Der Wetterauer „Pannenkreisel“ in Rosbach verursacht trotz Schutzmaßnahmen weiterhin Unfälle. (Archivfoto)
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Der Wetterauer „Pannenkreisel“ in Rosbach verursacht trotz Schutzmaßnahmen weiterhin Unfälle. (Archivfoto)

Verkehrsunfälle

Trotz Entschärfung: Wetterauer „Pannenkreisel“ fordert die nächsten Opfer

  • David Heßler
    VonDavid Heßler
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Auch Warnzeichen und Begrünung haben nicht verhindern können, dass es am Wetterauer „Pannenkreisel“ innerhalb von 14 Tagen zu zwei beinahe tödlichen Unfällen gekommen ist. 

Rosbach – Anfang des Jahres war die Hoffnung noch groß, dass nach den jüngsten Maßnahmen endlich Ruhe am »Pannenkreisel« herrschen würde. Doch nun gab es wieder zwei Unfälle binnen 14 Tagen. Am Montagmorgen flog ein Mercedes über die Mittelinsel und landete im Regenrückhaltebecken.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Auto über den Kreisverkehr auf der L 3352 zwischen Rosbach (Wetterau) und Rodheim geflogen ist. Dieses Mal allerdings hätte der »Pannenkreisel« womöglich sein erstes Todesopfer gefordert, wäre der Unfall beispielsweise mitten in der Nacht passiert oder die Feuerwehr nicht so schnell am Ort des Geschehens gewesen.

Mercedes-Fahrer fliegt über Wetterauer „Pannenkreisel“ – Regenrückhaltebecken abgepumpt

Gegen 7.10 Uhr war ein 81-Jähriger aus dem Kreis Darmstadt mit seinem Mercedes mit hoher Geschwindigkeit über die Mittelinsel gerast. Der Wagen landete im angrenzenden Regenrückhaltebecken. Die Feuerwehr musste den Senior, der laut Polizeibericht einen verwirrten Eindruck machte, aus dem Auto befreien. Die B-Klasse habe sich zu diesem Zeitpunkt immer mehr mit Wasser gefüllt.

Weil der Mann angab, im Auto hätten sich weitere Personen befunden, pumpte die Feuerwehr das Wasser aus dem circa drei mal acht Meter großen Becken mit einer ungefähren Tiefe von 1,20 Meter. Es wurden dort zum Glück aber keine Personen gefunden. Die Ermittlungen ergaben zudem recht schnell, dass der 81-Jährige alleine im Fahrzeug unterwegs gewesen war.

Rettungskräfte brachten den, nach derzeitigem Kenntnisstand, lediglich leicht Verletzten in ein Krankenhaus. Zur Bergung des Wagens war der Einsatz eines Abschleppfahrzeugs notwendig. Alarmiert waren neben den Feuerwehren aus Rosbach, Rodheim und Ober-Wöllstadt, dem Rettungsdienst, der Polizei auch die DLRG und die Brandschutzaufsicht des Kreises.

Über 60 registrierte Unfälle am Wetterauer „Pannenkreisel“: Maßnahmen scheinen nicht zu helfen

Erst am Dienstag (10.08.2021) hatte ein Autofahrer den »Flugkreisel« wohl übersehen und einen Unfall gebaut. Er landete glücklicherweise nicht im Wasserbecken. »Wir hatten eigentlich gehofft, dass nun nichts mehr passiert«, sagt Bürgermeister Steffen Maar auf WZ-Anfrage. Anfang des Jahres hatte sich die Unfallkommission mit Polizei, Stadt, Kreis und Hessen Mobil endlich auf verbindliche Maßnahmen zur Entschärfung der Unfallstelle (über 60 polizeilich registrierte Unfälle seit 2012 – plus eine hohe Dunkelziffer) einigen können.

Es wurden weitere Warnzeichen neben und auf der Straße aufgebracht sowie die Bordsteinkante mit Glasreflektoren bestückt. Die Stadt sorgte durch eine bunte Bepflanzung für eine verbesserte optische Sichtbarkeit des in der Senke liegenden Kreisverkehrs. »Seitdem war auch weitestgehend Ruhe«, sagt Maar. Er spekuliert, dass sich die Sichtbarkeit wieder verschlechtert haben könnte, nachdem die Landwirte ihr Getreide auf den angrenzenden Feldern abgeernet hatten. Gleichwohl betont der Bürgermeister erneut die Verantwortung der Autofahrer: »Wenn man sich an die Verkehrszeichen hält, dann fliegt man nicht über den Kreisel.«

Was kann noch gegen den Wetterauer „Pannenkreisel“ getan werden?

Für den früheren Ortsvorsteher Dr. Volker Hoffmann, dem wohl größten Kritiker des Kreisels, steht jedoch fest, dass die Behörden noch immer nicht genug getan haben, um Unfälle zu vermeiden: »Hätte man Tempo 50 verordnet, die vorgeschlagenen Streifen aufgebracht, den Kreisel durch Pflanzenquerriegel auf dem Hügel auffälliger bepflanzt… Man hat aber nicht. Der erste tödliche Unfall kommt näher.«

Maar hat derweil weitere Gespräche mit Land und Kreis in der Sache angekündigt. Man könne womöglich »noch das eine oder andere machen«. Aber er weiß auch: »Wir werden mit dieser Konstruktion leben müssen.«

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