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2G? 3G? Gastronomen können selbst entscheiden, wie sie es handhaben. Manche haben sich bereits entschieden, andere sind noch unsicher. Zwar bietet 2-G Vorteile, zum Beispiel entfällt dadurch die Beschränkung zur Personenanzahl im Innenbereich, doch dafür gibt es auch negative Reaktionen von Kritikern. SYMBOLFOTO: SCHEPP

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Unliebsame Entscheidung

  • VonNiklas Mag
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Gastronomen gehören zu den Verlierern der Corona-Pandemie. Und einfacher wird es nicht. Die Entscheidung zwischen 2G und 3G muss jeder Betrieb treffen - und riskiert damit den Zorn der Wetterauer. Unfair finden das einige Gastronomen, es gehe nicht um Ausgrenzung, es sei eine rein wirtschaftliche Entscheidung, die Betriebe treffen müssen.

S eit über einer Woche können Gastronomen und Veranstalter entscheiden, ob sie nur noch Geimpften und Genesenen Zutritt gewähren (2G). Wer möchte, kann aber weiterhin Gäste empfangen, die nur einen Negativ-Test vorlegen (3G). Gerade 2G erzürnt die Gemüter, viele fühlen sich ausgeschlossen und schlecht behandelt.

»Die Leute sehen diese Regel als Strenge an, aber das ist es nicht. Vielmehr ist es eine geschäftliche Entscheidung«, meint Dulaj Nertil, Inhaber des »Breluba« in der Frankfurter Straße in Bad Vilbel. Dennoch hat er sich für 3G entschieden, auch aus anderen Gründen: »Beispielsweise müsste bei 2G ja auch das Personal komplett geimpft sein«. Das kleine Café hat im vergangenen Jahr während der Pandemie eröffnet und seitdem zu kämpfen. »Wir haben uns für 3G entschieden, weil wir unser Café ohnehin mit allen Sicherheitsmaßnahmen eröffnet haben. Wir können jetzt also so weitermachen wie bisher.« Nertil möchte Menschen nicht wegschicken, seinem Personal nicht vorschreiben, sich impfen zu lassen.

Auch Tim Wegge, Inhaber der »Genusserie« und des »Genüsschens« in Bad Vilbel, wendet die 3G-Regel an, ist jedoch massiv genervt von den Anfeindungen auf Facebook: »Ich sehe das dauernd, wie Kollegen dort angegangen werden. Wenn man den Leuten dann erklärt, warum 2G für Gastronomen eigentlich sinnvoll ist, sehen sie es dann aber weitgehend ein«, erklärt Wegge. Er selbst habe kurzfristig von 2G auf 3G gewechselt. Aus Angst vor Boykott-Aufrufen, denn das tun wütende Facebook-Nutzer.

Bei 3G ein Drittel weniger Gäste

»Um es zu erklären: Bei 3G kann ich ein Drittel weniger Leute reinlassen als bei 2G. Ich kann es sehr gut nachvollziehen, wenn Kollegen, sich deshalb für 2G entscheiden, denn es geht hier um Einnahmen.« Nichts läge Gastronomen ferner, als Menschen auszugrenzen. Tim Wegge wirbt für Verständnis: »Ja, wir Gastronomen haben Geld vom Staat bekommen, aber das war nur für die Betriebskosten. Ich persönlich habe sieben Monate lang privat kein Geld herausbekommen. Sieben Monate ohne Gehalt soll sich jeder mal vorstellen und dann entscheiden, ob er nicht die Chance nutzen würde, mehr Kunden gleichzeitig im Laden zu haben.«

Wegge sieht ein Versäumnis bei der Regierung: »Die Entscheidung und damit auch die ganze Wut der Leute wurde einfach auf uns Gastronomen abgewälzt. Tatsache ist, die meisten Betriebe liegen am Boden. Wir müssen Geld verdienen, denn beim nächsten Lockdown muss ich für immer schließen.« Tatsächlich ist es gar nicht so einfach, einen Betrieb zu finden, der auf 2G setzt. Nicola Inverso vom Waldhaus Bad Nauheim hat sich dafür entschieden: »Seit fast zwei Jahren arbeiten wir mit Mundschutz«, sagt er. Das wolle er seinen Mitarbeitern nicht länger zumuten. Was ihn sehr ärgert: Seit er bekannt gegeben hat, dass nur Geimpfte und Genesene kommen dürften, hat er negative Reaktionen bekommen. »Ihr braucht uns wohl nicht«, habe er beispielsweise zu hören bekommen. »Wir haben ein Wahlrecht, und wir haben uns für 2G und unsere Gesundheit entschieden«, erklärt Inverso.

Sebastian Dieckhoff vom »Teichhaus« Bad Nauheim hat die 2G-Entscheidung unter anderem aus Überzeugung getroffen. Der Inhaber ist auch als Reserveoffizier tätig, sei viel in der Pandemiebekämpfung herumgekommen - etwa bei Testaktionen. Er empfehle jedem, sich impfen zu lassen; nur so könne die Pandemie unter Kontrolle gebracht werden. Und: »Mit 2G haben wir wieder ein normales Leben, es gibt keine Abstände zwischen den Tischen, für die Mitarbeiter ist es angenehmer ohne Maske.« 3G sei aber bei geschlossenen Gesellschaften möglich, dann müssten die Mitarbeiter Maske tragen.

So lange das Wetter hält, gibt es die Möglichkeit, im Freien zusammenzusitzen. Das wollen die Bad Vilbeler Gastronomen mit dem Herbstmarkt nutzen. Livemusik am Samstag ab 17 Uhr und am Sonntag ab 12 Uhr umrahmt die Angebote mehrerer Vilbeler Restaurants und Cafés vor dem Alten Rathaus in der Frankfurter Straße. nma

Dulaj Nertil hat sich für 3G entschieden.

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