Der Pausentreff war eine der ersten von Anette Kehrbaum angestoßenen Maßnahmen im Rahmen der Schulsozialarbeit im Altbau der Kurt-Schumacher-Schule. 	FOTOS: PE/JSL
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Der Pausentreff war eine der ersten von Anette Kehrbaum angestoßenen Maßnahmen im Rahmen der Schulsozialarbeit im Altbau der Kurt-Schumacher-Schule. FOTOS: PE/JSL

Urgestein der Sozialarbeit weg

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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In das Team der Karbener Schulsozialarbeit ist mächtig Bewegung gekommen. Denn die Zahl der Stellen wurde aufgestockt, weil die Sozialarbeit von der Kurt-Schumacher- auf die benachbarte Pestalozzischule ausgeweitet wurde. Doch ein eingespieltes Team ist daraus nicht geworden: Zunächst hörte Patrizio Satta auf, und kürzlich quasi das Urgestein der Schulsozialarbeit: Anette Kehrbaum.

Wer alle Tätigkeiten von Anette Kehrbaum auflisten will, braucht schon fünfeinhalb DIN-A4-Seiten. So lang ist die Liste geworden, die Kehrbaums langjährige Kollegin Bettina Kreutz zusammengestellt hat. Darin steht, nach Jahren fein säuberlich notiert, alles drin, was die rührige Schulsozialarbeiterin alles angestoßen, mitgemacht und durchgeführt hat.

18 Jahre ist es her, seit Anette Kehrbaum nach Karben kam. Denn im Jahr 2001 hatten die damals Regierenden von der SPD erkannt, dass die Probleme an den Schulen, und insbesondere an der Karbener Gesamtschule, zunehmen und deshalb Sozialarbeit direkt vor Ort stattfinden müsse. Von Stadt und Deutsch-Ausländischem Freundschaftskreis finanziert, nahmen neben Kehrbaum auch Tobias Ludig und Petra Wernitsch ihre Arbeit auf. Aktiv wurden sie an der größten Schule der Stadt, der Kurt-Schumacher-Schule (KSS). Kaum angetreten, setzte Anette Kehrbaum die Idee um, im Pausentreff ein Programmcafé einzurichten.

Jugendliche zu Toleranz erziehen

Sie hat auch stets daran gearbeitet, Jugendliche von Gewalt abzubringen und sie zu Toleranz zu erziehen. Schon im Jahr 2005 hat sie auf die Gefahren im Internet aufmerksam gemacht, als es bei einer Veranstaltung um »Kinder im Internet« und »Gefahren, die keiner kennt« ging.

Theater als Ausdrucksform führte sie gleichfalls ein: Für die sechsten Klassen an der KSS wurde das »Peoples Theater« gegründet. Theater gegen Rassismus, aber auch die Risiken des Internets waren immer wieder ihre Themen. Ebenso die Selbstbehauptung für Mädchen. 2009 wurde sogar ein Filmfestival an der KSS veranstaltet: »Wenn die Seele aus dem Gleichgewicht gerät«.

Zivilcourage, Alkohol am Steuer, Hinschauen bei Gewalt, Neofaschismus, Smartphones zu Hause und in der Schule - all das und noch mehr waren die Themen der Schulsozialarbeit, an denen Anette Kehrbaum maßgeblich mitgewirkt hat.

In den Jahren 2010 bis 2014 war ein Schwerpunkt der Arbeit der Anti-Rassismus. Ein neues Thema kam mit den Zugewanderten ab 2016 hinzu. Es war aber auch das Jahr, in dem Anette Kehrbaum erste Kontakte mit der Pestalozzischule knüpfte, denn auch dort war der Bedarf an dieser pädagogischen Arbeit groß.

Außer an die Schüler wandte sich die Schulsozialarbeit immer wieder an die Lehrer, für die Fortbildungen organisiert wurden und die immer wieder in diverse Projekte etwa zum Thema »Digitale Helden« einbezogen wurden.

Nun hat sich Anette Kehrbaum ein anderes Betätigungsfeld gesucht, will in verantwortlicher Position ihre Arbeit engagiert fortsetzen.

Rahn: Stelle wird zügig besetzt

Angestellt war sie langjährig bei der Stadt Karben. Bürgermeister Guido Rahn lobte, dass Frau Kehrbaum die Schulsozialarbeit über lange Zeit geprägt und aufgebaut habe. Es sei schade, dass sie sich nun für eine neue Herausforderung mit neuen Schwerpunkten und noch mehr Verantwortung entschieden habe. Während für die Gesamtschule zurzeit nur noch Bettina Kreutz zuständig ist, sind die Nachfolgerinnen von Patrizio Satta an den Grundschulen längst aktiv. Satta selbst hat noch seine Nachfolgerin Julia-Charlott Jackel eingearbeitet.

Sie betreut neben den Kindern an der Groß-Karbener Grundschule auch die Kinder an der Klein-Karbener Selzerbachschule. Ihre seit Februar gleichfalls in Diensten der Stadt stehende Kollegin Claudia Rolle kümmert sich um die drei Grundschulen in Kloppenheim, Okarben und Petterweil. Damit es wieder vier Sozialarbeiter werden, läuft aktuell das Bewerbungsverfahren. Bürgermeister Rahn teilt mit, die Stelle werde von der Stadt zügig besetzt - voraussichtlich ab Mitte Januar 2020.

Also werde man auch im neuen Jahr über vier Mitarbeiterinnen im Bereich Schulsozialarbeit verfügen. »Da dieser Bereich immer wichtiger wird, haben wir ja mit dem Wetteraukreis zusammen die Ausdehnung auf die Grundschulen umgesetzt bzw. den Einstieg hier realisiert«.

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