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"Der Friedwald ist auch für die Stadt Friedberg ein attraktives Angebot", sagen Graf Philip zum Solms-Rödelheim und Rentkammerdirektor Welf Bücken. Und für die Bürger ohnehin. Der Trend geht ganz klar in Richtung Waldbestattung.

Friedwald

Streit um Ossenheimer Friedwald

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Im Ossenheimer Wäldchen soll ein Friedwald entstehen. Eigentümer Graf Philip zu Solms-Rödelheim und Assenheim verfolgt diese Pläne. Doch die Stadt Friedberg hat noch Fragen.

Als die gräfliche Rentkammer (ein altes Wort für Verwaltung) die Idee eines Friedwaldes der Stadt Friedberg vortrug, hieß es: Wenn der Ortsbeirat von Ossenheim das will, machen wir das. So hat es Graf Philip zu Solms-Rödelheim im Gedächtnis, und so hieß es auch im Ortsbeirat, der mehrheitlich für den Friedwald stimmte. Dann kam im September die Sitzung des Ausschuss für Stadtentwicklung, und plötzlich hieß es: Es gibt da noch Fragen.

Im April 2015 trugen Solms und Bücken ihre Idee erstmals im Rathaus vor. Damals sei man mit Hinweis auf die Flüchtlingsproblematik und die damit einhergehende Überlastung der Stadtverwaltung vertröstet worden. "Dann hatten wir das Gefühl, Bürgermeister Keller wollte das Projekt verhindern." Mehrere Rückfragen im Rathaus blieben unbeantwortet. Insofern sei die in der WZ zitierte Behauptung, die Verwaltung wolle "weiter mit dem Eigentümer verhandeln", das Gegenteil von dem, was sie seit viereinhalb Jahren tatsächlich tue.

Waldbestattungen liegen im Trend. Wird diese Form der Bestattung in Friedberg nicht angeboten, weichen die Interessenten nach Rosbach oder Wölfersheim aus. "Die Abwanderung führt zu erheblichen Einnahmeverlusten", heißt es in einer Stellungnahme der Stadt. Daher will die Stadt auf allen ihren Friedhöfen Urnenbestattungen unter ausgesuchten Bäumen ermöglichen (die WZ berichtete). Das sei ein "nettes Angebot" an die Bürger, sagt Solms. "Wer allerdings die Atmosphäre eines über Jahrhunderte gewachsenen Laubwaldes sucht, wird damit nicht angesprochen."

Insolvenz? Ein Scheinargument

Friedberg verfügt über keinen hierfür geeigneten Wald. Umso unverständlicher sei, dass die Stadt nun eine gleichgerichtete Privatinitiative "zum Nachteil ihrer Bürger abwürgen will". Die befürchteten "Einnahmeverluste" ließen sich mittelfristig nicht verhindern, glaubt Solms. Die Menschen würden trotzdem abwandern. "Bekanntlich ist nichts so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist." Zumindest die Zeit für die viel teureren innerstädtischen Friedhöfe sei für viele Menschen abgelaufen.

Waldbestattungen nahmen ihren Ursprung in zwei großen Privatwaldungen (Graf Castell in Franken/"Friedwald", Graf Erbach im Odenwald/"RuheForst"). Welf Bücken: "Von dort trat die Idee ihren Siegeszug über ganz Deutschland an, und es gibt demgemäß viele Waldfriedhöfe, die sich in Privatwäldern befinden." Insofern sei der Hinweis der Stadt, ein privater Waldfriedhof laufe im Falle einer Insolvenz Gefahr, seine Friedhofseigenschaft zu verlieren, ein Scheinargument. "Das hat zig andere Kommunen nicht davon abgehalten, diese Idee zu unterstützen. Und selbst wenn man eine Privatinsolvenz einmal zu Ende denkt, möchte ich den neuen Eigentümer sehen, der einen Friedhof schleift."

Graf Solms hat angeboten, die Stadt mit 7 Prozent an den Einnahmen zu beteiligen. "Das ist ein attraktives Angebot." Wer ohne eigenen Kapitaleinsatz und ohne jegliches Risiko eine Ertragsbeteiligung von 7 Prozent einstreichen könne, sei in einer besseren Situation als derjenige, der erst Zehntausende Euro in die Hand nehmen müsse, um seine eigenen Friedhöfe umzugestalten. Nächster Kritikpunkt der Stadt: die Verkehrsanbindung. Bücken: "Wenn hier tatsächlich Handlungsbedarf besteht, wäre dem auf unsere Kosten abzuhelfen." Aber braucht es wirklich eine Linksabbiegespur? Die gibt es bislang weder für die Gaststätte "OssPark", noch für die Biogasanlage von Energor. Für Solms ist das ein "Totschlagargument".

Nächster Einwand der Stadt: Im Ossenheimer Wäldchen gebe es "eine hohe Zahl abgängiger Bäume". Solms: "Das Ossenheimer Wäldchen ist wie alle Wälder in der Region von den veränderten Umweltbedingungen betroffen. Wenn der Eigentümer einen Urnenplatz unter einem Baum verkauft, muss er - nicht die Stadt Friedberg - dafür Sorge tragen, dass dort auch in Zukunft ein Baum steht; dafür gibt es Regelungen in den Verträgen." Die Stadt müsse sich auch darüber nicht den Kopf zerbrechen."

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