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IMPULS

Streuobstwiesen-Projekt

  • vonred Redaktion
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Diese Zeit eröffnet auch Raum für neue Projekte. Ich habe eins. Zwei Streuobstwiesen neu anlegen: Gestrüpp und Dornen abschneiden und alte Bäume aussägen, Pflanzlöcher anlegen, Mist holen, neue Bäume aussuchen, Pfähle einschlagen, pflanzen … Viel Arbeit, aber schön. Und ganz ehrlich: Ohne Corona hätte ich das gar nicht angefangen. Und jetzt stehe ich vor den ersten Bäumchen; in der Hoffnung, dass die alten Sorten in ein paar Jahren Früchte tragen - Äpfel, Birnen, Zwetschen, Mirabellen.

Dem Reformator Luther wird ja der Satz zugeschrieben, dass er heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen würde, selbst wenn morgen die ganze Welt unterginge. Ob er es wirklich gesagt hat, weiß man gar nicht. Doch es ist etwas dran. Unsere Welt geht nicht unter. Aber es geht manches verloren, und sie ändert sich - und in den letzten Monaten ist das deutlich zu spüren gewesen.

Da merke ich, wie gut es mir tut, mein Streuobstwiesen-Projekt zu betrachten. Die jungen Obstbäume stehen nun auf der aufgeräumten Wiese, auf Hoffnung und Zukunft hin. Und mir fällt ein Wort des Propheten Jesaja ein: "Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht?" Der, der so spricht, ist Gott selbst. Und das hat sogar etwas Adventliches. Das Alte ist noch irgendwie da, aber das Neue ist bereits im Kommen. Und wer genau hinsieht, kann es bereits sehen.

Mit mächtigen Schritten gehen wir auf Weihnachten zu. Da kommt Gott uns ganz nah. Und bis dahin gehe ich auch an den nächsten Wochenenden über unsere Streuobstwiesen - froh über mein "Corona-Projekt", voller Freude über das Neue, was kommt.

Volkhard Guth

Pfarrer und Dekan des ev. Dekanats Wetterau

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