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Marion Bischoff-Dönges in ihrem verwaisten Tanzsaal.

Tanzen vor den Bildschirmen

  • vonHarald Schuchardt
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Auch Friedberger Tanzschulen und Ballettstudios sind wegen der Pandemie geschlossen. Es ist keine leichte Zeit für Betreiber, Mitarbeiter und Schüler. Doch getanzt und unterrichtet wird weiterhin - zu Hause und online.

Viele Jahre ist der Notausgang der Tanzschule Wehrheim-Gierok im Saal des früheren Hotels Trapp in Friedberg nicht genutzt worden. Zwischen dem ersten und dem zweiten pandemiebedingten Lockdown wurde er dann zum offiziellen Ausgang, doch seit Anfang November ist er wieder zu - so wie die gesamte Tanzschule und deren Außenstelle im Bad Nauheimer Sprudelhof. »Wir hatten alle Schutzmaßnahmen getroffen, überflüssige Deko weggeräumt, zehn Tanzquadrate geschaffen und vieles mehr«, sagt Inhaberin Claudia Wehrheim, die auch Vizepräsidentin des Berufsverbands Deutscher Tanzlehrer (BDT) ist.

Trotz der Schließung wird weiter getanzt, allerdings zu Hause. »Wir produzieren Videos und geben auch Unterricht online«, sagt Wehrheim. Produziert wird in Bad Nauheim, denn »da ist das Internet besser, hier haben wir ständig Probleme«.

Besonders beliebt sind die Tanzabende. »Wer zu Hause keinen Platz zum Tanzen hat, der setzt sich mit einem Glas Wein vor den Monitor und schaut zu. Viele vermissen den persönlichen Kontakt.« Der Online-Unterricht mit den Kindern bereitet der Tanzlehrerin viel Spaß. »Wie die Kleinen mit dem PC umgehen, das ist unglaublich,« lobt Claudia Wehrheim

Die fünf Angestellten der Tanzschule erhalten Kurzarbeitergeld während der Auszubildende Blockunterricht hat. »Es ist einfach toll, wie uns die Leute unterstützen«, sagt Wehrheim, die auch staatliche Unterstützung erhalten hat.

Eine ganz andere Unterstützung bekommt Marion Bischoff-Dönges, deren Tanzstudio »Dance-Line« über dem Modegeschäft Ruths in der Friedberger Kaiserstraße 2022 sein 25-jähriges Jubiläum hat. Seit der Schließung im November erhebt die Tanzlehrerin von ihren Kursteilnehmern keine monatlichen Gebühren. »Drei Familien spenden trotzdem jeden Monat. Sie wollten das so«, erklärt Bischoff-Dönges, die Ende Januar erste Hilfe vom Staat erhalten hat. »Da meine sechs Lehrer alle Freiberufler und bei mir nicht festangestellt sind, gelte ich als Solo-Selbstständige.« So erhielt sie zunächst keine staatliche Unterstützung - und das bei weiterlaufenden Kosten wie Miete und Versicherung. Nun hat sie noch die »Neustarthilfe« beantragt. »Das ist für mich die letzte Hilfe. Wenn ich im Sommer nicht öffnen kann, dann wird es eng«, sagt Bischoff-Dönges, deren Tanzlehrer auf eigene Rechnung Online-Unterricht erteilen. »Sie alle haben ja lange auch keine Unterstützung erhalten.«

Ganz auf Online-Unterricht setzt das 1989 gegründete Ballettstudio Wagner-Rogoschinski in der Fauerbacher Fritz-Reuter-Straße. Inhaberin Monika Wagner hat schon während des ersten Lockdowns begonnen, Videos zu drehen und übers Internet Unterricht zu geben. »Da hatte ich im Studio noch kein WLAN, ich habe technisch richtig aufgerüstet«, erzählt Wagner, deren drei fest angestellte Mitarbeiterinnen Kurzarbeitergeld erhalten. Sie selbst hat keine staatlichen Hilfen beantragt, denn »ich habe ja Einnahmen, auch wenn es weniger geworden ist«.

Zwei Drittel ihrer Schülerinnen und Schüler machen beim Online-Unterricht mit. »Wir haben auch Klassen, da sind alle dabei«, ergänzt Tanzlehrerin Rieke Rapp, die besonders vom Engagement der Kleinsten begeistert ist: »Die Kinder geben einfach alles.« Und auch die Eltern sind begeistert, wie zahlreiche Danke-Mails zeigen: »Vielen Dank für ihre unermüdliche Arbeit, den Kindern trotz Pandemie so viel Normalität wie möglich zu bieten, auch wenn unser Internet manchmal nicht mitspielt«, schreibt eine Mutter zweier Töchter. Im Ballettstudio selbst gibt es mit der Technik keine Probleme.

Drei junge Frauen, die wegen ihres Studiums weggezogen waren, sind nun online wieder dabei. »Liebe Moni, du weißt gar nicht, wie glücklich mich das Zoom-Training wieder gemacht hat. So war der Studienbeginn wieder mehr als leicht«, schreibt eine Studentin.

Trotzdem fiebern Monika Wagner, Claudia Wehrheim und Monika Bischoff-Dönges einem Neustart vor Ort entgegen. Sie hoffen zudem, dass irgendwann auch wieder große Tanzshows und Tanzschulbälle möglich sein werden.

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