Farben und Tiere auf Englisch lernen - das geht auch mit Memory-Karten. Mama Svenja Vaupel und ihre Kinder Carlotta und Leo machen auf kreative Weise Unterricht zu Hause. FOTO: PV
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Farben und Tiere auf Englisch lernen - das geht auch mit Memory-Karten. Mama Svenja Vaupel und ihre Kinder Carlotta und Leo machen auf kreative Weise Unterricht zu Hause. FOTO: PV

Unterricht mit Mama

  • vonred Redaktion
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Seit zweieinhalb Wochen haben Schulen und Kitas geschlossen - abgesehen von Notbetreuung. Die Schüler müssen zu Hause etwas für die Schule tun. Da sind auch die Eltern gefordert. So wie Svenja Vaupel aus Espa. Ihre Kinder besuchen normalerweise den Montessori-Campus in Friedberg. Hier berichtet sie über ihren neuen "Job" als "Lehrerin".

Die ersten zwei Wochen Corona-bedingtes Homeschooling sind vorbei und bei einem bin ich - Mama des sechsjährigen Leo und der vierjährigen Carlotta - bereits jetzt ganz sicher: Lehrerin sein ist keinesfalls meine Berufung! Schule und Kindergarten für mindestens fünf Wochen geschlossen: Was nun auf uns zukommen sollte, konnte ich noch nicht annähernd abschätzen. Eben waren wir noch beim Auftritt des Schulchores unseres Sohnes, die kleine Carlotta beim Kinderturnen - und plötzlich sollte das alles für die nächste Zeit ausfallen?!

Eines war schnell klar: Ohne Stundenplan würden wir alle im Chaos versinken. Am ersten Corona-Wochenende haben wir gemeinsam einen Wochenplan ausgearbeitet.

Dabei gab es bereits die ersten kleinen Differenzen und Diskussionen: Unser Sohn Leo ist seit letzten Sommer in der Montessori-Grundschule Friedberg, und seine Vorstellung von "Schule zu Hause" sollte im Idealfall genauso aussehen wie ein Schultag in seiner Schule mit Morgenkreis, Mitschülern, Materialien, großer Pause und einem Schulstart pünktlich um 8 Uhr - wenn das keine Ansprüche sind!

"Aber Mama, in der Schule ist das alles ganz anders!", musste ich mir mehrfach anhören und hatte dem zugegebenermaßen auch nur wenig entgegenzusetzen. Wie um Himmels Willen sollte ich das selbstständige Arbeiten ohne Montessori-Materialien und vor allem die pädagogische Kompetenz, Geduld und Erfahrung der Lehrer auch nur annähernd kompensieren? Das Ende vom Lied ist: Ich gebe einfach mein Bestes - was bleibt mir auch anderes übrig?

Der Wochenplan gibt uns inzwischen eine gute Struktur. Unsere kleine Carlotta beschäftigt sich vormittags in ihrem Zimmer selbstständig mit ihrem Rätselheft, während Leo den ersten Schulblock "Arbeitszeit alleine" erledigt. Von seinen Lehrern haben wir zahlreiche Arbeitsblätter, Buchempfehlungen, Links zu Internetseiten und Apps bekommen, mit denen wir bestens versorgt sind.

Ein Experiment für die Familie

Da unser Sohn im ersten Schuljahr ist, liegt der Fokus auf dem Rechnen, Schreiben und Lesenlernen. Aber welches Kind hat schon Lust, ein Arbeitsblatt nach dem nächsten abzuarbeiten? Es fehlen hier zu Hause die Darbietungen der Pädagogen, die anspruchsvollen Montessori-Arbeitsmaterialien und das voneinander und miteinander Lernen durch Mitschüler. Somit ist Ersatzlehrerin und selbst ernannte Motivationstrainerin Mama dauerhaft gefordert und gezwungen, sich selbst kreative Lernmethoden auszudenken: So werden dann eben auch mal englische Farben oder Tiere mit einem Memory-Spiel durchgenommen.

Regelmäßig meldet sich die Oma telefonisch, und neben einem Update zu der Anzahl noch vorhandener Klopapierrollen fragt sie unsere Kinder englische Vokabeln ab. Nebenbei wird überprüft, ob der hessische Lehrplan auch in Krisenzeiten und von Lehrerin Mama eingehalten wird und die Kinder somit weiterhin ihr Recht auf Bildung wahrnehmen können.

Morgens werden schnell noch ein paar Notizen aufgeschrieben, und zwischen Staubsauger, Kinderbetreuung, Homeschooling und Kochlöffel E-Mails an die Arbeitskollegen verschickt und teilweise bis 21 Uhr in Video-Meetings Marketingkonzepte diskutiert - mein neuer Alltag.

Meine beiden Kinder sind eigentlich doch ganz zufrieden mit ihrem neuen Schul-Alltag, aber wenn dann Leos Lieblingslehrerin anruft und fragt, wie es so läuft, ist "Lehrerin" Mama ganz schnell wieder vergessen, und die Sehnsucht nach dem ganz normalen Schulalltag wird doch wieder größer. Alles in allem ist das Ganze für uns als Familie ein echtes Experiment. Die fehlenden Wegzeiten geben uns mehr Zeit zusammen, von Freizeitstress ist keine Rede mehr, und der Fokus auf die wesentlichen Dinge tut uns allen sehr gut.

Ich bin mir ganz sicher: Wenn die Corona-Krise vorbei ist, werden wir alle neben dem Umgang mit Epidemien noch sehr viele andere wertvolle Erfahrungen gesammelt haben. Und eins ist mir klar wie nie zuvor: Obwohl ich die Leistungen der Lehrkräfte schon immer bewundert habe, ist mir erst jetzt in Ansätzen bewusst geworden, was Grundschullehrer jeden Tag leisten!

Verfolgen Sie in den nächsten Wochen weiter den Alltag der Familie mit kleinen und großen Herausforderungen auf der Homepage der Montessori- Grundschule unter www.montessori-wetterau.de.

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