Im Kurpark gibt es genügend Wiesen, unter denen Erdkollektoren verlegt werden könnten. Trotzdem spricht offenbar einiges gegen den Einsatz der Kalten Nahwärme für den neuen Thermen-Komplex. FOTO: NICI MERZ
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Im Kurpark gibt es genügend Wiesen, unter denen Erdkollektoren verlegt werden könnten. Trotzdem spricht offenbar einiges gegen den Einsatz der Kalten Nahwärme für den neuen Thermen-Komplex. FOTO: NICI MERZ

Therme: Nahwärme ist zu kalt

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Stadtwerke und Bürgermeister sind stolz auf die zukunftsweisende Kalte-Nahwärme-Technik, die in Bad Nauheim Süd zum Einsatz kommt. Dort ist das deutschlandweit größte Erdkollektorenfeld entstanden, das Ministerin Lucia Puttrich am Freitag einweihte. Doch diese Art der Energieversorgung ist kein Allheilmittel, das alle Probleme löst.

Im Winter können die Bewohner des Neubaugebiets Bad Nauheim mit der Kalten Nahwärme heizen, im Sommer kühlen - und das alles CO2-neutral. Eine wahrlich innovative Energieversorgung, schwärmen Stadtwerke und Politiker, die auf den Geschmack gekommen sind. Deshalb stellte die CDU für die Stadtverordnetensitzung am Donnerstagabend einen Antrag: Der Magistrat soll prüfen, ob auch die neue Therme, das Hotel und die Musikschule mit Kalter Nahwärme versorgt werden können. Die wichtigste Voraussetzung, eine größere Fläche zur Verlegung der Erdkollektoren, die nicht bebaut werden darf, ist ja im benachbarten Kurpark vorhanden.

"Bisher ist für diese Gebäude eine klassische Energieversorgung mit einem Blockheizkraftwerk geplant. Die Kalte Nahwärme wäre ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Genug Platz für die Kollektoren gibt es im Kurpark", sagte CDU-Sprecher Sebastian Schmitt. Notfalls komme ein Mix aus dieser innovativen Form der Energieversorgung und einem Heizkraftwerk in Frage.

Fotovoltaik und Blockheizkraftwerk

Die Grünen signalisierten Zustimmung. Dr. Marin Düvel verwies auf einen Parlamentsbeschluss, wonach bei allen größeren Investitionen der Stadt die klimaneutralste Variante vorgestellt werden muss. Das sei im Fall der neuen Therme zweifellos die Kalte Nahwärme. Er schlug eine eingehende Beratung im Bauausschuss vor.

Den Prüfauftrag hatte Bürgermeister Klaus Kreß im Vorfeld der Sitzung bereits erledigt. Zumindest hatte er ein Gespräch mit Stadtwerke-Fachleuten zu diesem Thema geführt. Ergebnis: "Kalte Nahwärme ist eine tolle Energieform, eignet sich aber nicht für die Therme." Für ein Thermalbad würden höhere Temperaturen benötigt, als sie von der Kalten Nahwärme geliefert werden könnten. Damit würden maximal 50 Grad erreicht. Die Temperatur könne zwar mithilfe anderer Technik erhöht werden, was bei diesem Projekt aber nicht wirtschaftlich sei. "Wir setzen bei der Therme auf einen Mix aus Blockheizkraftwerk und Fotovoltaik", erklärte Kreß.

Zudem kann sich der Bürgermeister nicht vorstellen, den "halben Kurpark" umzugraben, um dort die Erdkollektoren zu verlegen. Wasser- und Abwasserleitungen, die die Grünanlage querten, müssten verlegt werden. Und noch ein Argument, das in diesem Fall gegen die Kalte Nahwärme spreche: Wie in Bad Nauheim Süd ersichtlich, sei eine recht große Technikzentrale zur Steuerung der Anlage erforderlich. "In der kleinen Therme ist dafür kein Platz", meinte der Bürgermeister.

Im Ausschuss wird weiter beraten

Peter Heidt (FDP) warnte davor, den ohnehin sehr anspruchsvollen Therme-Neubau mit einem weiteren schwierigen Planungsprozess zu überfrachten. "Das Projekt kommt schon jetzt nicht voran, weil das Land einfach nicht in der Lage ist, das Ausschreibungsverfahren für Sanierung und Umbau im Sprudelhof auf die Reihe zu bringen", sagte der Freidemokrat. Das Thermalbad sei ein völlig anderes Investitionsvorhaben als ein Neubaugebiet. Die Stadtwerke seien an dieser Stelle deshalb gegen einen Einsatz der Kalten Nahwärme.

Von einem "Forschungsprojekt" in Bad Nauheim Süd sprach FW/UWG-Fraktionschef Markus Theis im Zusammengang mit der Kalten Nahwärme. Dort sollten zunächst Erfahrungen gesammelt werden, ob alles wie gewünscht funktioniere. Gegen den Einsatz dieser Technik für die Therme spreche auch der umfangreiche Baumbestand im Kurpark.

"Mir leuchtet nicht ein, warum es technisch nicht gehen soll. Vielleicht ist Kalte Nahwärme nicht gewünscht, weil es etwas schwieriger ist", warnte CDU-Fraktionsvorsitzender Manfred Jordis davor, eine große Chance für die Zukunft zu verspielen. Eine CO2-neutrale Lösung werde sich langfristig als wirtschaftlich erweisen. Denn die CO2-Steuer komme und werde das Betriebsergebnis der Therme belasten, wenn die Stadt dort auf die klassische fossile Energie setze.

Letztlich kam eine Mehrheit für eine ausgiebige Beratung im Ausschuss zustande. Eine Mehrheit für Kalte Nahwärme beim Therme-Projekt zeichnet sich allerdings nicht ab.

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