Roll-Stück auf der original Elfenbein-Klaviatur dar, derweil die Zuhörer genießerisch mitwippen. Nicht immer allerdings ist es ein solcher Ohrenschmaus, wenn jemand an dem Instrument Platz nimmt. Gastgeber Dröscher kann ein Lied davon singen: »So sehr ich die Elvis-Fans liebe - aber es ist eine Unart, wenn Leute das Klavier einfach aufklappen, um zu spielen.« Denn oft könne von Spielen nicht die Rede sein, »die kloppen drauf rum, und das ist dann unschön«. In solchen Fällen schreitet der 53-Jährige ein. Wenn vorher allerdings gefragt und die Kunst beherrscht wird, sei es etwas anderes.

Man hört es deutlich - stark verstimmt ist das Klavier nicht. »Es ist kein großer Aufwand«, sagt Becker, als Weiß das Konzert beendet hat. Zwei bis drei Saiten pro Taste muss er stimmen, 88 Tasten hat die Klaviatur. »Es ist ein ganz normaler Stimmvorgang - wie bei einem modernen Instrument.«

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