Fernsicht: Mario Müller blickt durch das Teleskop an einem der vier Beobachtungsplätze auf dem Vereinsgelände. 	FOTOS: CF/PV
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Fernsicht: Mario Müller blickt durch das Teleskop an einem der vier Beobachtungsplätze auf dem Vereinsgelände. FOTOS: CF/PV

Dank Corona

Ungestörter Blick in den Himmel

  • vonChristine Fauerbach
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Durch Corona-Pandemie fast vollständig zum Erliegen gekommen ist der Flugverkehr. Über die vorübergehende Ruhe am Himmel freuen sich vom Lärm startender und landender Maschinen betroffen Anwohner ebenso wie die Mitglieder Vereins zur Förderung der Astronomie, Raumfahrt und Grenzwissenschaften in Nidderau.

Am Himmel ist es wegen des fehlenden Flugverkehrs so klar wie sonst nie«, freut sich Mario Müller. Er ist im Vorstand der Sternenfreunde Nidderau (Guforc), die 2000 als Verein aus einer 1977 gegründeten Interessengemeinschaft unter Leitung des Vorsitzenden Berthold Schneider hervorging. Für einen Blick in den Himmel nutzen die 50 Mitglieder entweder das große C11-Teleskop mit drei Meter Brennweite in der Sternwarte oder eins der vier kleineren Teleskope mit Brennweiten von 400 und 1000 Millimetern bis zu zwei Metern an den Beobachtungsplätzen auf dem Vereinsgelände.

Das große W am Firmament

Der Blick ins All ist für die Vereinsmitglieder zwar das ganze Jahr über faszinierend, aber meistens sind sie trotz Minusgraden im Winterhalbjahr auf dem Vereinsgelände in Windecken anzutreffen. »Weil es länger dunkel, die Luft klarer und die Sicht besser ist.« Zurzeit sieht man kurz nach Sonnenuntergang als hellsten Himmelskörper im Westen die Venus und kurz danach im Südwesten den Sirius, den hellsten Stern im Sternbild Großer Hund, berichtet Müller. Zwischen Venus und Sirius zu sehen ist das Sternbild des Orion, bestehend aus drei Sternen in einer Reihe. Zudem beherbergt das Sternbild »einige schöne Nebelgebiete«, die teils mit bloßem Auge sichtbar sind.

Östlich davon zu sehen ist das Sternbild Zwillinge mit den beiden hellen Sternen Pollux und Castor. Ab Mitternacht leuchtet im Norden das Sternbild Kassiopeia. Das am Rande der Milchstraße gelegene Sternbild wird auch als Himmels-W bezeichnet. »Die Hauptsterne des Sternbildes bilden ein großes W, dessen Spitze auf den Nordpolarstern zeigt.« Kassiopeia ist von uns aus zu jeder Jahreszeit am Himmel zu sehen.

Zwei Kilometer langer Planetenweg

Um zwei Uhr nachts geht dann am Himmel über Mitteleuropa im Nordosten das Sternbild Schwan auf, und kurz darauf ist im Norden die Andromedagalaxie zu sehen. Sie ist das am weitesten von der Erde entfernte, mit bloßem Auge sichtbare Objekt. Sie gehört zur Gruppe der Spiralgalaxien und ist mit ihrem Durchmesser von rund 200 000 Lichtjahren doppelt so groß wie die Milchstraße.

Beim Pressetermin nimmt Mario Müller mit dem Teleskop keinen weit entfernten Himmelskörper ins Visier, sondern ein auf einer benachbarten Wiese brütendes Storchenpaar. Trotz der guten Sicht durch den eingeschränkten Flugverkehr leidet auch das Vereinsleben der Sternenfreunde Nidderau unter den derzeit geltenden Vorsichtsmaßnahmen. Seit Februar fallen alle Veranstaltungen aus. Dazu gehören der Frühjahrsputz im Vereinsheim und auf dem Gelände sowie der Vereinsausflug und der diesjährige Astronomietag mit dem Thema »Venus, Mond und die sieben Schwestern«. Bei Letzteren handelt es sich um die Plejaden, die nördlich des auffälligen Orion zu sehen sind.

Entfallen sind Informationen, Sonnen- und Sternenbeobachtungen sowie Führungen auf dem fast zwei Kilometer langen Planetenwanderweg. Ihn haben die Guforc-Mitglieder in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung errichtet. Er verläuft von der Willi-Salzmann-Halle in Windecken entlang der Konrad-Adenauer-Allee bis zur katholischen Kirche in Heldenbergen.

Der Planetenwanderweg stellt ein maßstabsgerechtes und verkleinertes Modell unseres Sonnensystems dar. Die weiteste Distanz im Sonnensystem beträgt fast sechs Milliarden Kilometer. Daraus ergibt sich ein Maßstab von eins zu drei Milliarden. Damit man die Details der Planeten besser erkennen kann, wurde auf den Infotafeln zusätzlich eine vergrößerte Darstellung der Planeten abgebildet. Die Entfernung der einzelnen Säulen entspricht der acht Planeten Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun zueinander und zur Sonne. Auf Nachfrage bieten die Mitglieder nach Corona Bürgern, Vereinen und Schulklassen wieder Führungen an.

Zu den besonderen Events zählen die Beobachtungen der jährlichen Mondfinsternis und der seltenen Sonnenfinsternis. »Die nächste über Deutschland findet 2081 statt«, sagt Müller. Auch außerhalb der Finsternis ist die Sonne als Stern direkt vor unserer Haustür »ein großartiges astronomisches Beobachtungsobjekt, das jeden Tag ein neues Gesicht zeigt«.

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