agl_SportaufdemEis_20022_4c
+
Schulsport auf dem Eis im Wiesengrund: Lehrer Günther Hoffmann, Vater von Rainer Hoffmann, hat dieses Foto 1958 gemacht. Zu sehen sind (v. l.) Marianne Berkmann, Monika Heller, Hermitha Kiesling, verdeckt Erika Wiltheiss, Carmen Höll, Edith Jablonski, Christiane Seekatz, Bernd Oberesch, davor Uschi Wagner, Werner Hohmann, davor Ursula Schreitz, Rainer Hoffmann, davor Ingrid Heibel, Jürgen Schäfer, Rolf »Pilo« Knihs, Renate Köcher, sitzend Udo Nau, Helga Schildger, Heinz Bernhardt, Gudrun Wiltheiss, Ludwig Beyer, Horst Kohn, Günther Wagner, Günter Linke, Bernd Springer, Arnold Bornträger.

Unbeschwerte Eiszeit

  • vonRainer Hoffmann
    schließen

Erinnerungen an seine Kindheit sind in den vergangenen Wochen bei Rainer Hoffmann aus Ossenheim wach geworden - wegen Hochwasser und Eis. Das waren Zeiten, als Eishockey-Derbys gegen die Bauernheimer Jungs ausgetragen wurden und man mit den Schlittschuhen bis nach Rödgen fuhr.

Bei dem gerade zurückliegenden Winterwetter sind Erinnerungen an meine Kindheit hellwach geworden. Diesmal kündigte sich Ende Januar durch anhaltende Regenfälle Hochwasser an, das sich in Ossenheim zunächst über den Sportplatz ausdehnte, aber auch etwas später den sogenannten Wiesengrund zwischen Ossenheim und Bauernheim überschwemmte.

Wie bestellt, zog auch Väterchen Frost mit Minus-Temperaturen im zweistelligen Bereich heran, und es bildeten sich zahlreiche Eisflächen auf den Wiesen in der gesamten Wetterau.

In Ossenheim tauchten bald Schlittschuhläufer zwischen der Usa und der Wetter auf und drehten ihre Kringelchen oder spielten Eishockey, nachdem die Eisflächen von Schnee geräumt waren. Am vergangenen Wochenende schenkte uns die Natur noch strahlend blauen Himmel, so dass sich besonders viele Gruppen im Wiesengrund trafen, um sich bei herrlichem Wetter an der frischen Luft zu bewegen.

Anschraubbare Schlittschuhe

Ich erblickte 1946 das Licht der Welt. Der elterliche Garten lag oberhalb des Bauernheimer Weges mit Blick auf den Wiesengrund. Ich konnte es gar nicht abwarten, bis die Wetter im Herbst endlich über ihre Ufer trat. Dann erstreckte sich wegen des strengen Winters über Monate eine riesige Eisfläche bis nach Bauernheim, und im Frühling entstand durch Tauwetter ein großer See.

Begünstigt wurden diese Umstände durch ein im Jahre 1800 gebautes Wehr unterhalb der Kirche, von dem aus ein Wasserrad der Lohmühle, jetzt Bio-Hopper, über einen Mühlbach angetrieben wurde. Das Wehr staute die Wetter etwa einen Meter hoch in Richtung Bauernheim zurück, sodass sich Hochwasser in den Wiesengrund ergießen konnte.

Nur bei außergewöhnlich kräftigen Regenfällen waren auch die Äcker und Wiesen am Dorfeingang betroffen. Einmal war die Wetter mit mehr als 20 Zentimeter dickem Eis zugefroren, und wir fuhren Schlittschuh bis nach Rödgen. Das nachfolgende Tauwetter ermöglichte uns, auf Eisschollen durch die Wetter zu staken.

Das Gruppenbild oben aus dem Jahre 1958 machte mein Vater, der Lehrer Günther Hoffmann, bei einem kleinen Ausflug auf das »Spiegeleis« im Wiesengrund. An den damals typischen Kleidungen und Kopfbedeckungen waren wir Kinder schon von Weitem zu erkennen. Eiskunstlaufschuhe für die Mädchen und Hockeyschuhe für die Buben gab es noch nicht, aber anschraubbare Schlittschuhe, die zur Freude der Schuster unter die Stiefel mit einem »Dudelchen« befestigt wurden, schon. Zu Derbys beim Eishockey gegen Bauerheimer Jungs wurden Schläger zusammengezimmert oder aus Ästen geschnitzt, und als Puck mussten Blechbüchsen herhalten.

Im Sommer weideten Kühe in den Wiesen, Störche und Kiebitze waren dort immer zu Hause, jeden Nachmittag setzten wunderschöne Froschkonzerte ein, und bei Hochwasser bauten wir uns ein Floß.

Mit einem Knall war es vorbei

Auf einer Wiese gegenüber des Wehres tummelten sich im Sommer am sogenannten Badeplatz Jung und Alt - bis 1960 das Wehr gesprengt wurde. Vorbei war es mit Baden im Sommer und dem jährlichen Schlittschuhlaufen im Winter. Die Tierwelt zog sich zurück.

In diesem Winter nun bildeten sich durch die besonderen Witterungsumstände faszinierende Eisformationen an den Flussufern, wie Giraffen, Höhlen, Brücken, Hühnchen, Enten, Stangeneis, Orgeln, Drachen, Lampenschirme, Krokodile und so weiter. Ich war in dieser kurzen aber wunderschönen Zeit ständig mit dem Fotoapparat unterwegs und genoss diese eisige Zauberwelt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare