Wie behindertengerecht ist das WC im Gesundheitsgarten? Darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Foto: Nici Merz
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Wie behindertengerecht ist das WC im Gesundheitsgarten? Darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Foto: Nici Merz

Ungeeignet für Rollstuhlfahrer?

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Bad Nauheim(bk). Neun Jahre nach Eröffnung des beliebten Gesundheitsgartens an der Zanderstraße war es der Stadtverwaltung im Juni endlich gelungen, die Grünanlage mit einer Toilette auszustatten. Anlässlich der Eröffnung hatte Bürgermeister Klaus Kreß von einer "individuell konfigurierten, hochwertigen" Sanitäreinrichtung gesprochen, die sich der Steuerzahler immerhin 60 000 Euro kosten ließ. Vollauf zufrieden mit dem Ergebnis sind allerdings nicht alle Politiker, wie sich bei der Stadtverordnetensitzung am Donnerstagabend in der Trinkkuranlage zeigte.

FDP-Frau Britta Weber fühlte sich beim Anblick der WCs um Jahrzehnte zurückversetzt, wie sie in der kurzen Debatte über eine Anfrage ihrer Fraktion zu diesem Thema sagte. "Es gibt eine Toilette für Männer und eine für ›Randgruppen‹ wie Frauen und Behinderte", lautete der ironische Kommentar der Freidemokratin. Aus Sicht von Weber noch schlimmer: Die eine Frauen/Behinderten-Toilette sei gar nicht barrierefrei. "Rollstuhlfahrern ist es nicht möglich, die Tür zu öffnen." Das habe eine Bürgerin kurz nach der Eröffnung in einem WZ-Leserbrief bemängelt. Die Stadtverordnete forderte die Verwaltung auf, die Sanitäranlage in der Winterpause nachzubessern.

Bürgermeister Kreß erläuterte, wie es zu dieser Art von Zweiteilung gekommen ist. Der Kneipp-Verein habe sich unbedingt diesen Standort für die Toilette gewünscht. An dieser Stelle dürfe das Bauwerk gemäß den Anforderungen des Denkmalschutzes aber nicht zu dominant erscheinen. Durch den Verzicht auf ein zweites behindertengerecht ausgestattetes WC sei die Anlage "günstiger und kompakter" geworden. Zudem könnten Behindertentoilette sowie der Wickeltisch im Vorraum des linken Klos von Frauen und Männern benutzt werden.

Von fehlender Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrer kann nach Ansicht von Kreß nicht die Rede sein. Die Tür lasse sich mit relativ wenig Kraftaufwand öffnen. "Die behindertengerechte Ausstattung ist durch eine DIN-Norm geregelt. Daran halten wir uns", sagte der Rathauschef. Eine Nachrüstung würde nach Angaben von Kreß zusätzliche 6000 Euro kosten, hinzukämen hohe Wartungskosten.

Wie aus der Antwort der Verwaltung auf die FDP-Anfrage hervorgeht, wäre eine elektronische Schließanlage technisch aufwendig, wartungsintensiv und störungsanfällig. Die Tür würde mithilfe eines Motors geöffnet und geschlossen werden. "Da die Tür nach außen schwenkt, müsste in 2,50 Meter Entfernung vor der Tür eine Tastensäule gesetzt werden", heißt es in der Antwort weiter.

Eine solche Nachbesserung hält Kreß offenbar nicht für sinnvoll. Sollte die Mehrheit der Stadtverordneten anderer Meinung sein, müssten die Zusatzkosten in Höhe von 6000 Euro im Nachtragshaushalt 20129/20 bereitgestellt werden.

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