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Frank Hammer singt und spielt mit der Gitarre ein Wunschkonzert im Hof des Seniorenheims in Nidderau. Die Senioren, die derzeit keinen Besuch empfangen dürfen, rufen ihre Wünsche von den Balkonen aus zum Künstler runter. FOTO: GEORGIA LORI

Hofkonzert

Unbeschwerte Momente im Heim

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Die Situation rund um die Corona-Krise ist besonders für ältere Menschen in Pflegeheimen schwer zu ertragen. Um etwas Freude zu verbreiten, hatte das Niddauer Seniorenheims eine Idee.

Der Frankfurter Profimusiker Frank Hammer hat am Freitag im Innenhof unter freiem Himmel ein Hofkonzert für die 160 Bewohner der Einrichtung, im Alter zwischen 70 und 108 Jahren gegeben. Vor dem Hintergrund der durch die Krise im Alltag massiven Einschränkungen für die Bewohner reagierte die Leitung spontan.

"Damit alle das Konzert genießen konnten, verteilten wir die Bewohner auf die Balkone und hinter die Fensterscheiben auf den Gängen. Für Patienten in Pflegebetten öffneten wir das Fenster, damit sie die Musik hören konnten", sagt Waschescio. Das gesamte Team mit Pflege, sozialem Dienst und Küche habe an einem Strang gezogen und bewies großen Zusammenhalt und Solidarität, um das Konzert zu ermöglichen.

Der freiberufliche Künstler, der im Moment wegen der Krise keine öffentlichen Auftritte absolvieren darf, genoss das Konzert mit Gitarre und Equipment und seinem "Balkonpublikum" unter freiem Himmel sehr.

Unterstützung für Künstler

Hammer, der bereits im Januar vergangenen Jahres in der Einrichtung gespielt hat, sorgte für eine unbeschwerte, fröhliche Atmosphäre, inmitten der Krise. Einige Bewohner auf den Balkonen und auch Pflegekräfte applaudierten und sangen fröhlich mit. "Wir müssen freiberufliche Künstler unterstützen, die aktuell keine Arbeit haben", sagt Waschescio. Hammer, der ehrenamtlich spielen wollte, erhielt aus diesem Grund eine reduzierte Gage. Waschescio wünscht sich, dass auch andere Pflegeheime auf diese Idee kommen und ein derartiges Konzert für ihre Bewohner in Erwägung ziehen könnten.

Auch die Unterstützung von freiberuflichen Künstlern sei in der schweren Zeit ein solidarischer Beitrag. "Ich würde das gerne öfter in unserer Einrichtung anbieten, aber falls wir eine Ausgangssperre bekommen, werden wir das nicht mehr leisten können", sagt Waschescio. Dennoch hofft er wenigstens, dass es hin und wieder möglich sein könnte, ein Konzert dieser Art zu organisieren. Das einstündige Konzert hätte er gerne verlängert, sagt er, doch dann sei es kühl und windig geworden.

Die Bewohner mit Rollstühlen und Rollatoren seien über die Balkone vom ersten bis dritten Stockwerk verteilt worden. Auch wärmende Wolldecken wurden ausgegeben. "Die Bewohner waren begeistert. Sie kannten dieses neue Format nicht. Bisher gab es nur Veranstaltungen im Café und während des Sommerfestes", sagt Waschescio. Damit alles reibungslos funktionierte, nahmen die Senioren das Mittagessen eine Viertelstunde eher als gewöhnlich ein. Organisiert wurde auch, dass alle Senioren der Witterung entsprechend bekleidet waren und sich in ihren gewohnten Gruppen zusammenfinden konnten.

Senioren wünschen sich Reinhard May

30 Pflegekräfte waren im Einsatz. Einen personellen Ausfall gab es bisher nicht. Wie Waschescio mitteilte, wünschten sich die Senioren von den Balkonen aus, ihre Lieblingslieder von Udo Jürgens, Marianne Rosenberg oder Reinhard May in der Art eines Wunschkonzertes. Immer wieder gab es Zwischenrufe und Liedvorschläge, die Hammer gerne erfüllte. Die Einrichtung betreten durfte auch er aus Sicherheitsgründen nicht.

Auch der ehrenamtliche Besuchsdienst "AGO-Engel" des Sozialverbandes VdK-Ortsverband Nidderau ist für unbestimmte Zeit ausgesetzt und damit sei vorerst ein weiteres Stück Menschlichkeit im Alltag des Seniorenheims weggebrochen.

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