Unfallfahrt im Drogenrausch

  • vonHedwig Rohde
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Es war eine verhängnisvolle Fahrt: Binnen knapp zwei Stunden am frühen Morgen des 3. Januar 2020 verursachte der 48-jährige gelernte Dachdecker Andreas H. drei Unfälle in Gießen, bei Echzell und in Butzbach. Seit Dienstag steht er deshalb vor dem Amtsgericht.

An Weihnachten 2019 setzte ihn seine in Friedberg wohnende Freundin per WhatsApp vor die Tür, stellte Koffer und Tasche mit seinen Habseligkeiten in den Garten. Andreas H., der damals bei einem Dachdeckerunternehmen in Heppenheim beschäftigt war, fühlte sich wie vor den Kopf gestoßen. An Silvester fuhr er nach Friedberg, klingelte vergeblich an der Wohnung, in der auch er gelebt hatte. Dann packte er Koffer und Tasche in seinen Wagen und ging. Später kam ihm die Vermutung, seine Freundin könnte sich bei einer Bekannten in Niederbayern aufhalten. Ohne eine konkrete Adresse zu kennen, setzte er sich in sein Auto und fuhr los. Seine Erinnerungen an die nächsten drei Tage sind bruchstückhaft, denn gegen die Müdigkeit griff er auf ein Mittel zurück, das er seit bereits vier Jahren zu diesem Zweck einsetzte: Er schluckte Amphetamine.

Diesmal nahm er allerdings nicht die üblichen fünf Gramm, die er in den Jahren zuvor zweiwöchentlich konsumiert hatte, sondern während seiner tagelangen Irrfahrt durch Niederbayern und Hessen eine Menge, die er weder danach in der polizeilichen Vernehmung noch jetzt vor Gericht konkretisieren kann. In der Nacht zum 2. Januar 2020 machte H. eine Pause auf einer Raststätte an der A7, auch von einer weiteren Pause am Abend des 2. Januar gegen 23 Uhr berichtete er nach den Unfällen bei der Polizei.

Viele Details noch im Dunkeln

Im Dunkeln blieben aber auch am ersten Verhandlungstag viele Details, darunter die Antwort auf die Frage, warum er sich um Mitternacht in der Nacht zum 3. Januar 2020 in Gießen befand, dort die Licher Straße stadtauswärts befuhr.

Vier Minuten nach Mitternacht bemerkte er wohl zu spät, dass sich ein vorausfahrendes Auto an einer Ampel zur Autobahnauffahrt hin einordnete, und fuhr gegen die linke Rückseite des Wagens. Beide Fahrzeuge hielten an, doch dann setzte H. zurück und fuhr mit voller Wucht gegen die geöffnete Fahrertür des Unfallgegners, wobei ein Glassplitter diesen am Auge verletzte und ein Sachschaden von 4000 Euro entstand. H. flüchtete von der Unfallstelle.

Der zweite Unfall ereignete sich auf der B455 in Höhe der Abzweigung nach Echzell. H. war in Richtung Friedberg unterwegs, als er mit einem anderen Fahrzeug kollidierte, dessen Fahrer dabei Schmerzen an der Halswirbelsäule davontrug. In diesem Fall stieg H. aus seinem Wagen aus, brüllte den anderen Fahrer an, ob er ein Problem habe, und flüchtete. Den dritten Unfall verursachte H. um 1.44 Uhr in der Butzbacher Straße Zum Hausberg. In Höhe der Hausnummer 21 prallte er mit seinem Wagen gegen ein ordnungsgemäß geparktes Fahrzeug, wobei ein Sachschaden von 16 000 Euro entstand, und flüchtete erneut.

Vor Gericht zeigte sich H., der derzeit von Arbeitslosengeld lebt, ebenso wie schon bei den polizeilichen Vernehmungen voll geständig. Er legte dem Gericht unter Vorsitz von Richter Dr. Markus Bange Abstinenznachweise vor und betonte tiefe Reue über die von ihm verursachten Unfälle. Nach diesen Taten habe er die Einnahme von Amphetaminen beendet, denn so etwas dürfe nicht mehr vorkommen.

An die ersten zwei Unfälle habe er nach wie vor keinerlei Erinnerung. Beim Prall auf das geparkte Auto habe er es dagegen "krachen" gehört und sei aufgewacht, habe das Gefühl gehabt, er sei am Steuer eingeschlafen. Die Verhandlung wird in drei Wochen mit der Vernehmung von Zeugen fortgesetzt.

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