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Musiker Nick Ramshaw hat jedes Tal zwischen den pandemischen Wellen genutzt, um voranzukommen. Zusammen mit seinen Bandkollegen hat er an einem neuen Album gearbeitet. Unermüdlich und trotz einiger Widrigkeiten.

Über unbesungene Helden

Der Songwriter Nick Ramshaw aus Nieder-Wöllstadt arbeitet an einem neuen Album. Zwei Jahre ist das Release des letzten her. Die ersten Songs sind eingespielt und sogar schon live erprobt. Ohne Gäste im Saal. Alles nahm seinen Anfang in Friedberg.

Auf viele Musikermachende wirkt die Pandemie lähmend. Keine Auftritte vor Publikum, keine gemeinsamen Proben mit der Band, und selbst Aufnahmen im Studio stehen vor Hürden. Es war Mai 2019 als der Nieder-Wöllstädter Nick Ramshaw und seine Band ein zweites Mal nach der Release-Party zu ihrem letzten Album »Songshine« drei Jahre zuvor im Theater Altes Hallenbad in Friedberg auftraten. Im Anschluss hatten viele Fans völlig zu Recht das nächste Album eingefordert. Im November desselben Jahres hatte Ramshaw begonnen und die ersten Songs verfasst.

Album selber finanziert

Dann kam die Pandemie und selbst jemand mit so viel Musik in Herz und Seele wie Ramshaw sagte sich: »Was hat das alles für einen Sinn?« Die Branche liegt brach, und die Kultur ist in weiten Teilen zum Erliegen gekommen. Das zehrt nicht nur an den Nerven, sondern raubt auch kreative Energie, ohne die das Schreiben nicht funktionieren kann. Doch Ramshaw und seine Band-Kollegen Oli Pohl, Christian Krauß und Frank Höfliger rappeln sich wieder auf. Sie beschließen, das Projekt fortzuführen und stellen fest, dass sie die Arbeit am neuen Album vornehmlich für sich selbst brauchen. Um keinen Zeitdruck entstehen zu lassen, dem die Widrigkeiten der notwendigen Pandemiebestimmungen nur Vorschub leisten würden, finanzieren sie ihr Album selbst.

Ursprünglich sollte es eine EP werden, eine Handvoll Songs, irgendwo zwischen Single und Album, doch wenn die Kreativität erst einmal aus dem Corona-Tief auferstanden ist, gibt es keine Begrenzungen mehr. 13 Songs sind es inzwischen, die Nick Ramshaw geschrieben hat, acht davon konnten die vier bereits mit Bass, Keyboard und Schlagzeug einspielen. Sie nutzten jedes Tal zwischen den pandemischen Wellen, um voranzukommen. Lange war es nicht möglich, sich zu viert für ein Privatprojekt zu treffen. Wenn man sich in drei verschiedenen Zimmern befinden muss, so Ramshaw, ist es undenkbar, gemeinsam zu wirken. Immer wieder mussten sie tief durchamten und waren kurz vor dem Aufgeben, doch sie blieben am Ball. Ihre Fans auch, denn nach den Live-Hörproben zu urteilen, die unter anderem im Stream der Kulturhalle Stockheim zu hören waren, und den ersten Demo-Versionen, die der WZ vorliegen, lohnt sich das Warten.

»Crazy for a while« kommt mit einer Leichtigkeit daher, die einen beim Hören die Schwere der Pandemie vergessen lässt. Eingemischtes Gläserklirren, Scheppern und Ploppen unterstreichen den Inhalt des Titels, während Xylofonklänge die klare Stimme Ramshaws fast schon in südliche Gefilde entführen. »Missing you« ist eine gefühlvolle Liebeserklärung, die mit Zeilen wie »It’s you perfecting every moment« ins Träumen gleiten lässt.

Wie eine Bond-Melodie

Ein Highlight ist jetzt schon »Unsung Hero«. Es lässt an die Titelmelodie eines Bond-Films denken, ein Gefühl, das stark durch die Keyboard-Arrangements Christian Krauß’ beeinflusst ist, während eingespielte Bläser und Streicher für eine Swing- und Big-Band-Atmosphäre sorgen. Ramshaw zieht hier alle Register seiner Stimme und scheut keine Höhen, bis er mit rockig-rauchigen Tönen zusammen mit seinem unbesungenen Helden das Lied ausklingen lässt. Es erzählt die Geschichte eines Zerrissenen zwischen dem Wunsch, Musik zu machen, und dem Zerrieben-werden von den Erwartungen der Musikindustrie.

Wenn sich Ramshaw in »Drowning in music« verloren auf einem Meer aus Musik glaubt und sein E-Gitarren-Solo einsetzt, wünscht man sich beim Zuhören zwei Dinge: Dass die Musik bitte nicht aufhören soll, Ramshaw zu überfluten, und dass das noch namenlose Album bald fertig ist. Denn in nichts ertrinkt es sich so schön gemeinsam wie in Musik.

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