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ZUM NACHDENKEN

Suchet der Stadt Bestes

  • VonRedaktion
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Vor einiger Zeit erzählte mir ein Pfarrer unseres Dekanats von einem älteren Mann, der nach 40 Jahren mit weit über 70 Lebensjahren aus Karben in Richtung Vogelsberg verzogen ist. Der Grund war, dass er sich mit seiner Rente nach einer Mieterhöhung seine Wohnung nicht mehr leisten konnte.

Als Christ und heimatverbundener Mensch tut mir der Mann wirklich leid. Es ist ein erheblicher Einschnitt, wenn man sich nach so langer Zeit genötigt sieht, sein gewohntes Umfeld aufzugeben; noch dazu in einem Alter, in dem man zunehmend auf eine gute Infrastruktur und Gesundheitsversorgung angewiesen ist.

Mit dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum findet in unserer Region absehbar eine Verdrängung von einkommensschwächeren Menschen statt. Das erinnert an Verhältnisse im 19. Jahrhundert, wo sich in manchen Städten das Bürgertum der Pflicht zur Armenfürsorge entledigte, indem es Druck auf die Armen ausübte, um diese zu einer Übersiedlung nach Amerika zu bewegen. In der Neuzeit wird einfach kein oder zu wenig bezahlbarer Wohnraum geschaffen.

Es ist längst klar, dass in der westlichen, vor allem aber im Süden der Wetterau bezahlbarer Wohnraum fehlt. Und es zeigt sich, dass der Markt das Problem nicht löst. Im Fokus stehen teure Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen für einkommensstarke Menschen, aber auch Gewerbegebiete, Smart-City, Spaßbad und ein gigantisches Möbelhaus. Eine Teilhabe von einkommensschwächeren Menschen am knappen Bauland und einer guten Infrastruktur sind dabei nicht zu erkennen. Sollten einkommensschwache Menschen kein Recht haben, in ihrer Stadt leben zu können - gerade dann, wenn es der Stadt wirtschaftlich gut geht?! »Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn, denn wenn es ihr wohl geht, so geht es euch auch wohl.« (Jeremia 29,7)

»Wohlergehen« - was für ein schönes Wort. Und was für eine segensvolle Verheißung. Gott verheißt uns in der Bibel die Stadt der Zukunft. Eine Stadt, in der Alt und Jung, Reich und Arm, Frau und Mann, Menschen aus unterschiedlichen Nationen, Kulturen und Religionen in Frieden miteinander leben. Städte, in denen nur noch ein ausgesuchter Teil einer Gesellschaft Raum findet, werden eher zu unwirtlichen Orten. »Wohlergehen« und »Segen« ereignen sich woanders.

Für den 25. August, 19 Uhr, lädt das Evangelische Dekanat Wetterau zu einem Podiumsgespräch rund um das Thema Wohnen ein. Infos unter www.wetterau-evangelisch.de.

Wolfgang Dittrich,

Referent für Gesellschaftliche Verantwortung im Ev. Dekanat Wetterau

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