Die Corona-App. SCREENSHOT: SEG
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Die Corona-App. SCREENSHOT: SEG

Uni-Klinik kooperiert nicht mit Corona-App

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Gießen(seg). Schnell zu sein, ist in der Corona-Pandemie wichtig, um u.a. Infektionsketten zu durchbrechen. Patienten müssen früh erfahren, wenn sie mit Covid-19 infiziert sind. Und auch ihre Kontaktpersonen müssen so bald wie möglich darüber informiert werden. Dabei hilft die Corona-App. Doch ausgerechnet das Universitätsklinikum Gießen-Marburg ist nicht an das digitale System des Robert-Koch-Institutes (RKI) angeschlossen. Die Patienten können sich nur über einen Umweg in die Corona-App eintragen, und der wird selten genutzt.

Doch warum ist die Klinik nicht an die App angeschlossen? "Die digitale Vernetzung von patientenbezogenen Labordaten mit externen Systemen unterliegt aus Datenschutzgründen hohen Sicherheitsstandards", erklärt Christine Bode, Pressesprecherin des UKGM. Große Kliniken würden deshalb zögern, ihre Sicherheit durch externe Vernetzungen zu gefährden. Es bedürfe dafür besonderer IT-Lösungen. Das Uniklinikum arbeite zwar an einer Umsetzung. Einen Zeitplan für die Fertigstellung konnte die Pressesprecherin aber nicht nennen. Bode sagt nur: "In naher Zukunft."

Klinik-Labor: 200 bis 300 Tests am Tag

Aktuell sind laut RKI 90 Prozent der Labore in Deutschland an das System der Corona-App angeschlossen. Jemand der sich testen lässt, kann bei der Entnahme der Probe zustimmen, dass seine Daten an das RKI für die Corona-App übertragen werden. Anschließend erhält die Person einen QR-Code; der lässt sich mit der Corona-App einscannen. Nachdem das Labor die Probe getestet hat, zeigt die Corona-App das Ergebnis an. Das geht schneller, als wenn ein Mitarbeiter des Labors erst versuchen muss, den Corona-Infizierten per Telefon zu erreichen. Außerdem kann der Infizierte in der App entscheiden, ob mögliche Risiko-Kontaktpersonen über ihre App gewarnt werden.

Am UKGM geht das nicht so einfach. Wenn hier jemand mit akuten Symptomen auffällt, wird bei diesem Patienten eine Probe entnommen. Diese Probe untersucht das hauseigene Virusdiagnostik-Labor. "Im Moment sind das 200 bis 300 Tests am Tag", sagt Bode. Die Proben stammen nahezu ausschließlich von Patienten, die am Klinikum behandelt werden, sowie dessen Mitarbeitern. "Alle Befunde werden über das klinikinterne Labordatensystem an die behandelnden Ärzte übermittelt", erklärt Bode. Eine Anbindung an die App gibt es nicht.

Wenn ein Patient sein Ergebnis trotzdem dem System der Corona-App und somit potenziellen Kontaktpersonen mitteilen möchte, muss er eine Hotline anrufen. Nach einer "Plausibilitätsprüfung", ob der Anrufer auch wirklich ein positives Ergebnis hat, bekommt er eine "teleTan". Der zehnstellige Code wird per SMS verschickt und kann vom Patienten in der Corona-App eingegeben werden. Genutzt wird dieser Weg kaum.

Hotline prüft positives Ergebnis

Wie das Robert Koch Institut mitgeteilt hat, sind im Zeitraum vom 16. Juni bis 21. September 4 373 "teleTans" abgerufen worden. Dem gegenüber stehen 85 000 positiv-getestete Fälle. Wie viele den erhaltenen Code dann auch in der Corona-App eingegeben haben und wie viele im gleichen Zeitraum über den QR-Code den Status mitgeteilt haben, hat das RKI nicht veröffentlicht. Es bleibt unklar, welches Verfahren mehr genutzt wird. Klar ist aber, dass die Nutzung einer "teleTan" zusätzlichen Aufwand bedeutet.

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