Daniela Wißner und ihr Vorgänger Bernhard Lotz bei der Übergabe der »eisernen Ratte«, symbolisch für die Abwasseranlagen der Stadt Nidderau. Das größte Projekt der neuen Chefin der Stadtwerke war bisher die Grunderneuerung in der Bahnhofstraße. FOTO: GEO

Die Technik ist ihr Metier

Daniela Wißner hatte bereits im Oktober 2018 die Vertretung für Bernhard Lotz übernommen. Nun ist sie die Leiterin des Eigenbetriebs Stadtwerke Nidderau und Geschäftsführerin der Abwasser GmbH Nidderau. Die diplomierte Bauingenieurin ist Chefin von 15 Mitarbeitern und trägt die Verantwortung für ein Budget von fünf Millionen Euro.

Kläranlagen, Kanalnetze und Pumpstationen. Für die 52-jährige Fachfrau der Abwassertechnik sind dies nicht bloß leere Begriffe. Daniela Wißner lebt ihren Beruf mit Leidenschaft und Freude. Nach ihrem Abitur 1986 schrieb die Frankfurterin sich an der Technischen Universität Darmstadt ein, um Bauingenieurwesen zu studieren.

An der Uni näherte sie sich Schritt für Schritt dem Feld Wasserversorgung, Abwasserbeseitigung und Raumplanung. Die Abwassertechnik sei ihr in die Wiege gelegt worden. Ihr Großvater war Baumeister und projektierte Bauvorhaben in der Vor- und Nachkriegszeit. »Meine Mutter sagte immer, das hat der Opa gebaut und das und das. Das hat mich früh geprägt.« Ihr Vater war Ingenieur für Starkstrom und Elektrotechnik. In ihrer Kindheit habe sie oft mit Jungs gespielt, weshalb es ihr nicht schwergefallen sei, zu den fünf Prozent Frauen bei Semesterbeginn zu zählen.

1992 und 1993 war sie als beratende Ingenieurin in der freien Wirtschaft in München tätig. »Witzigerweise habe ich dort von national und international tätigen Ingenieurbüros immer Aufträge in Hessen bekommen«, sagt Wißner.

Wiedereinstieg in den Beruf

Sie arbeitete für die Hessische Industriemüll GmbH bei der Müllverbrennungsanlage in Biebesheim. Wißner erschloss Erweiterungsflächen, baute Pumpstationen und Kanalnetze und erwirkte wasserrechtliche Genehmigungen. Nach der Grenzöffnung führte sie ihr beruflicher Weg nach Dresden und den Ostteil Berlins. »Es waren große Teams und eine tolle Zeit.«

1999 wurde sie Mutter ihrer ersten Tochter, 2001 der zweiten. 2003 suchte sie den Wiedereinstieg in den Beruf. Ihr Wunsch war der öffentliche Dienst, aufgrund der gebotenen Sicherheiten, geregelten Arbeitszeiten und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Bei den Stadtwerken in Nidderau fühlt sie sich wohl. Nidderau wertet sie als historische Kommune mit »echter Stadtentwicklung«, in der die ersten Kanäle und Grabenverrohrungen weit über 100 Jahre alt und teils schon saniert sind.

In ihr Budget fallen zwei Kläranlagen, der Unterhalt und die Reinigungskosten für das Abwassernetz mit Pumpstationen und Regenrückhalteanlagen sowie Strom- und Wartungskosten. »Zu den laufenden Kosten kommen Investitionen, wie etwa in Anlagen, zumeist im hohen sechsstelligen Bereich«, sagt Wißner.

Während die Kläranlage für die nächsten Jahrzehnte super aufgestellt sei, sieht sie den Hochwasserschutz als großes Thema.

Daten vom Wetterdienst

Hier werde auf vorgegebene Zahlen des Deutschen Wetterdienstes zurückgegriffen, die aufgrund langjähriger Messungen ermittelt werden. Für die zukünftige Stadt- und Siedlungsentwicklung würden Möglichkeiten zur natürlichen Wasserrückhaltung in die Planung einbezogen.

»Doch was wir aktuell als Damoklesschwert betrachten, ist die Klärschlammentsorgung«, sagt Wißner. Nach der novellierten Verordnung sollen Klärschlämme nicht mehr in der Landwirtschaft ausgebracht werden. Immer mehr kommunale Klärschlämme werden deshalb verbrannt.

Laut Statistischem Bundesamt waren es 2018 etwa 74 Prozent des anfallenden Volumens. Nidderau lagert den entwässerten Klärschlamm aktuell in Containern zwischen. Zwei große Container zu je zwölf Tonnen werden zweimal pro Woche abgefahren. Hier strebt Wißner eine zukunftsfähige Lösung an. »Abwassertechnik ist gelebte Umwelttechnik.«

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