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Die beiden Schülerinnen von der Kurt-Schumacher-Schule stellen das Projekt »Malala« vor.

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Thema Diversität in vielen Facetten

  • VonNiklas Mag
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Gerade für Lehrerinnen und Lehrer ist der Umgang mit Diversität wichtig. Doch wie werden Probleme gelöst, wie wird dieses Thema in den Schulalltag integriert? Seit einem Jahr werden in Dortelweil junge Lehrer von 20 Schulen ausgebildet. Diese erlebten eine vierteilige Veranstaltungsreihe zum Thema Diversität mit besonderem Fokus auf die Praxis

V or rund einem Jahr zog das Studienseminar von Oberursel nach Dortelweil. Das dem Kultusministerium unterstellte Institut ist für die Ausbildung junger Lehrerinnen und Lehrer von 20 Schulen in der Region zuständig und hat die Veranstaltungsreihe »Diversity« ins Leben gerufen. Diese fand in der vergangenen Woche in der Kurt-Schumacher-Schule (KSS) in Karben ihren Abschluss.

Referendare vom Projekt beeindruckt

Nicola Piesch, Leiterin des Studienseminars, ist sehr zufrieden: »Wir verstehen uns als Bildungseinrichtung und wollten den angehenden Lehrern mit praktischen Angeboten das Thema näherbringen. Mit Selbsterfahrung und Reflexion«, erläutert sie. »Die Lehrer müssen schließlich nicht nur Themen rüberbringen, sondern haben auch einen Erziehungsauftrag. Wir wollen ihnen deshalb zeigen, wie Themen in den Unterricht eingebaut werden können.«

»Homologie« lautete der Titel der ersten Veranstaltung zum Thema Diversität im September. Der Kabarettist Malte Anders habe den Kurs geleitet und Gewalt und Abwertung durch Sprache auf sehr komödiantische Weise den Lehrern nähergebracht, so Piesch. Mit einem theaterpädagogischen Workshop mit Oli Becker ging es danach weiter, hier ging es um Selbsterfahrung. »Das war ganz praxisnah. Es drehte sich unter anderem um das Thema Stereotypen, denn wir alle haben große und kleine Vorurteile, ob wir wollen oder nicht.« Im Kino fand die dritte Veranstaltung statt. »RUN« wurde gezeigt, ein Film des Open Mind Ensembles zum Thema Ausgrenzung und Mobbing, und danach diskutiert.

Im letzten Teil ging es darum, ganz direkt Ansprechpartner für die jungen Lehrer zu vermitteln. »Deshalb stellen sich bei unserer vierten Veranstaltung zu Diversität Institutionen aus der Region vor, die mit dem Thema in Verbindung stehen«, berichtet Piesch. Zu Gast waren Vertreter der Fachstelle für Integration und das Vielfaltszentrum WIR.

Doch nicht nur das. Auch sollen die rund 20 angehenden Lehrerinnen und Lehrer, die sich für die Veranstaltung angemeldet hatten, Schüler kennenlernen, die sich mit Diversity befassen. In Karben sind das unter anderem die zwei Schülerinnen Lily und Jannika, die das Projekt »Malala« an der KSS gestartet haben - benannt nach Malala Yousafzai, die 2014 den Friedensnobelpreis verliehen bekam. Wegen ihrer langjährigen Kritik an der Taliban-Herrschaft 2012 war das Mädchen bei einem Anschlag attackiert und schwer verletzt worden. »Uns ist aufgefallen, dass es in allen Fächern immer nur um Männer geht. Gerade in Geschichte, in Politik und Wirtschaft oder Religion werden immer nur Leistungen von Männern hervorgehoben«, beginnen die beiden ihren Vortrag. »Wir wollen uns dafür einsetzen, dass das Bildungssystem in Zukunft mehr Diversität repräsentiert. Wir sollten in der Schule lernen, wie vielfältig Menschen immer schon waren und auch heute noch sind.«

Den anwesenden Referendarinnen und Referendaren war anzusehen, wie beeindruckt sie vom Engagement der beiden KSS-Schülerinnen sind. Für Piesch ein weiteres Zeichen dafür, dass sich der Aufwand gelohnt hat: »Es waren alle von den vier sehr unterschiedlichen Veranstaltungen durchweg begeistert. Und ich bin der Meinung, dass dieser praktische Ansatz, den wir damit verfolgen, sehr wertvoll ist.«

»Diversität ist als Begriff sehr umfangreich und breit gefasst. Der Begriff bezieht sich auf Heterogenität, Vielfalt und Unterschiedlichkeit in Bezug auf Gender, Sexualität, (soziale) Herkunft, psychische und physische Fertigkeiten, die wir in unserer Gesellschaft und somit auch im Schulleben wiederfinden«, heißt es im Thesenpapier des Studienseminars. Ziel sei es, Lehrkräfte im Umgang mit Diversität zu sensibilisieren und die Möglichkeiten zu geben, in ihrem Berufsalltag gegen Diskriminierung vorzugehen, um die Einhaltung der Grund- und Menschenrechte im schulischen Alltag zu gewährleisten. nma

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